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Kawenzmänner einnetzen kostet Kraft

Isernhagen Kawenzmänner einnetzen kostet Kraft

Mittendrin statt nur dabei: In der Reihe „Heimat hautnah“ schreiben Autoren der Nordhannoverschen Zeitung nicht nur über Veranstaltungen, sie machen selbst mit. Martin Lauber hat beim Weihnachtsbaumverkauf in Isernhagen K.B. ausgeholfen.

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Mareen Grannas ist mit Ehemann Edzo Bakker, Laurens (13) und Louise (11) aus Holland zu Gast bei ihren Eltern Waltraud und Gernot Grannas. Nach einer Stunde haben sie ihren Traumbaum gefunden.

Quelle: Frank Walter

Isernhagen. Mit der Plantage von Peter Nötel habe ich einen Glücksgriff getan. Hier, im Niemandsland zwischen K.B. und Altwarmbüchen, warten mit mir fast ausschließlich edle Nordmanntannen mit dem Pieksfaktor Null auf Last-Minute-Weihnachtsbaumkäufer. Ein Kunde ist mit seinem dreijährigen Sohn gekommen, der diesem Ausflug tagelang entgegen gefiebert hat. Jetzt steht er Säge-präsentierend stolz vor mir und will seine Beute eingenetzt haben.

„Nicht den Knoten im Netz vergessen“, norden Oliver Franke und Marcel Witt, die seit dem 5. Dezember auf der Plantage das Sagen haben, mich gerade noch rechtzeitig ein, bevor ich das mittelgroße Bäumchen ohne größeren Kraftaufwand in die trichterförmige Trommel schiebe. Alles gut! Bei wirklich großen Kawenzmännern schaffe ich das ganz alleine nicht.

Mein Baumcheck an der Größen- und Preisskala wird akzeptiert, nun wartet eine echte Herausforderung. Der Kunde ist König, und um ihm Heimarbeit zu ersparen, gehört das Ständer-gerechte Anspitzen der Bäume zum Service. Franke zeigt mir, wo ich reißen muss, um die 7-PS-Fräse anzuwerfen. Trotz Vorwarnung - „den Baum ganz hinten festhalten, fest reinschieben“ - nehme ich den Tipp im wörtlichen Sinne zu locker: Der Stamm schlackert - und mit ihm ganz unverhofft meine Arme. Jungejunge!

Aber in Wirklichkeit kommt es hier ja auf ganz andere, auf psychologische Qualitäten im Umgang mit den Kunden an. Das Gespann Franke/Witt hat schon manche Skurrilität erlebt - wie die Dame, die alljährlich die Tragkraft der Äste mit schweren Kerzenhaltern durchtestet. Oder jenen Stammkunden, der sich stets Sonderangebote und lose Äste mitnimmt, um daheim mit Hilfe der Bohrmaschine einen schönen Baum daraus zu machen. Eine Familie kommt immer im Dunkeln mit Taschenlampe: Christbaumsägen als Gemeinschaftserlebnis. „Wir schaffen es fast immer, dass die Leute mit einem Lächeln vom Platz gehen“, berichten Witt und Franke stolz, während sie in ihrem Bauwagen Zuflucht vor dem Dauersturm suchen. Auf dem Holz­öfchen siedet Teewasser.

Heute ist die Plantage noch bis Mittag geöffnet. Heiligabend seien die Kunden erfahrungsgemäß etwas hektischer, weiß Franke. Und an keinem anderen Tag werde mehr versucht zu feilschen. „Aber preislich habe ich keinen Spielraum.“

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