Volltextsuche über das Angebot:

32 ° / 14 ° Gewitter

Navigation:
Wenn die Elterntaxis rollen

Isernhagen Wenn die Elterntaxis rollen

Ein Modellversuch in Hannover lässt Eltern und Grundschulleiter in Isernhagen aufhorchen. Die Gemeindeverwaltung sieht jedoch wenig Chancen, auch in Altwarmbüchen und Isernhagen H.B. die Elterntaxis durch Sperrzonen zu stoppen.

Voriger Artikel
Eine Stunde lang ist der Strom weg
Nächster Artikel
Rat entscheidet über Erste Gemeinderätin

Mittags wird es eng vor der Grundschule Altwarmbüchen – Autos kommen, andere fahren weg, und mittendrin gehen die Schüler.

Quelle: Frank Walter

Isernhagen. „Bei Regen ist es noch schlimmer. Dann kommt jeder mit dem Auto“, meint eine Mutter – doch auch am sonnigen Mittwochmittag wird es eng vor der Grundschule Altwarmbüchen. Um 12.45 Uhr drängen die Kinder vom Schulhof, draußen am Straßenrand haben sich schon die Elterntaxis aufgereiht – die wenigen Parkplätze an der Bernhard-Rehkopf-Straße müssen sich Mutter und Vater mit Anwohnern, Lehrern und Kirchenbesuchern teilen.

An der Straße Vor den Höfen in Isernhagen H.B. sieht es ähnlich aus. Zum Schulschluss am Mittag, besonders aber morgens, wenn gleichzeitig die ersten Kita-Eltern ihre Kleinen bringen, verwandelt sich die sonst ruhige Wohn- in eine Hauptverkehrsstraße. Da wird in zweiter Reihe und im Kurvenbereich gehalten, rückwärts in die Straße eingebogen, um noch einen Parkplatz zu erhaschen, oder auch mal zügig gewendet – und mittendrin bewegen sich Grundschüler noch unsicher auf ihren Fahrrädern.

Das sieht an vielen Grundschulen in Hannover nicht anders aus, weshalb Stadt und Polizei im Stadtteil Limmer nach den Sommerferien einen Modellversuch starten werden. Zu den Stoßzeiten soll es Straßensperrungen um den Eingangsbereich der dortigen Grundschule geben, Eltern dürfen dann nur noch an einem festgelegten Punkt halten. Polizisten sollen den Verkehr überwachen und steuern – ein Versuch, um das tägliche Chaos zu beseitigen.

„Das wäre auch für uns das Genialste, was es gibt“, kommentiert Altwarmbüchens Grundschulleiter Karl Runkel den Modellversuch, über den er in der HAZ gelesen hat. Die Situation vor seiner Schule fasst er mit einem Wort zusammen: „Katastrophal!“ Teils parkten die Eltern auf dem Fußweg, die Kinder würden mindestens beeinträchtigt – „wenn nicht mehr“. Das einseitige Halteverbot an der Bernhard-Rehkopf-Straße wurde schon von vormittags auf den ganzen Tag ausgedehnt, zwei Parkplätze direkt an der Schuleinfahrt wurden beseitigt.

Trotzdem stehe seine Schule im ständigen Austausch mit dem Ordnungsamt, und auf der Schulhomepage finden sich gleich mehrere Hinweise auf die Verkehrsprobleme. Unter anderem sollten Eltern nicht in die Bernhard-Rehkopf-Straße hineinfahren, sondern ihre Kinder besser in einiger Entfernung an Stichwegen absetzen. „Das kommt bei den Eltern aber leider nicht an“, bedauert Schulleiter Runkel.

Solche Erfahrungen hat auch die Elternratsvorsitzende der Friedrich-Dierks-Grundschule in H.B. gemacht. „Die Eltern sind leider unbelehrbar. Da kommen immer dieselben blöden Ausreden“, meint Bettina Grautoff. Das habe man zuletzt beim von der Polizei begleiteten Versuch erlebt, die Situation mit Schülerlotsen zu entspannen – und dieses Engagement dann entnervt wieder aufgegeben. Das in Hannover geplante Modellprojekt bezeichnet die Elternratsvorsitzende als „ziemlich genialen Versuch“ – und könnte sich das auch für H.B. vorstellen.

Schulamtsleiterin Silvia Voltmer tritt allerdings auf die Euphoriebremse. Die Gemeindeverwaltung verfolge derartige Versuche zwar mit Interesse, tausche sich auch viel mit anderen Kommunen aus. Aber sowohl für Altwarmbüchen als auch H.B. – „unsere Knackpunkte“ – könne man die Straßen vor den Grundschulen nicht 40 Wochen im Jahr temporär morgens und mittags schließen. Bei Kita-Neubauten der vergangenen Jahre habe man darauf geachtet, dass Eltern die Einrichtungen nicht direkt anfahren können. „Aber die Grundschulen sind historisch bedingt mitten in Wohngebiete eingebettet.“ Da könne sie es sich nicht vorstellen, dass man die vielen Anwohner stundenweise einfach ausschließe – und auch nicht den Verkehr zur Kirche und zu den Kindergärten. „Wie lange will die Polizei das eigentlich durchhalten?“, fragt Voltmer und mag auch beim Versuch in Hannover nicht recht an eine dauerhafte Lösung glauben.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6vgw5p0ycol196ha1itb
Ratssaal wird zum Rock-Saal

Fotostrecke Isernhagen: Ratssaal wird zum Rock-Saal