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Von Reh-Betten und Wild-Autobahnen

Isernhagen Von Reh-Betten und Wild-Autobahnen

Welches Wild gibt es in der Gemeinde? Welche Aufgaben haben Jäger? Und warum ist es wichtig, seinen Hund während der Brut- und Setzzeit bis 15. Juli an der Leine zu führen? Ein Spaziergang mit jagdlicher Begleitung lieferte am Sonntagmorgen viele Antworten.

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Mit einem Schild erinnert der Jagdpächter an der Möllerstrift Hundebesitzer an die Brut- und Setzzeit.

Quelle: Frank Walter

Isernhagen. Ortrud Pierson – "jeder nennt mich Ortie“ – deutet zur Seite: "Da ist eine regelrechte Rehwild-Autobahn“, sagt sie. Neben dem Feldweg führt eine tief ausgetretene Spur durch den Graben und ins Gebüsch. Regelmäßig wechselten dort Rehe von der Deckung des Waldes auf die Wiese, wo sie ihr Futter fänden. "Das ist der Weg vom Schlaf- zum Esszimmer“, erläutert die Hunde-Obfrau des Hegerings Isernhagen mit einem Schmunzeln ihrer Gruppe.

Das Interesse ist groß: Knapp 30 Hundehalter haben sich zum „Hundespaziergang mit jagdlicher Begleitung“ angemeldet, weiteren 20 hat der Hegering aus Kapazitätsgründen eine Absage erteilen müssen. „Wir wollen vermitteln, warum die Leinenpflicht zur Brut- und Setzzeit Sinn macht“, erklärt Pierson das Pilotprojekt der Jäger, aus dem gern eine wiederkehrende Veranstaltung werden darf. Und ganz nebenbei wollen die Jäger Imagewerbung betreiben – wissen sie doch, dass viele Menschen die Jagd kritisch sehen.

Zu sehen sind Rehe an diesem Morgen nur aus großer Entfernung, doch ihre Spuren sind in der F.B.er Feldmark allgegenwärtig: Alle paar Meter sind Wildwechsel erkennbar, auch einige Fegestellen sind zu sehen – dort, wo am Bäumchen die Rinde fehlt, „hat ein Bock sein Gehörn geschubbert und sein Revier markiert“, erklärt Pierson den Nichtjägern. Einige Meter weiter lernen diese auch „Plätzstellen“ kennen – ein Stück freigekratzter Waldboden dient den Rehen als Bett. Der Lärm von der nahen Autobahn 7 störe das Wild nicht, erläutert Jäger Meinolf Helling – ganz im Gegenteil: „Die Rehe haben die Erfahrung gemacht, dass da wenige Menschen vorbeikommen.“ „Menschen-Besuch“ bekommen die Rehe allerdings, wenn Landwirte ihre Wiesen mähen wollen: „Viele geben uns vorher Bescheid, damit wir die Wiesen nach Kitzen absuchen können“, sagt Helling. Die Jagdhunde, die dabei helfen, sind selbstverständlich angeleint.

Was passiert, wenn drei nicht angeleinte Hunde ein Reh reißen, hat Pierson schon erlebt. „Die Schreie sind schrecklich, das klingt wie ein Kind.“ Einem einzelnen Hund könnten Rehe hingegen meist entkommen, schlimme Folgen könne die Hatz dennoch haben: Die Tiere könnten vor ein Auto laufen, „oder die Ricken erleiden eine Fehlgeburt“, schildert die Jägerin. Sinn mache die Leinenpflicht während der Brut- und Setzzeit jedoch auch mit Blick auf Junghasen und Bodenbrüter. Teilnehmerin Stephanie Buhtz hat denn auch kein Verständnis, wenn jemand seinen Hund zwar an der Leine führe, dann aber quer über Wiesen schlendere.

Für die Teilnehmer bietet der Spaziergang aber noch viel mehr Informationen: beispielsweise, dass Schwarzwild in Isernhagen nur östlich der A7 vorkommt und dass Abschusspläne für jedes Revier vorgeben, wie viele junge und alte Tiere geschossen werden sollen. Dass Rehe bei Wind lieber in Deckung bleiben, weil ihr scharfer Hörsinn dann wenig nutzt, und Jäger zweimal pro Jahr abends mithilfe von Scheinwerfern das Wild zählen.

Und was machten die Jäger mit dem Rehfleisch, will schließlich eine Hundehalterin wissen? Selbst essen oder verkaufen, erklärt Helling. „Dann hätte ich gern Ihre Telefonnummer“, entgegnet die Frau. Und die bekommt sie auch.

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Von Frank Walter

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