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Klärschlamm ist "hochsensibles Thema“

Isernhagen/Hannover Klärschlamm ist "hochsensibles Thema“

Bis zum Altwarmbüchener See ist es ein Katzensprung, bis zur Altwarmbüchener Ortsmitte sind es Luftlinie rund 1,5 Kilometer: Enercity will für bis zu 60 Millionen Euro eine Klärschlammverbrennungsanlage auf dem Gelände der Deponie in Lahe errichten. Jetzt sind Details öffentlich.

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Mehrere Dutzend Zuhörer verfolgen im Isernhagener Rathaus die Präsentation zur geplanten Klärschlammverbrennungsanlage.

Quelle: Frank Walter

Isernhagen/Hannover. Enercity hat die Pläne am Dienstagabend im Isernhagener Rathaus erstmals öffentlich vorgestellt. „Für uns ist das ein hochsensibles Thema“, betonte Bürgermeister Arpad Bogya in seiner Begrüßung.

Klärschlamm soll Wärme liefern

Wegen verschärfter Umweltvorschriften im Land darf künftig immer weniger Klärschlamm als Dünger auf Äckern ausgebracht werden. „Da kommt auf Niedersachsen eine ziemlich große Aufgabe zu“, unterstrich Manfred Schüle, Geschäftsführer der Enercity Contracting GmbH, die Tragweite der Entscheidung der Landesregierung, die mittlerweile in Gesetzesform gegossen ist.

Beim Enercity-Plan, bis zum Jahr 2035 die Hälfte der Fernwärme aus erneuerbaren Energien zu gewinnen, soll der Schlamm aus Kläranlagen eine wichtige Rolle spielen: Die Abwärme aus der neuen Anlage und der bestehenden Müllverbrennungsanlage nebenan soll durch eine fünf Kilometer lange Leitung von der Deponie bis zum Oststadtkrankenhaus geführt werden. 6 bis 7 Millionen Euro kalkuliert das Unternehmen für die Leitung unter anderem entlang des Moorwaldweges. Die Bauzeit ist mit etwa einem Jahr angesetzt, der Regelbetrieb soll im Oktober 2019 aufgenommen werden.

Rund 28 Monate sind für den Bau der 50 bis 60 Millionen Euro teuren Klärschlammverbrennungsanlage angesetzt. Die Arbeiten sollen Anfang 2019 beginnen, die Inbetriebnahme im Mai 2021 erfolgen, der Regelbetrieb dann Anfang 2022 starten. Ausgeguckt hat sich Enercity ein bislang brach liegendes Grundstück an der Zufahrt zur Deponie, östlich der A 37. Geplant ist eine Anlage mit einer Grundfläche von 80 mal 35 Metern bei einer Höhe von 35 Metern – „der Schornstein hat 40 Meter“, so Schüle.

Ausgelegt wird die Anlage auf 30.000 Tonnen Trockensubstanz pro Jahr – bei einem Wassergehalt von 75 Prozent entspricht das 120.000 Tonnen Klärschlamm. 30 Silolastwagen pro Tag sollen den Schlamm aus kommunalen Kläranlagen aus bis zu 150 Kilometern herbeischaffen und die mit Phosphor-Verbindungen belastete Asche wegbringen – zur Deponierung möglicherweise in Wunstorf-Kolenfeld, denn noch gibt es kein Verfahren, um die Verbindungen zu extrahieren.

Die Lastwagen sollen überwiegend die A 2 nutzen. Was sei, wenn sich der Verkehr dort mal wieder staue, wollte Herbert Löffler (SPD) wissen. Dann werde sicherlich ein kleiner Teil der Lastwagen Umwege nehmen, so die Antwort. Angeliefert werde zwischen 6 und 22 Uhr, abgeladen bei Unterdruck hinter verschlossenen Türen. Das Rauchgas werde in Filtern gereinigt, für die Überwachung das Gewerbeaufsichtsamt zuständig sein, versichert Schüle den mehreren Dutzend Interessierten im Rathaus. Und, bezogen auf die Emissionen: „Wir werden die Grenzwerte deutlich unterschreiten.“

Das wollte nicht jeder im Publikum so hinnehmen: Was die Bürger am meisten umtreibe, so ein Zuhörer, sei das, „was oben aus dem Schornstein kommt. Filter sind sehr teuer – erlauben Sie uns ein gesundes Misstrauen“. Bürgermeister Bogya hatte bereits eingangs gesagt: „Als Isernhagener sind wir bei Veränderungen auf der Deponie immer mit spitzen Ohren dabei.“ Das sei bei der Kalten Rotte und den geplanten Asbest-Transporten so gewesen – und sei bei der Klärschlammverbrennung nicht anders.

Wie gefährlich ist die Asche?

Dazu nimmt Enercity-Sprecher Carlo Kallen Stellung:

"Bei den in der Asche enthaltenen Phosphor-Verbindung handelt es sich nicht um eine Belastung, sondern um einen wichtigen Grundstoff (zum Beispiel für Düngemittel), für dessen Abscheidung es derzeit noch kein wirtschaftlich umsetzbares Verfahren gibt. Deswegen erfolgt eine separate (rückholbare) Deponierung, um in einigen Jahren diesen Grundstoff verwerten zu können. Die neuen Klärschlammregularien haben unter anderem das Ziel, dass diese Stoffe nicht mehr überdosiert auf die Äcker gelangen.

Die Schadstoffe, auf die es ankommt, werden mit der aufwändigen nachgeschalteten Umwelttechnik (Rauchgasreinigung usw.) abgeschieden sowie gesondert und sicher entsorgt."

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