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Immer Ärger mit dem Mist

Isernhagen Immer Ärger mit dem Mist

Das Land hat die Zwischenlagerung von Stallmist auf Ackerflächen neu geregelt – sehr zum Unmut vieler Landwirte in Isernhagen, die ihre Misthaufen jetzt abdecken müssen.

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Landwirte müssen ihre Misthaufen seit der Neuregelung abdecken.

Quelle: Archiv

Isernhagen. Horst-Dieter Oppermann nimmt kein Blatt vor den Mund, was er von dem Erlass des Umwelt- und des Landwirtschaftsministeriums hält: „Es ist eine Unverschämtheit, dass man auf dem Misthaufen herumkrabbeln muss wie ein Vollidiot.“ Die Neuregelung sei von Leuten erlassen worden, die mit der Praxis nichts am Hut hätten, meint der K.B.er Landwirt – und spricht von einer „Mordsarbeit“, die eigentlich nur zu zweit erledigt werden könne.

Was Oppermann, der in K.B. eine Pferdepension mit 40 Pferden betreibt, ebenso aufregt wie viele Berufskollegen, ist der Erlass für „Anforderungen an die Zwischenlagerung von Stallmist und Geflügelkot auf landwirtschaftlich genutzten Flächen“. Wesentliche Änderung ist laut Landwirtschaftskammer Niedersachsen die Abdeckpflicht – jeder noch so kleine Misthaufen auf Äckern muss seit Herbst mit Folie oder Vlies gesichert werden. So soll verhindert werden, dass die Nährstoffe ausgewaschen werden und das Grundwasser beeinträchtigen. „Davon gibt es keine Ausnahmen. Das gilt für jegliche Tierhalter“, betont Tim Eiler von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen – also auch für den privaten Pferdehalter mit nur ein oder zwei Tieren.

Doch während diese eher in der Größenordnung von Schubkarren denken, haben Landwirte und Reitvereine mit ganz anderen Mengen zu kämpfen, die sie nun abdecken müssen. Beim Reitverein Isernhagen in H.B. lassen beispielsweise mehr als 50 Pferde den Misthaufen stetig wachsen. Jeden Tag kämen so etwa eineinhalb Anhängerladungen zusammen, die auf die eigenen Äcker gebracht würden, sagt Elke Gerns-Bätke, Reitverein-Vorsitzende und zugleich Hofbetreiberin. Auch sie spricht von einer „Mordsarbeit“ beim Abdecken der Misthaufen – „das macht wirklich keinen Spaß“. Sie habe zwar Verständnis, dass der Grundwasserschutz wichtig sei. „Aber praktikabel ist das kaum.“

Für Friedrich Dusche ebenso wie für Horst Oppermann macht der ganze Erlass erst gar keinen Sinn: Pferdemist – und um kaum etwas anderes gehe es in Isernhagen – sei sehr trocken, Stroh der Hauptbestandteil. „Bis da der Regen was rauswäscht, das dauert“, sagt der K.B.er Dusche, der nicht nur Landwirt, sondern auch Naturschutzbeauftragter der Region ist. „Völlig unlogisch“, „an den Haaren herbeigezogen“, „wirklich ein Witz“ – das sagt Dusche über den Erlass.
Bußgelder müssen die Landwirte und Reitstallbetreiber allerdings kaum befürchten. Man kontrolliere nur, wenn man Hinweise erhalte, meint Klaus Abelmann von der zuständigen Region Hannover – und bisher hätten sich noch alle Landwirte einsichtig gezeigt.

Kontrolle oder nicht, beim Reitverein Kirchhorst kann man ohnehin entspannt bleiben: Dort landet der Pferdemist gar nicht auf dem Acker – er wird regelmäßig abgeholt und dient als Nährboden für die Champignon-Zucht.

Von Frank Walter

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