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"Das Zentrum beleben? Das wird nichts mehr"

Isernhagen "Das Zentrum beleben? Das wird nichts mehr"

Die Gemeinde Isernhagen nimmt Anlauf: Vor fünf Wochen hat der Rat die Festlegung des leicht verkleinerten Sanierungsgebiets "Zentrum Isernhagen" beschlossen. Auch ein Sanierungsträger ist gefunden. Doch wie geht es weiter? Manche haben große Hoffnung - andere glauben nicht mehr an das Projekt.

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Ein wenig in die Jahre gekommen: Die Aufwertung des Zentrums in Altwarmbüchen ist schon seit Langem ein Thema in der Gemeinde Isernhagen. 2015 wurde das Areal in ein Städtebauförderungsprogramm aufgenommen. Nach der Sommerpause soll die Politik über einen frisch erstellten Rahmenplan diskutieren und entscheiden.

Quelle: Zottl

Altwarmbüchen. Wenn es darum geht, was das Altwarmbüchener Zentrum schöner machen könnte, sind sich Margret Stöbert und Monika Albers-Troch in vielen Dingen  einig: Mehr bunte Bepflanzung, weniger Beton, ein besserer Geschäftemix - das würde den Frauen gefallen. "Früher war es einfach schön, ins Zentrum zu gehen", finden beide. Uneinig sind sie sich darüber, ob Geld aus dem Sanierungstopf in einen Austausch der Betonpflastersteine fließen sollte, die überall im Zentrum verlegt sind. "Die sind doch noch gut", sagt Stöbert, während Albers-Troch einwendet: "Ich finde, dass das optisch gar nicht mehr geht."

Die beiden Altwarmbüchenerinnen haben sich viele Gedanken darüber gemacht, was gut oder schlecht für das Zentrum an der Bothfelder Straße ist. "Dass die Bücherei nun hier ist, finde ich sehr gut", lobt Albers-Troch. Aber - und da sind sich beide wieder einig: "Hier fehlt eine Drogerie."

Letzteres findet Rudi Langer auch - aber eigentlich ist der 85-Jährige mit dem Angebot im Zentrum zufrieden. Die Diskussion darüber, wie Altwarmbüchens Kern "belebt" werden kann, ist für ihn überzogen. "Gut, es könnte alles etwas freundlicher gestaltet werden. Auch der Autoverkehr auf der Bothfelder Straße ist ein Unruhefaktor", sagt er, aber vor allem: "Hier wird kein städtisches Flair existieren können - dafür ist das Publikum gar nicht da." In Altwarmbüchens Zentrum wohnten vor allem viele Ältere. Für die sei es wichtig, im Zentrum alles vorzufinden, was sie benötigen. "Aber das ist schon fast alles da", sagt er.

Das sieht Angelika Zastrow, Angestellte im Schreibwarenladen, etwas anders. "Neulich hatte ich hier einen älteren Kunden stehen, der legte mir eine kaputte Küchenuhr auf den Tresen und fragte, ob wir die reparieren können. Ein anderer kam mit einer defekten Alarmanlage", erinnert sie sich. Zastrow glaubt nicht mehr an eine erfolgreiche Wiederbelebung. "Durch die Einführung des Krendel- und des A2-Centers wurden den kleinen Geschäften hier die Kunden abgegraben", sagt sie. Während sie erzählt, kommen und gehen viele Kunden - und kaum einer ist dabei, der ihr nicht zustimmt. "Ach, das wird nichts mehr", sagt eine Frau beim Herausgehen. Die vielen Jahre, in denen Gemeinde und Politik schon über die Sanierung diskutieren, haben Zweifel geweckt.

Auch Jutta Neuschulz, Inhaberin der Erlen Apotheke direkt neben dem Rathaus, äußert sich trotz der neu gefassten politischen Beschlüsse eher verhalten. "Es ist schon sehr lange im Gespräch - es gab sogar schon einmal eine Firma, die hatte tolle Pläne. Aber dann kam nichts mehr", sagt sie. Als sie hört, dass das nun beschlossene Sanierungsprojekt auf eine Dauer von zehn Jahren ausgelegt ist, sagt sie: "Es stellt sich die Frage, ob es nicht für einige Geschäftsleute dann schon zu spät ist. Wir zahlen jedes Jahr höhere Miet- und Nebenkosten, der Umsatz wird leider weniger." Sie hofft, dass die Sanierung rechtzeitig mehr Kundenströme generiert. "Es muss alles im Einklang bleiben."

Augenoptikermeisterin Claudia Preiß hofft auch auf bessere Zeiten durch die Sanierung. Da sie als Sprecherin der Gewerbetreibenden Mitglied der sogenannten "Zentrum Arbeitsgruppe" (ZAG) ist, die mit Vertretern aus Verwaltung und Politik die ersten Überlegungen zur optischen Veränderung des Zentrums anstellt, hält sie sich mit Meinungsäußerungen zurück. Nur soviel: "Die Gemeinde unterstützt uns schon", sagt sie und: "Eine Baustelle vor der Tür zu haben, ist natürlich nie schön. Aber wenn man Veränderungen haben möchte, muss man das wohl in Kauf nehmen."

Rahmenplan für die Sanierung steht

Die Gemeindeverwaltung Isernhagen hat jetzt die Erstellung des Sanierungsrahmenplans abgeschlossen. Dieser enthält unter anderem alle Einzelmaßnahmen, Informationen zu Bauabschnitten und eine Kostenübersicht. Der Rahmenplan wurde laut Gemeindesprecherin Svenja Theunert in diesen Tagen an die Politik versendet, die darüber befinden wird. Das erste Gremium, das sich das Papier inhaltlich vornimmt, ist der Altwarmbüchener Ortsrat in seiner Sitzung am 18. August. Die finale Entscheidung darüber fällt der Rat der Gemeinde am 15. September. Zudem soll der Plan bei einer Informationsveranstaltung öffentlich vorgestellt werden. Ein Termin hierfür steht noch nicht fest. Auch die vor fünf Wochen vom Rat abgesegnete Satzung zum Sanierungsgebiet ist momentan noch nicht rechtskräftig. Theunert zufolge wird damit für Ende Juli oder Anfang August gerechnet.

Bevor am Ende tatsächlich saniert werden kann, wird aber auch dann noch etwas Zeit vergehen. Denn zunächst ist eine Dokumentation des Istzustands nötig. Diese übernimmt ein unabhängiger Gutachterausschuss des Landesamtes für Geoinformation und Landesvermessung Niedersachsen im Auftrag der Gemeinde. Die Gutachter legen mithilfe von Bodenrichtwerten den Wert der Grundstücke vor und nach der Sanierung fest. So kann die Gemeinde Bodenwertsteigerungen ermitteln und bei Bedarf Ausgleichsbeträge vom Eigentümer verlangen. Die Wartezeit von der Auftragserteilung durch eine Kommune bis zur Begutachtung durch die Gutachter beträgt etwa drei Monate.

Noch unklar ist, wann der für Eigentümer so wichtige Sanierungsvermerk in den Grundbüchern auftaucht. Hierfür ist das Grundbuchamt im Amtsgericht Burgwedel zuständig. Wer attraktivitätssteigernde Maßnahmen plant, kann mit dem Vermerk steuerliche Vorteile geltend machen.

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