Volltextsuche über das Angebot:

12 ° / 9 ° Regen

Navigation:
Konstantin Wecker: Poet und Widerständler

Isernhagen F.B. Konstantin Wecker: Poet und Widerständler

In großen Trauben standen und saßen am Donnerstagabend die Besucher vor der Kulturscheune des Isernhagenhofs und nutzten die Zeit des Wartens zu angeregten Gesprächen. Warten auf den Auftritt von Liedermacher Konstantin Wecker.

Voriger Artikel
Telekom lässt Familie zwei Monate warten
Nächster Artikel
Metalldiebe stehlen Kupferrohre

Mal kraftstrotzend, mal ganz leise: Konstantin Wecker auf der Bühne des Isernhagenhofs.

Quelle: Jürgen Zimmer

Isernhagen F.B.. Gerade erst ist er 70 geworden und sein Publikum mit ihm. Aber nicht nur die Älteren kamen zu seinem Konzert „Poesie und Widerstand“, sondern auch sehr viele jüngere und junge Leute wie die Schwestern Rahel und Rebecca Dünker aus Hannover: „Unsere Eltern hören ihn rauf und runter und waren auch mit uns schon zu Konzerten. Wir finden den auch toll“.

Als in der Scheune noch das Licht heruntergedimmt wurde, stand er plötzlich auf der Bühne. Ganz still und leise, wie es auch seine Art sein kann, stand er da, wie der nette Nachbar von nebenan, der sich eben Zucker borgen will. Seit mehr als 40 Jahren erhebt Wecker seine Stimme gegen Gewalt, gegen Rechts, gegen Krieg und für die Menschen mit Brüchen in ihren Biografien. Sie genießen seine volle Sympathie, weil er weiß, wie es ist zu straucheln, abzudriften. Aber er, Wecker, ist immer wieder aufgestanden.

„Endlich 70 – und was habe ich nicht alles getan, um dieses Alter nicht zu erreichen“, leitete er seine „Reise durch meine Zeit“ ein. Kraftstrotzend und sensibel, kernige Texten und Belcanto, Poesie und Biografisches: Aus diesem Mix machte Wecker ein aufweckendes und besinnliches Konzert. Mal war er der Vorleser, mal der Pianist und mal der Sänger, begleitet am Klavier von seinem kongenialen „Musikalischen Lebenspartner“ Jo Barnickel.

Spät, erst mit 50 Jahren beschloss er, erwachsen zu werden, da wurde er zum ersten Mal Vater. Der sanftmütige eigene Vater und die verständnisvolle Mutter nahmen Raum ein. „Das waren keine Nazis, mit denen konnte ich darüber reden“, sagte er. „Nie“, rief er ins Publikum, „nie darf der Holocaust vergessen werden, denn dann vergisst man, wozu Menschen fähig sind“. Passend dazu gab es das von ihm vertonte Gedicht „Der Krieg“ nach Georg Hein. Und das Lied „Die weiße Rose“, benannt wie die Widerstandsgruppe, in der die Geschwister Scholl und andere gegen die Nazis protestierten.

Um 23 Uhr hämmerte er immer noch vierhändig mit Barnickel auf den Flügel ein: „Ich bin noch nicht am Ende, ich bin noch mittendrin, ich lass mir meine Träume nicht nehmen.“ Man sollte die Welt poetisieren, schlug er vor. Zugabe auf Zugabe und natürlich „Sag’ nein“ – da hielt es keinen der rund 400 Besucher auf den Plätzen. Ein grandioser Abend mit einem im Kopf jungen Konstantin Wecker. Danke dafür.

Von Jürgen Zimmer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6x861xp2r1e139tv6o01
Handwerker bleiben keine Antwort schuldig

Fotostrecke Isernhagen: Handwerker bleiben keine Antwort schuldig