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Verständigung klappt auch ohne Worte

Isernhagen Verständigung klappt auch ohne Worte

Nicht ein Ton ist in der Tischlerwerkstatt zu hören. Stattdessen gestikulieren Leiterin Amelie Dohm und Imad Masri wie wild. Aber in den Gesten ist Struktur, so kommunizieren die beiden. Die Isernhagener Innenausbaufirma Helmrichs beschäftigt jetzt einen zweiten taubstummen Mann.

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Amelie Dohm und Imad Masri verständigen sich am Arbeitsplatz lautlos – in der Gebärdensprache, angereichert um typische Tischlerbegriffe.

Quelle: Jarolim-Vormeier

Isernhagen N.B.. Am Arbeitsplatz hat Werkstattleiterin Amelie Dohm das Sagen. Das Sagen? Sie hält beide Fäuste übereinander, und das bedeutet „Arbeiten“. Ein Kreuz signalisiert: „Pause“. Beide Zeigefinger aneinander, das zeigt an, dass zwei Holzstücke zueinander gehören. Muss eine Holzfläche eingeölt werden, wird das mit Wischbewegungen erklärt, die Spritzpistole in der Hand bedeutet: Lackieren.

In ihrer zum Teil ganz eigenen Gebärdensprache verständigen sich Amelie Dohm und Mitarbeiter Imad Masri bei der Arbeit – und „das klappt sehr gut“, sagt die Tischlermeisterin. Sie lobt sein handwerkliches Geschick, seinen sorgfältigen Umgang mit Werkzeug und Material. Die Verständigung nehme zwar etwas mehr Zeit in Anspruch, aber mit Motivation, Knowhow und Schnelligkeit kompensiere er das. „Er ist eine Riesenunterstützung für uns.“

Imad Masri ist seit der Geburt taubstumm. Der 48-Jährige stammt aus der im Bürgerkrieg vollständig zerstörten Stadt Aleppo in Syrien. Dort hatte er als Tischler gearbeitet. Seit zwei Jahren wohnt er in N.B. Mittlerweile ist der Vater eines Sohnes als Asylbewerber anerkannt. Zu der Arbeit kam er, weil das Helfernetzwerk Isernhagen bei Helmrichs nachfragte. Masri wohnt nur 800 Meter von der Firma entfernt und kommt mit dem Rad.

Zunächst absolvierte der hochgewachsene Mann ein drei Monate langes Praktikum in der Tischlerwerkstatt. Dabei hinterließ der Syrer einen so guten Eindruck, dass er jetzt einen Arbeitsvertrag über ein ganzes Jahr erhalten hat. „In den zwölf Wochen haben wir seine Fähigkeiten und Wissen getestet“, erklärt Geschäftsführer Rüdiger Helmrich.

Die Isernhagener Innenausbaufirma hat bereits Erfahrung mit einem weiteren taubstummen Mitarbeiter gesammelt. Der 39-jährige Tischler Andreas Joisten bedient bei Helmrichs eine Fräsmaschine. Diese ist mit speziellen Lichtsignalen ausgestattet – was dem gehörlosen Handwerksgesellen die sichere Handhabung des Gerätes erleichtert.

Masri und Dohm indes verständigen sich mit Handzeichen und Blicken. „Wir haben unsere Sprache entwickelt und machen auch Witze“, verrät die Werkstattleiterin. So steht ein mit den Fingern dargestelltes L und eine im Gesicht nachgezeichnete Brille für den Chef. Dohm hatte vor der Helmrichs-Stelle neun Jahre lang in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung gearbeitet. „Deshalb fällt es mit vermutlich leichter“, sagt die 46-Jährige. Trotzdem will sie, um noch flüssiger mit Masri kommunizieren zu können, gemeinsam mit ihrem Kollegen Jens Zimmermann einen Gebärdensprachkurs bei der VHS belegen.

Von Katerina jarolim-vormeier

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