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Bürokratisch zur Bratwurst

Kirchhorst Bürokratisch zur Bratwurst

Der Fleischerverband Niedersachsen-Bremen kritisiert überbordende Bürokratie im Handwerk - und ist damit am Dienstag bei einem Betriebsbesuch in Kirchhorst beim Landtagsabgeordneten Rainer Fredermann (CDU) auf offene Ohren gestoßen.

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Olaf Fritsch (Mitte) zeigt Verbandsgeschäftsführerin Isabell Dohm und Rainer Fredermann (CDU) seine Wurstherstellung.

Quelle: Frank Walter

Isernhagen. Für die Antwort auf die Frage, ob ihm sein Job noch Freude bereite, muss Fleischermeister Olaf Fritsch kurz überlegen: „Der Beruf macht mir schon noch Spaß, aber es wird schwieriger“, - und ob eine seiner Töchter den Betrieb dereinst übernehmen werde, sei noch in der Schwebe, sagt der Inhaber der gleichnamigen Fleischerei im Gewerbegebiet Erdbeerfeld.

Die auch nach Meinung des Fleischerverbands zunehmende Bürokratie ist es, die Fritsch und seinen Berufskollegen im Land die Laune verdirbt - und die Zahl der inhabergeführten Betriebe deutlich schrumpfen lässt. Arbeitsschutzverordnung, Lebensmittel- und Bedarfsgegenstände-Überwachung, Hygieneschulung und -prüfung, Eichkontrolle, Infektionsschutzgesetz, Schädlingsbekämpfung, Deklaration, Gesetz zur Bekämpfung der Schwarzarbeit - das sind nur einige Stichworte, mit denen sich das Fleischerhandwerk heutzutage auseinandersetzen muss. Als er damals angefangen habe, habe sich noch einzig seine Mutter mit dem Papierkram befasst. „Heute habe ich drei Leute im Büro, und ich selbst verbringe dort auch zwei Drittel meiner Zeit“, sagt der Chef des Betriebs mit 20 Mitarbeitern, der von Kirchhorst aus zwei eigene Filialen in Hannover und Hemmingen und den Großhandel mit Fleisch und Wurstwaren versorgt.

Um mit der komplexen Materie zurechtzukommen, sei heute fast ein Chemiestudium nötig. Dabei sei Fleisch immer schon eines der bestkontrollierten Lebensmittel gewesen. Und auch mit Dingen wie Schriftgrößen auf Etiketten oder dem Zoll, der bei Mindestlohn-Kontrollen sein Gelände umstelle, müsse er sich heute befassen, berichtete Fritsch dem Landtagsabgeordneten Rainer Fredermann.

„Das ist Kontrollwahn“, entfuhr es dem CDU-Politiker, als Martin Heinzig, Betriebsberater des Fleischerverbandes, über die zunehmenden amtlichen Kontrollen berichtete. Diese hätten eigentlich nur die eigenen Überprüfungen der Fleischer ergänzen sollen. Die Ansage sei gewesen: Je mehr Selbstkontrolle, desto mehr ziehe sich die amtliche Kontrolle heraus. „Davon ist nichts zu merken“, kritisierte Heinzig. Gerade seit Jahresbeginn würden Gesetze und Verordnungen immer mehr ausgeschöpft, monierte Verbandsgeschäftsführerin Isabell Dohm - offenbar, um Einnahmen zu generieren. „Der zusätzliche Nutzen für den Verbraucher ist für uns nicht erkennbar.“ Und weitere neue Gesetze wie die Nährwert- und die Tierwohl-Kennzeichnung seien noch in der Pipeline.

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