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In H.B. sind die Rocker los

Isernhagen H.B. In H.B. sind die Rocker los

500 Motorradfahrer werden am Wochenende bei der Jahresparty der Biker Union beim TSV Isernhagen in H.B. erwartet. Mit Günther Stobinski (58), Secretary bei den Gastgebern MC Rats Hannover, hat NHZ-Mitarbeiterin Carina Bahl vorab gesprochen.

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„Rocker lächeln nicht!“, scherzt Günther Stobinski. Für das Foto macht er aber eine Ausnahme.

Quelle: Carina Bahl

Isernhagen. Bei Motorradclubs kommen einem die wildesten Vorurteile in den Kopf. Daher die wichtigste Frage zuerst: Gehören Sie zu den guten oder zu den bösen Jungs?

(lacht) Definitiv zu den Guten, sonst würde es die Rats ja nicht schon seit 35 Jahren ohne Verbote geben. Das Chapter Rats Hannover gibt es allerdings erst seit 2002 – seit Herbst 2014 haben wir unser Clubhaus jetzt an der Eisenstraße in Isernhagen H.B.

Stopp. Nachfrage: Was ist ein Chapter?

(überlegt) Nennen wir es mal Ortsverein. Das Mother Chapter (räuspert sich) – also der Hauptsitz – ist in Stuttgart. In ganz Deutschland haben die Rats sieben Standorte.

Ihr Clubhaus liegt mitten im Gewerbegebiet von H.B. Da klappt’s dann einfacher mit dem Nachbarn, oder wie?

Wir hatten noch nie Probleme mit unseren Nachbarn. Davor waren wir in Fuhrberg zuhause – und Teil der Dorfgemeinschaft. Ob der Anwalt oder die Omi von nebenan: Jeder kannte uns und mochte uns. Wir mussten dort weg, weil der Vermieter Eigenbedarf angemeldet hat. Die Halle in H.B. habe ich bei einer Ausfahrt entdeckt – der Eigentümer hatte eine Harley vor der Tür geparkt. Das war die Einladung.

Und wie sieht das jetzt in Isernhagen aus, haben Sie sich den H.B.ern schon vorgestellt?

Wir hoffen, dass auch hier keiner Berührungsängste hat. Bisher sieht das gut aus: Zur Einweihung haben wir die Nachbarn eingeladen und eine schöne Party gefeiert. Es gibt keinen Grund, warum man uns nicht akzeptieren sollte – wir tun ja nichts (zwinkert).

Es gab keine Beschwerden?

Zugegeben: eine. Eine ältere Dame kam auf dem Fahrrad vorbei und beschwerte sich, dass sie keine Einladung bekommen hatte.

Wie funktioniert ein Motorradclub, was machen Sie so?

Wir treffen uns wöchentlich im Clubhaus – zum Austausch, Frühstücken und Planen. Einmal im Monat haben wir eine Vorstandssitzung. Wir sind demokratisch organisiert wie jeder Verein – nur eben als Vereinigung mit Präsident und Stellvertreter. Ausfahrten und Besuche anderer Clubs gehören fest zum Programm. Da könnten wir jedes Wochenende aus zehn Terminen wählen. Ganz oben stehen der Zusammenhalt und die Geselligkeit bei uns: Wir verstehen uns als Familie, wie sich das für echte Rocker gehört.

Für den Laien: Biker? Rocker? Was ist der Unterschied?

Rocker sein, das ist eine Lebenseinstellung. Für seine Brüder, für den Club ist man immer da, hilft sich untereinander und fährt zusammen. Biker hingegen sind eher allein auf der Straße unterwegs, nehmen aber auch mal an Treffen teil.

Wer findet sich in den Reihen Ihrer Rockerfamilie?

Wir sind bunt gemischt: vom Lastwagenfahrer bis zum Versicherungsmakler. Allerdings sind wir nicht die jungen Wilden – der Jüngste ist 38 Jahre alt, der kleinste bin wohl ich, und der schwerste wiegt 160 Kilo (lacht).

Was muss man tun, um Mitglied der Rats Hannover zu werden?

Voraussetzung ist, dass man ein Motorrad mit mindestens 500 Kubikzentimetern Hubraum hat. Wer Lust hat, geht dann bei uns in die Probezeit.

Da sind wir mitten im Aufnahmeverfahren, wie läuft das genau ab?

Also etwa drei Monate gilt man als „Hang-around“, darf überall dabei sein und bekommt den unteren Teil des Rückenemblems. Im Anschluss wird man „Prospect“, darf schon die obere Hälfte des Emblems auf seine Kutte nähen und beweisen, dass man in die Gruppe passt. Nach gut eineinhalb Jahren hat man es geschafft: Dann steht die große Membertaufe an, das Enblem wird ausgefüllt mit dem Logo – und man ist voll dabei.

Dürfen Frauen auch dabei sein?

Nein, das fällt unter die ungeschriebenen Gesetze. Wir sind da aber nicht so streng wie andere Clubs: Die Frauen sind bei uns gern gesehen, ohne sie geht es ja auch gar nicht. Sie gelten aber nur als „Supporter“ und nicht als vollständiges Mitglied.

Gut, die Grundlagen sind geklärt. Kommen wir zum Wochenende: Was ist beim TSV denn geplant?

Es wird die große Jahresparty der Biker Union ausgerichtet – die Organisation stemmen unsere Mitglieder ehrenamtlich. Um die 500 Motorradfahrer kommen am Freitagnachmittag an. Am Sonnabend gibt es ab 11 Uhr eine Ausfahrt durch Burgwedel und Isernhagen, am Nachmittag starten dann die Bikerspiele, und am Abend gibt es ein Konzert und eine Party.

Und feiern die Rocker in geschlossener Gesellschaft?

Auf keinen Fall! Viele haben noch Vorurteile, das ist schade. Nur weil ein paar Clubs kriminell sind, gilt das nicht für alle. Wir freuen uns über Familien, Senioren und Neugierige, die uns besuchen. An den Juxspielen am Nachmittag kann auch jeder Besucher teilnehmen. Der Eintritt ist frei. Es gibt Getränke und Essen – das wird ein Spaß.

Aber ein paar Klischees werden doch wohl trotzdem erfüllt?

Na klar: Wir sind zwar heutzutage Luxusrocker (lacht). Einige zelten nicht auf dem Sportplatz, sondern haben sich in Hotels einquartiert. Aber es gibt auch noch die tätowierten, gepiercten, starken Männer mit Rauschebart. Ich denke gern an einen 80-Jährigen, der seit Jahren zu jeder Party auf seiner Maschine kommt – mit klapprigem Zelt. Der vertritt noch die alten Werte. Toll. Aber egal wer: Wir freuen uns über Besuch. Akzeptanz ist für uns wichtig. Wir wollen Teil der Dorfgemeinschaft werden, und das ist gar nicht leicht, so auswärts im Gewerbegebiet.

Wenn man am Wochenende keine Zeit hat, darf man Sie auch mal im Clubhaus besuchen?

Jeden Sonntag von 10 bis ?13 Uhr ist unsere Tür an der Eisenstraße geöffnet. Dort haben wir mit viel Manpower eine leerstehende Werkhalle umgebaut. Es gibt Platz zum Feiern, an den Wänden hängen Erinnerungen, das Lager richten wir gerade noch her. In der Küche steht sogar eine Spülmaschine, die (betont) auch wir Männer bedienen, und bei gutem Wetter feiern wir auf dem Parkplatz davor. Wer möchte, kann vorbeikommen.

Und wird dieses Angebot auch genutzt?

Zum Glück ja. Wir haben sogar eine Freundschaft zu einem Roller-Club, der uns einmal im Monat besuchen kommt.

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