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Häusliche Gewalt: Familienvater verurteilt

Isernhagen Häusliche Gewalt: Familienvater verurteilt

„Es kam mir auf den Text an“: Dieser Satz eines 26-Jährigen über ein verschicktes Gewaltvideo war am Donnerstag im Amtsgericht Burgwedel der skurrile Höhepunkt einer Familientragödie. Ein Familienvater ist wegen Körpeverletzung, Bedrohung und Verstoß gegen ein Kontaktverbot zu insgesamt elf Monaten auf Bewährung verurteilt worden.

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Gleich mehrfach hatte der 26-Jährige aus Isernhagen seine Frau in den vergangenen zwei Jahren geschlagen. Dafür ist er jetzt vom Amtsgericht Burgwedel verurteilt worden.

Quelle: Symbolbild

Isernhagen. Der Isernhagener war wegen Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung angeklagt – alle Taten soll er gegen seine Frau gerichtet haben. Eines Abends hatte er ihr die Nase gebrochen, ein anderes Mal sie derart malträtiert, dass einem Zeugen die Beschreibung über die Lippen ging: „Ich dachte, sie wäre tot.“

Bereits im Mai war der 26-Jährige wegen Körperverletzung zu drei Monaten auf Bewährung verurteilt worden. „Heute geht es doch darum: Sperren wir Sie weg oder nicht?“, betonte Amtsrichter Michael Siebrecht. Weil der junge Mann ohne Anwalt im Gerichtssaal erschienen war, sah sich der Richter in der Fürsorgepflicht. Immer wieder baute Siebrecht dem Angeklagten die sprichwörtlich goldenen Brücken, betonte, wie wichtig sein Auftreten, seine Reue und sein Schuldeingeständnis im Prozess seien.

Offenbar überhörte der 26-Jährige diese Ratschläge. Zwar gestand er die Körperverletzungen nach mehrfachen Nachfragen teils ein. „Aber ich bin nicht allein schuld daran“, betonte der Isernhagener. Seine Frau sei extrem eifersüchtig gewesen, habe ihn provoziert und bewusst reingelegt, um ihn ins Gefängnis zu bringen. Im Fall der gebrochenen Nase habe er „bestimmt nicht geschlagen, sie ist einfach über ihre Füße gestolpert“. Auch beim zweiten Streit, bei dem zwei Zeugen seine Frau schwer verletzt am Boden liegend in der Wohnung gefunden hatten, wollte er ihr „nur ein oder zwei Ohrfeigen“ gegeben haben. „Das glaubt Ihnen doch niemand“, betonte der Anwalt der Nebenklage.

Neben den Körperverletzungen hatte der 26-Jährige gegen das Kontaktverbot zu seiner inzwischen getrennt lebenden Frau verstoßen. Einmal lauerte er ihr bei ihrer Ausbildung auf, in anderen Fällen drang er in ihre Wohnung ein, beschimpfte sie vor Bekannten und tauchte bei seiner Schwiegermutter auf, sodass diese ihm aus Angst sogar einen Krug auf dem Kopf zerschlug. All das räumte der Angeklagte ein – betonte aber, das sei nur passiert, weil seine Frau sich schlecht um den gemeinsamen Sohn gekümmert hätte, der nun in der Obhut des Jugendamtes ist.

Außerdem soll er seiner Frau ein Video geschickt haben, in dem ein Mann seine Exfrau fesselt, foltert und tötet. Dass es ihm dabei „nur“ auf den Text angekommen sei, ließ Richter und Staatsanwaltschaft die Köpfe schütteln. „Ich habe mich in den Teufel verliebt“, zitierte Siebrecht aus dem Lied, „nicht der passende Text für eine Liebesbotschaft“.

Im Urteil standen acht Monate auf Bewährung und 200 Stunden gemeinnützige Arbeit. Für die Verstöße gegen das Kontaktverbot kamen drei Monate auf Bewährung hinzu. Dass der Isernhagener nicht ins Gefängnis muss, liegt daran, dass die Körperverletzungen vor seinem letzten Bewährungsurteil erfolgt sind. Zudem hat er seitdem ein Antiaggressionsseminar absolviert, eine Arbeit gefunden und im Zivilverfahren dem Vergleich zugestimmt, 2000 Euro Schmerzensgeld zu zahlen. Ein Satz des 26-Jährigen ließ aber befürchten, dass er diese letzte Chance nicht nutzen wird: „Ich habe noch Gefühle für sie.“

Von Carina Bahl

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