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Zwei Gewinner, ein Verlierer

Isernhagen Zwei Gewinner, ein Verlierer

Der Isernhagener Rat wird für die nächsten fünf Jahre bunter – und unübersichtlicher. Einem klaren Verlierer stehen bei der Kommunalwahl zwei Gewinner gegenüber.

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Nach Feierstimmung ist der CDU Isernhagen bei ihrer abendlichen Wahlparty in Altwarmbüchen nicht zumute.

Quelle: Frank Walter

Isernhagen. Zu feiern hatte die CDU am Sonntagabend nichts, bei dem als Wahlparty angekündigten Treffen in Altwarmbüchen war die Stimmung im Keller. 2011 hatten die Christdemokraten ihre absolute Mehrheit eingebüßt, am Sonntag gingen noch einmal drei der zuvor 15 Sitze verloren. CDU-Parteichef Burkhard Kinder sieht für das "absolut überraschende Ergebnis“ mehrere Gründe. Gleich neun erfahrene Ratsmitglieder seien nicht mehr angetreten, "und die Neulinge haben wir nicht so bekannt machen können“. Eine wesentliche Rolle hätten aber auch die Einflüsse der Bundespolitik gespielt – offenbar habe das "Bauchgefühl“ viele zur AfD getrieben. Weshalb diese dann in Isernhagen so ungleich stärker abschnitt als in Burgwedel, kann er sich aber nicht erklären. Gerade beim Thema Flüchtlinge habe man sehr gute Politik gemacht, die kleinteilige, dezentrale Unterbringung sei gut gelungen.

"Mit dem Ergebnis müssen wir leben, da muss aber auch der Wähler mit leben“: So kommentiert SPD-Chef Herbert Löffler die Wahl, die für die SPD den Verlust eines Sitzes auf nunmehr acht brachte. Bei der Ausgangslage mit der erstmals angetretenen AfD und vor allem der Einzelbewerberin Ute Bobe habe man Verluste befürchtet – "es gab mehr Mitspieler“. Auch deshalb könne die FDP stolz auf ihr gutes Ergebnis sein. Im Rat müsse es künftig darum gehen, vernünftige Mehrheiten hinzubekommen, ohne sich ständig zu blockieren. "Wir müssen uns alle bewegen. Jetzt muss man miteinander reden.“

Neue drittstärkste Kraft ist die FDP, die von drei auf fünf Sitze zulegen konnte – und das am Wahlabend auch tüchtig feierte. Zudem ist sie in jedem Ortsrat vertreten, in Neuwarmbüchen sogar doppelt – "wir sind sehr zufrieden“, sagt die FDP-Vorsitzende Christiane Hinze, die das als Erfolg eines dynamischen Teams sieht, das Vertrauen geschafft habe. Eine Koalition kommt für sie persönlich nicht infrage: "Wir sollten Vorlagen ergebnisoffen beraten und sachorientierte Arbeit losgelöst von irgendwelchen Blöcken leisten.“

Für Carmen Merkel (Grüne) ist der Verlust von zwei auf nunmehr vier Mandate "völlig erwartet“ gekommen. "Damals hatten wir den Fukushima-Effekt.“ Dennoch wolle man nun den Weg weitergehen, Probleme offen anzusprechen. Schockiert ist Merkel über das Abschneiden der AfD: "Ich dachte, so was gibt’s bei uns nicht.“

Die AfD selbst, die mit allen drei Kandidaten in den Gemeinderat einzieht, hatte ein prozentual sogar noch besseres Ergebnis erwartet. "Unzufrieden sind wir aber nicht“, sagt Jürgen Klingler. Weder er noch seine Mitstreiter hätten Mandatserfahrung, "wir sind völlig unbeleckt“. Nun gehe es darum, sich inhaltlich zu orientieren. "Wir möchten gern mit den anderen zusammenarbeiten, aber nicht in die rechte Ecke gestellt werden.“ Ute Bobe (parteilos) ist "glücklich“, es als erste Einzelbewerberin überhaupt in den Rat geschafft zu haben. Und Heiko Weichert (Bürgerstimme)? Man habe auf mindestens zwei Mandate gehofft – eines ist es nur geworden.

Der Kommentar

Gerade die CDU wird sich die Ergebnisse in den Ortschaften sehr genau angucken müssen. Denn auffällig ist, dass die AfD gerade dort gute Zahlen eingefahren hat, wo die CDU einst besonders stark war – und nun stark verloren hat. Das mit dem großen Wechsel des Personals erklären zu wollen ist zu kurz gesprungen.

Natürlich war es die bundesweit um sich greifende Enttäuschung über "die da oben“, an deren Spitze nun einmal eine CDU-Frau steht. Diese Quittung hat die CDU vor Ort bekommen – und dabei spielte es für viele offenbar überhaupt keine Rolle, dass Isernhagen die Herausforderungen der Flüchtlingskrise bislang weitgehend souverän gemeistert hat.

Der Blick auf die Ortsräte

Das Ergebnis der Kommunalwahl bringt auch für die Ortsräte einiges an Änderungen mit sich. In Altwarmbüchen ist der Ortsrat bunter geworden. Die CDU hat einen Sitz verloren, die SPD hatte Gleiches mit Ute Bobes Austritt bereits während der Wahlperiode ereilt. Die CDU hat künftig drei Sitze, die SPD zwei. Hinzu kommen je ein Vertreter von Grünen, FDP und Bürgerstimme sowie Bobe als Einzelbewerberin.

Spannend wird die Frage nach dem künftigen Ortsbürgermeister in Kirchhorst. Die CDU halbierte ihre Sitze auf zwei und ist damit genauso vertreten wie die SPD (+1). Die mit Abstand meisten persönlichen Stimmen hat Einzelbewerber Thomas Mazur erreicht, der vor der Wahl bereits Ansprüche auf den Posten des Ortsbürgermeisters angemeldet hatte. Den Ortsrat komplettieren je ein Grüner und Liberaler.

In Neuwarmbüchen darf sich die FDP, die zwei Sitze holte, als Wahlgewinner fühlen. Aussichten auf einen Verbleib im Amt darf sich Ortsbürgermeisterin Maren Becker (CDU) machen. Ihre Partei bleibt bei drei Sitzen (SPD 1, Grüne 1).

In Isernhagen F.B. konnte die CDU das Patt mit der SPD beenden und zulegen, stellt künftig drei der fünf Ortsratsmitglieder (SPD und FDP je 1). Angela Leifers (CDU) könnte neue Ortsbürgermeisterin werden.

Die Sitzverteilung in Isernhagen H.B. bleibt hingegen wie gehabt, dort läuft es auf Simon Müller (CDU) als Nachfolger für die langjährige CDU-Ortsbürgermeisterin Christa Reschke hinaus (CDU 3, SPD 2, Grüne/FDP je 1).

In Isernhagen K.B. könnte Christian Schröder Hans-Heinrich Behrens (beide CDU) beerben. Die Grünen haben einen von zwei Sitzen an die FDP verloren (CDU 2, SPD/Grüne/FDP je 1).

In Isernhagen N.B. hat die CDU einen Sitz eingebüßt, profitiert hat die FDP. Renate Matz-Schröder (CDU) könnte dennoch Ortsbürgermeisterin bleiben (CDU 3, SPD 2, Grüne/FDP je 1).

Von Frank Walter

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