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Schrille Töne sollen Kitze retten

Isernhagen Schrille Töne sollen Kitze retten

Rechtzeitig vor der ersten Mahd beschreiten Isernhagens Jäger neue Wege, um den Wildtier-Nachwuchs zu schützen: Elektronische Wildretter, befestigt an den Mähwerken der Traktoren, sollen Kitz, Hase, Fasan und Co. vor dem Mähen aus den Wiesen treiben.

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Ein Kitz versteckt sich im hohen Gras.

Quelle: Frank Walter

Isernhagen. Dass Jäger und Landwirte zum Wohl des Wildes zusammenarbeiten, ist in Isernhagen seit Langem Praxis: Viele Bauern geben den Jägern rechtzeitig Bescheid, welche Wiese zum Mähen ansteht. Die Jäger gehen die Flächen dann am Vorabend mit Hunden ab und suchen die Kitze, die von den Muttertieren im hohen Gras abgelegt wurden. Mit dicken Grasbüscheln polstern sie ihre Hände, damit kein Menschengeruch übertragen wird, und tragen das Kitz dann auf die nächste Wiese. Zudem hilft Toilettenpapier: Alle paar Meter knüpfen die Jäger einige Blätter an Grasbüschel, verändern so die Umgebung. Dies bewirkt, dass die Ricken nicht entdeckte Kitze holen und anderswo ablegen.

Darauf wollen Isernhagens Jäger auch künftig nicht verzichten, doch zusätzlich setzen sie auf moderne Technik: Akustische Wildretter, in Nordrhein-Westfalen erfolgreich getestet, senden 105 Dezibel laute, besonders schrille Signaltöne aus, die die Traktoren übertönen und den Tieren Gefahr signalisieren. Die Wildretter werden vorn am Mähwerk angebracht und so ausgerichtet, dass der Schall in die noch zu schneidende Fläche geworfen wird. Während der Fahrer in seiner Kabine nur wenig Krach mitbekommt, hat der Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen über die Wirksamkeit nur Gutes zu berichten: Gerettet werden könnten fast alle Kitze, Hasen und Kaninchen ab etwa drei Wochen sowie erwachsenes Wild.

Für die Wiesen im Gemeindegebiet setzt der Hegering auf diejenigen Landwirte, die das meiste Grünland bewirtschaften. Mit zwölf bis 15 Wildrettern sei das Gros der Flächen abgedeckt, sagt Hegeringleiter Detlef Pausch, der die Geräte gemeinsam mit Meinolf Helling rechtzeitig vor der ersten Mahd – vermutlich Mitte Mai – an den Mähwerken montieren wird. Ein Teil der Landwirte habe schon zugesagt – auch aus Eigeninteresse, denn Kadaver im Heu können für Nutztiere giftige Stoffe bilden. Die Kosten der Wildretter – etwa 40 Euro inklusive Montage – übernimmt der Hegering, dessen Mitglieder dies als Teil ihres Naturschutz-Bemühens sehen. Etwa 80 Prozent der Zeit verwende ein Jäger auf hegerische Maßnahmen, schätzt Pausch.

„Zehn bis 15 Kitze haben wir pro Jahr vor dem Tod bewahrt“, sagt der Hegeringleiter – und hofft, diese Quote mit den schrillen Warntönen weiter zu erhöhen. Dafür, dass diese auch von Anwohnern zu hören sein werden, bittet Pausch um Verständnis.

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Von Frank Walter

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