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In Kirchhorst endet die Ära Vogelgesang

Isernhagen In Kirchhorst endet die Ära Vogelgesang

Nach 20 Jahren legt Renate Vogelgesang ihr Amt als Ortsbürgermeisterin von Kirchhorst Ende Oktober nieder – um künftig vor allem Oma und Freundin sein zu können. Voller Stolz kann sie zurückblicken und bilanzieren: „Uns in Kirchhorst geht es gut.“

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Ortsbürgermeisterin, Ärztin und Vorsitzende des Reitvereins: Hengst Sueno ist eines von Renate Vogelgesangs liebsten Hobbys.

Quelle: Carina Bahl

Kirchhorst. Neubau- und Gewerbegebiete, eine Ortsdurchfahrt, die auf zwei Spuren geschrumpft ist, ein Einkaufsmarkt im Dorf und das Ensemble für alle Generationen rund um die Alte Schule: „Wir haben viel bewegt in den 20 Jahren“, sagt die Ortsbürgermeisterin. „Aber jetzt ist für mich Schluss.“ 1988 war ihre Familie ins Dorf gezogen – ab 1991 saß sie im Ortsrat für die CDU. „Ich wusste gar nicht, ob ich das kann“, sagt Vogelgesang heute. Anscheinend schon: Bereits 1996 wurde sie Ortsbürgermeisterin. Alle Versuche, schon vor fünf Jahren dieses Amt weiterzugeben, scheiterten. „Ich hab mich überreden lassen. Aber jetzt darf mal jemand anderes seine Ideen einbringen.“

Ganz einfach fällt der Abschied nicht, mag man meinen, wenn Vogelgesang über „ihr“ Dorf spricht. „Es ist eine wunderschöne Aufgabe“, beschreibt sie die wertvollen Begegnungen, die Jubiläums- und Geburtstagsbesuche so mit sich brachten. „Kirchhorst hat auch so viele aktive Vereine“, schwärmt sie. Vom Zehntfest bis zum Weihnachtsmarkt: „Meinem Nachfolger kann ich nur ans Herz legen, das Miteinander zu pflegen und alle in Kontakt zu halten.“ Der 59-Jährigen könnte man getrost Ämterhäufung unterstellen: Schließlich ist Vogelgesang auch Vorsitzende des Reitvereins und als Allgemeinmedizinerin „die“ Ärztin im Dorf. Bei so vielen Aufgaben freut die Mutter zweier Töchter sich, künftig mehr Zeit für die Familie zu haben – „ich werde bald Oma“ – und auch ihren Freundinnen wieder einen Kaffee anbieten zu können – „und das nicht nur mit drei Monaten Vorlauf“.

Die zeitintensive Arbeit im Ortsrat wird ihr definitiv in Erinnerung bleiben. „Nie vergessen werde ich die turbulente Sitzung zum Expo-Camp“, sagt Vogelgesang und muss ungläubig den Kopf schütteln: Der Maikäfer war zur Jahrtausendwende aus allen Nähten geplatzt, weil jemand im Dorf plante, für die Weltausstellung Tausende Menschen in Kirchhorst campen zu lassen. „Es gab viel Protest. So oft musste ich meine Glocke im Ortsrat noch nie läuten.“ Damals hatte sich eine Bürgerinitiative gegründet – und es sollte nicht die letzte sein: „Das können die Kirchhorster wirklich gut“, scherzt Vogelgesang und fügt ernst hinzu: „Es ärgert mich aber, wenn es schon eine BI und eine Unterschriftenliste gibt, bevor alle Informationen bekannt sind.“

Die Zusammenarbeit im Ortsrat, die keine Parteipolitik kannte, wusste sie stets zu schätzen, und „richtig Spaß“ haben ihr die Ortsratfahrten gemacht, bei denen sie nur ein einziges Mal wegen Krankheit fehlte. Die Reden zum Volkstrauertag liegen ihr inzwischen auch – „bei der ersten war ich so unsicher“, erinnert sie sich. „Was sollte ich als junge Frau schon den Kriegsteilnehmern erzählen?“

Der Dank gilt jetzt ihrer Familie, die ihr stets den Rücken frei gehalten hat. „Mein Engagement stelle ich aber nicht ein“, verspricht Vogelgesang den Kirchhorstern. Im Rat macht sie weiter – „und im Dorf bleibe ich sowieso verankert“. Wer könnte daran zweifeln?

Von Carina Bahl

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