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Heimspiel für gelebte Inklusion

Isernhagen Heimspiel für gelebte Inklusion

Was sich dem Publikum am Sonnabend in der Sporthalle der Heinrich-Heller-Schule bot, war spannend und interessant zugleich: Erstmals hatte der junge Verein Rolling Chairs zum großen Heimturnier im Rollstuhlbasketball eingeladen. Seit einem Jahr trainieren zehn Sportler in Isernhagen - Fußgänger wie Gehbehinderte.

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Beim Rollstuhlbasketball zählt das Team und nicht, wer ein Handicap hat (Bild oben). Die Allianz spendet Rolling Chairs 5000 Euro für neue Sportrollstühle. Bahl (2)

Quelle: Carina Bahl

Isernhagen. „Zehn, neun, acht...“ - die Zuschauer zählen unerbittlich runter und jubeln dabei: 24 Sekunden haben die fünf Rollstuhlbasketballer Zeit, um ihren Angriff abzuschließen. Es knallt: Zwei Rollstühle prallen zusammen. Kein Foul, das ist erlaubt, solange sich niemand verkantet. Im Strafraum ist es eben eng, wenn zehn Rollstuhlfahrer versuchen, sich zu positionieren. Und dann: Treffer - der 58. bereits für die Rolling Chairs aus Isernhagen. Das zweimal 15 Minuten lange Spiel gegen die Buchholzer ist locker gewonnen. So wie alle an diesem Tag: Heimsieg!

Wer auf dem Spielfeld wirklich ein Handicap hat und für wen der Rollstuhl nur ein Sportgerät ist, das lässt sich nur nach Spielende erkennen - wenn manch einer einfach aufsteht. Auf dem Feld ist meist kein Unterschied auszumachen: Jung, Alt, Frauen, Männer, Behinderte und Gesunde passen sich zu, dribbeln sich zwar nicht aus, aber umfahren sich, wenden, schreien sich Nummern entgegen, um dem Team klarzumachen, wer gerade wen deckt. Es macht einfach nur Spaß, dabei zu sein.

Ganz stolz am Rand steht am Sonnabend der stellvertretende Vorsitzende Frank Pieper: „Das ist gelebte Inklusion“, betont er. 40 Mitglieder zählt der Verein Rolling Chairs - und bietet mit Seniorentreffs, Fahrtrainings für jedermann und Teambuildingmaßnahmen für Firmen inzwischen weit mehr als Basketball im Rollstuhl an. Der Sport ist kostspielig: 2500 Euro für einen Sportrollstuhl sind noch günstig. Der Blick auf das rasante Spiel beim ersten Turnier mit fünf Teams am Sonnabend, das hier und da unmittelbar an Autoscooter erinnert, macht deutlich, warum es gut verarbeitete Rollstühle braucht. „Aber wir haben jetzt Sponsoren am Start“, freut sich Pieper. Zum Beispiel die Allianz, die beim Turnier gleich 5000 Euro überreichte. Zudem durfte sich die Mannschaft auch über Sporträder sowie neue Trikots des Sponsors Golz AV U&G freuen.

Viel wichtiger als die Sponsoren waren dem Verein aber die Familien, die zum Zuschauen kamen: „Manche sind sogar in den Rollstuhl gestiegen“, sagt Pieper - und hofft auf Nachwuchs für die Mannschaft. Den wollen die Rolling Chairs auch an Schulen gewinnen: Eine AG startet nach den Ferien an der Hauptschule. Zudem sind Angebote an allen Grund- und weiterführenden Schulen das Ziel. Was dafür noch fehlt? „Ein Bus“, bringt es Pieper auf den Punkt. 14 Rollstühle müssten regelmäßig transportiert werden.

Ein Jahr gibt es den Verein schon. Wie sieht die Bilanz aus? „Die Selbsthilfegruppe für Behinderte haben wir wieder eingestellt“, sagt Pieper - es sei nicht einfach, Behinderte zu überreden, sich in einer Gruppe zu öffnen. Einzelgespräche und ein Sorgentelefon haben sich aber etabliert. „Unser Ziel ist es, den Behinderten die Scheu zu nehmen, am öffentlichen Leben teilzuhaben“, sagt Pieper. Zugleich sollen Gesunde ein Gefühl dafür bekommen, was es heißt, im Rollstuhl zu sitzen. „Es ist traurig, aber es gibt noch viele, von denen man üble Sprüche zu hören bekommt.“

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