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Lebensberatungsstelle baut Familien- und Erziehungsberatung aus

Isernhagen Lebensberatungsstelle baut Familien- und Erziehungsberatung aus

Die Lebensberatungsstelle für Burgwedel, Isernhagen und die Wedemark übernimmt seit Kurzem offiziell die Familien- und Erziehungsberatung für die Region. Für Betroffene heißt das: Diese Leistungen erfolgen dank Förderung künftig honorarfrei. Eine von ihnen ist die Gruppe für Trennungs- und Scheidungskinder.

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Gabriele Steinberg (von links), Reinhard Becker, Beate Menius, Volker Berz und Ingun Kiklas-Volkmann stehen für die Familien- und Erziehungberatung bereit.

Quelle: Carina Bahl

Isernhagen. Familien- und Erziehungsberatung – dieses Feld ist nichts Neues für das Team der Lebensberatungsstelle am Lohner Hof in der Farster Bauerschaft. In den 40 Jahren seit ihrer Gründung haben die Experten auch immer wieder diese Aufgaben übernommen, wenn Familien bei ihnen um Hilfe baten. Allerdings: Die offizielle Stelle der Region für Burgwedel, Isernhagen und die Wedemark befand sich bis vergangenes Jahr noch in Burgdorf – mangels Förderung mussten Klienten in Isernhagen für die Beratungen des Vereins stets Honorare bezahlen. „Ab jetzt ist das kostenlos“, betont Gabriele Steinberg.

Die Region fördert die Lebensberatungsstelle künftig mit zweieinhalb Vollzeitstellen. Wann immer beispielsweise ein Familiengericht zu der Entscheidung kommt, dass Kinder oder hoch strittige Paare eine Beratung brauchen – in F.B. werden die Familien an der richtigen Stelle sein. Um auf den erwartungsgemäß nun steigenden Bedarf vorbereitet zu sein, erweitert die Beratungsstelle, die zudem von allen drei Kommunen Zuschüsse erhält, auch ihre Räumlichkeiten. 150 barrierefreie Quadratmeter im Erdgeschoss sind frisch angemietet, sie sollen künftig vor allem einen großzügigen Bereich für die Spieltherapie sowie Büros beherbergen.

In den Bereich der Familien-und Erziehungsberatung fallen Beratungen und Gruppentherapien für Kinder und Jugendliche, aber auch Elterncoaching. Ob im Trennungs- und Scheidungsfall der Eltern, bei Erziehungsfragen, für Kinder, die trauern – für fast alle Problembereiche liegen fertige Konzepte in der Schublade, die bei Bedarf sofort herausgeholt werden können – ein Anruf unter Telefon (0 51 39) 89 28 28 genügt. Wichtig ist dem Team aber auch etwas anderes: „Trotz des Auftrages der Region läuft die allgemeine Lebensberatung wie gewohnt weiter“, verspricht Steinberg. In allen drei Kommunen bleiben die wöchentlichen Sprechstunden erhalten – und Schwangerschaftskonfliktberatung sowie Krisenintervention fester Bestandteil der Arbeit.

Alle Informationen rund um das Angebot gibt es im Internet auf dielebensberatungsstelle.de. Wer Hilfe braucht, sollte vorher anrufen, um ein Anmeldegespräch zu terminieren.

Wenn die Eltern sich trennen, müssen die Kinder meist stark sein

Wenn Mama und Papa keinen Weg mehr zueinander finden und sich trennen, dann sind ihre Gedanken oft nur bei sich selbst: Wer erhält das Sorgerecht? Wer muss wie viel Unterhalt zahlen? „Die Zahl der stark zerstrittenen Paare nimmt zu“, weiß Beate Menius von der Lebensberatungsstelle. Nicht zuletzt, weil Väter durch neue Gesetze mehr Rechte bekommen haben. „Alle zwei Wochen am Wochenende ihre Kinder zu sehen, reicht den meisten nicht mehr. Die Väter sind heute selbstbewusster. Das ist gut, aber provoziert auch mehr Konflikte.“

Für die Lebensberatungsstelle ist es an diesem Punkt wichtig, die Hauptpersonen wieder in den Fokus zu rücken: die Kinder. Seit mehr als 16 Jahren gibt es daher bei Bedarf eine Gruppe für Scheidungs- und Trennungskinder. Eine ist gerade erfolgreich beendet, die nächste für Herbst geplant. Anmeldungen sind ab sofort möglich. Kinder im Alter von acht bis zwölf Jahren lernen darin an acht Nachmittagen, mit der Trennung ihrer Eltern umzugehen – und mit ihren Gefühlen.

„Den Kindern ist es oft sehr peinlich“, erklärt Gabriele Steinberg das Problem. Überfordert mit ihren eigenen Gefühlen und dem Wunsch, weder Mama noch Papa zu verletzen, können sie ihren Standpunkt in der Familie nicht deutlich machen. „Dafür sind dann wir da.“ Neben den acht Gruppentreffen gibt es begleitend Eltern- und Einzelgespräche sowie eine Abschlussrunde – „bis dahin wissen wir, was wir den Eltern im Auftrag ihrer Kinder mitteilen sollen.“

In den Gruppensitzungen steht das Vertrauen obenan. Es geht nicht um Problematisierung, sondern um ein Sortieren der Gefühle und Wünsche. Am Anfang gilt es zu erfahren, was die Kinder mit der Trennung ihrer Eltern assoziieren und darum, den Kleinen zu erklären, dass sie trotzdem nicht allein sind. Auf einem Kreis dürfen die Teilnehmer beispielsweise einen inneren und äußeren Zirkel mit Figuren bekleben – mit wem wohne ich zusammen, und von wem, der mir genauso wichtig ist, lebe ich getrennt? Mit einer „Gefühlssammlung“ lernen die Kinder zu verstehen, wie es ihnen geht. „Gleichzeitig zeigen wir ihnen, wie sie mit ihrer Trauer und ihrer Wut umgehen können“, sagt Ingun Kiklas-Volkmann – Türen knallen ist auch erlaubt. Ein Comic, in dem die Kinder ein schlechtes Gefühl, einen Helfer und ein Geschenk erfinden, das das schlechte Gefühl abschwächt, gehört auch dazu.

Ein ganz wichtiger Schritt in der Gruppe ist es schließlich, die eigenen Wünsche zu formulieren und einzuordnen in „erfüllbar“ und „nicht erfüllbar“. „Immer kommt der Wunsch auf, dass die Eltern wieder zusammen sein sollen“, weiß Kiklas-Volkmann. Sich davon zu verabschieden, sei nicht einfach. Aber mit einem ganz besonderen Abschiedsritual, das den Kindern als ihr Geheimnis bleibt, schaffen sie es.

Es gibt aber auch viele realistische Wünsche. „Papa und Mama sollen nicht mehr so viel streiten und sich mit dem Geld einigen.“ „Papa soll mit Geburtstag feiern dürfen.“„Ein Tag mit Mama ohne ihren neuen Freund!“ „Mama und Papa sollen nicht schlecht übereinander reden“ – die Liste, die die Kinder in der Gruppe entworfen haben, die sie sich aber nicht trauen, ihren Eltern zu offenbaren, ist lang. „Wir haben eine Schweigepflicht den Kindern gegenüber“, sagt Steinberg. „Sie dürfen hier auch meckern und lästern.“ Aber die Botschaften, die die Familienberaterinnen erfahren, werden mit den Kindern diskutiert: „Wir holen uns das Okay, mit ihren Eltern darüber zu sprechen.“

Am Ende seien die Kinder befreiter in der Trennungssituation – das Gefühl von Ohnmacht und Einsamkeit ist weg. Für die Eltern wiederum steht die Beruhigung im Raum, jetzt zu wissen, was der Nachwuchs wirklich will und wie es ihm geht. Wenn die Ex-Paare es dann noch schaffen, dieses Wissen über die eigenen Streitigkeiten zu stellen, dann ist das Ziel der Lebensberatungsstelle erreicht.

Wenn nicht, dann müssen die Eltern damit rechnen, dass ihre Kinder ihnen in Extremsituationen künftig hin und wieder den „Wut-Becher“ hinhalten oder sie einfach mal gemeinsam auf einen „Lösungshocker“ setzen – gelernt ist eben gelernt. Und starke Kinder schweigen nicht.

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Kindgerecht lernen die Teilnehmer der Trennungs- und Scheidungsgruppe, ihre Gefühle auszudrücken und mit ihnen umzugehen. Ein möglicher Zugang ist ein Comic.

Quelle: Carina Bahl

Von Carina Bahl

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