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Kurze Begegnung kostet den Führerschein

Isernhagen Kurze Begegnung kostet den Führerschein

Waren es fünf, zehn Sekunden, die einen 62-jährigen Burgdorfer auf die Anklagebank des Amtsgerichts gebracht haben? An die vier Millionen Kilometer hatte der ehemalige Berufskraftfahrer zurückgelegt, ohne je in einen Unfall verwickelt worden zu sein – und wurde am Donnerstag doch wegen einer Straßenverkehrsgefährdung verurteilt.

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Das Amtsgericht Burgwedel hat am Donnerstag einen 62-Jährigen wegen einer Straßenverkehrsgefährdung verurteilt.s

Quelle: Archiv

Isernhagen. Für das Paar aus Hamburg, das im Zeugenstand aussagte, war die Begegnung an jenem März-Abend auf der dunklen Autobahn 7 ein Schockerlebnis. Er habe gerade ein anderes Fahrzeug überholt gehabt und dann beim Blick in den Rückspiegel den Audi erblickt, schilderte es der Mann. „Er war so schnell, ich wusste nicht, ob er mich rechts überholen wollte.“ Er selbst habe „ein, zwei Sekunden später“ Platz gemacht. Der Audi sei vorbeigeschossen, dann vor ihm auf der mittleren Spur eingeschert und habe ihn dabei geschnitten – „ich musste voll in die Eisen gehen, sonst wäre ich ihm reingefahren. Ich war total geschockt, meine Freundin hat geschrien“, sagte der 35-Jährige aus. „Wir hatten Angst“, bestätigte diese, die bei der Rückkehr von einer Familienfeier mit im Wagen gesessen hatte.

Von einer Familienfeier war auch der Burgdorfer im Audi gekommen, soweit reichten die Gemeinsamkeiten. Auch dass er mit hoher Geschwindigkeit von hinten an den Vordermann herangefahren sei, räumte der angeklagte Fahrer von Beginn an ein. Doch von einem dramatisch dichten Einscheren vor dem Wagen des Hamburger Paares, davon könne keine Rede sein, so der Angeklagte und sein Rechtsanwalt. Vielmehr habe der Vorausfahrende kurz vor dem Autobahnkreuz Kirchhorst erst keinen Platz gemacht, sei dann ein bisschen in Richtung der mittleren Spur und wieder zurück nach links gewechselt, obwohl doch rechts von ihm alles frei gewesen sei. „Ich dachte noch: Träumt der?“, sagte der Angeklagte aus, der sich durch den anderen provoziert gefühlt habe. Er habe selbst stark abbremsen müssen, und dann, als der andere endlich Platz gemacht habe, wieder beschleunigt, um sich schließlich rechtzeitig vor der Abfahrt zur A37 in Richtung Burgdorf nach rechts zu orientieren. „Wenn ich dabei geschnitten haben sollte, tut es mir leid“, entschuldigte sich der Angeklagte. „Ich nehme das zur Kenntnis. Dennoch war es lebensgefährlich“, so der Zeuge.

Doch als besonders ungewöhnlich oder gar gefährlich ordnete der Burgdorfer die abendliche Begegnung in Höhe Isernhagen nicht ein: „Solche Situationen erlebe ich täglich“, sagt der ehemalige Berufskraftfahrer, der als Minijobber immer noch im Personenverkehr unterwegs ist – und dementsprechend vor allem um seinen Führerschein fürchtete.

Auf den wird der Burgdorfer allerdings demnächst eine Zeitlang verzichten müssen: Amtsrichter Michael Siebrecht verurteilte den 62-Jährigen wegen Straßenverkehrsgefährdung zu einer Geldstrafe von 40 Tagessätzen. Statt des bei diesem Delikt üblichen Entzugs der Fahrerlaubnis samt Sperre verhängte er für diese fahrlässig begangene Tat jedoch lediglich ein zweimonatiges Fahrverbot. Er sei kein Verkehrsrowdy, hielt Siebrecht dem Mann zugute. „Aber warum mussten Sie kurz vor dem Abfahren überhaupt noch überholen?“ Eine Antwort darauf erhielt er nicht.

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