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Das erste Mal unter heulenden Wölfen

Isernhagen Das erste Mal unter heulenden Wölfen

Mittendrin statt nur dabei: In der Reihe "Heimat hautnah“ schreiben unsere Autoren nicht nur über Veranstaltungen in Isernhagen, sondern sie machen aktiv mit. Kai Schuntermann (26) war beim Rudelsingen im Kulturzelt Isernhagen.

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Bandleader Tobias Sudhoff gibt beim Rudelsingen im Kulturzelt Isernhagen den Ton an.

Quelle: Frank Walter

Isernhagen. Rudel-was? Davon habe ich noch nie etwas gehört. Das Bild eines Wolfsrudels, das den Mond anheult, taucht vor meinem inneren Auge auf. "Es ist wie Karaoke, nur dass alle zusammen singen“, erläutern die Kollegen. Leichtsinnigerweise sagte ich zu, ohne erst weitere Nachforschungen anzustellen.

Eine halbe Stunde vor Beginn parke ich am Hufeisensee. Der Weg zum Kulturzelt ist mit einem roten Teppich ausgelegt, was meine Nervosität nicht gerade kleiner werden lässt. Sechs Frauen sorgen schon vor für Stimmung, sie singen "Atemlos“ von Helene Fischer, Kurze lockern die Zunge. Sie kommen aus Seelze und Umgebung, feiern einen Jungesellinnen-Abschied. Noch halte ich Abstand.

"Stille Nacht“: In der achten Klasse habe ich mal mit dem Schulchor Weihnachtslieder singen müssen. In der letzten Reihe habe ich damals gestanden und den Mund bewegt wie Fußballspieler bei der Nationalhymne. Doch zurück ins Jetzt: Es beginnt ganz harmlos mit den Cheerleadern "Flying Devils“. Aus den Boxen dröhnt "Taking me higher, higher to the Sky“, noch singt niemand. Dann betritt Sänger und Moderator Tobias Sudhoff samt Kollegen die Bühne. Von hinten fordert eine der Junggesellinnen "Atemlos!“, noch bevor der gut aufgelegte Entertainer überhaupt losgelegt hat. "Pech gehabt!“, entgegnet Sudhoff – das wäre ja zu einfach.

Ich stehe hinten, wie damals bei der Schulaufführung. Top, das erste Lied kenne ich schon mal: "Tage wie diese“ von den Toten Hosen. "In dieser Nacht der Nächte...“ heißt es an einer Stelle – abwarten. Meine Stimme kommt mir fremd vor. Unsicher gucke ich nach rechts und links – hört das wer? Ich singe eigentlich nie, nicht einmal unter der Dusche. Es läuft "Always look on the bright Side of Life“, 250 Menschen pfeifen zusammen den Refrain, ich muss lachen – den Monty-Python-Film liebe ich.

Dann ist erst mal Pause, für meine flüssige Verpflegung sorgen die Junggesellinnen. Ihr gut gefüllter Rucksack lässt mich lockerer werden. Danach traue ich mich auch in die erste Reihe. Corinna neben mir spendiert unserem Vorsänger ein Bier. "Entweder ist das alkoholfrei, oder Du hast Herpes“, witzelt Sudhoff und stößt mit ihr an. Dann kommt Bewegung ins Zelt: "Tanze Samba mit mir...“. Corinna tanzt mit ihrem Mann, ich schnappe mir meine Freundin. Bettina neben mir ist auch Frischling beim Rudelsingen. "Man muss erst einmal warm werden, aber dann macht es Spaß“, sagt sie – recht hat sie. Udo Jürgens läutet den Höhepunkt ein: Alle liegen sich in den Armen und tanzen Sirtaki zu "Griechischer Wein“, ich mittendrin. Der Bann ist gebrochen, wir sind ein Rudel. Irgendeine Saskia hat Geburtstag – klar, dass ihr alle ein Ständchen singen. Wir rocken zu "Highway to Hell“, sind "Völlig losgelöst von der Erde“ mit Major Tom. Genau so fühlt es sich an. Es braucht zig Zugaben, bis das Rudel sich auflösen will.

Ich bin froh, dass es vorbei ist, auch wenn es Spaß gemacht hat – aber ich kann einfach nicht mehr. Die Stimme krächzt, Kräuterbonbons hatte ich sicherheitshalber schon in der Hosentasche. Ob ich noch einmal im Rudel singen werde? Mal schauen. Aber allein unter der Dusche ganz bestimmt – so viel steht fest.

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Von Kai Schuntermann

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