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Warum Männer Feministen sein sollten ...

Isernhagen Warum Männer Feministen sein sollten ...

Auf den ersten Blick schien es merkwürdig, dass Isernhagens Gleichstellungsbeauftragte Azadeh Weinrich-Kroll und die Gemeindebücherei anlässlich des zurückliegenden Weltfrauentages einen Mann zu einer Lesung eingeladen hatten. Aber merkwürdig war es nicht, bezeichnete dieser sich doch am Freitagabend als bekennender Feminist.

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Nils Pickert liest in der Gemeindebücherei in Altwarmbüchen aus seinen "Notizen eines feministischen Vaters".

Quelle: Carina Bahl

Altwarmbüchen. Nils Pickert ist vierfacher Vater, Autor, Journalist und kam vor wenigen Jahren ganz plötzlich zu seinen „15 Minuten Weltruhm“, wie er es nannte. Sein fünfjähriger Sohn wollte damals wie seine Schwester Kleider anziehen. Was macht ein Vater? „Es gibt drei Möglichkeiten“, sagte Pickert. Erstens: „Lass den Quatsch!“. Zweitens: „Mach Deinen Scheiß allein!“ Oder drittens: „Ich helfe Dir!“. Pickert entschied sich für Variante 3, zog sich prompt einen Rock an und lenkte die fragenden bis abschätzigen Blicke der Bevölkerung einer kleinen, konservativen, süddeutschen Stadt so auf sich. „Am Ende stand ein glücklicher, kleiner Junge, der sich ausprobieren und so sein durfte, wie er will“, beschrieb es Pickert.

Für ihn persönlich bedeutete das Experiment, dass internationale Medien sich auf ihn stürzten. „Auf einmal hatte ich Fans, bekam Hassmails und durfte Interviews geben“, erzählte Pickert vor rund 40 Besuchern in Altwarmbüchen. In dieser Zeit habe er begonnen, sich für das Thema Sexismus zu interessieren, sei dem Verein „Pink stinks“ beigetreten und nutze seitdem die Öffentlichkeit, um sich bewusst gegen Diskriminierung aufgrund von Geschlechterrollen einzusetzen.

In gut zwei Stunden klärte Pickert darüber auf, warum es nicht prüde oder reine Frauensache ist, gegen Sexismus zu sein. „Es geht beispielsweise nicht darum, gegen Nacktheit zu sein“, stellte Pickert klar. Dessouswerbung sei auf leichtbekleidete Damen angewiesen – „aber warum müssen in der Werbung auf Autos nackte Frauen sitzen?“. Es gebe andere Felder, wo sich für Freizügigkeit eingesetzt werden könnte. „Meine Tochter darf zum Beispiel keine Hotpants in der Schule tragen, weil es den Frieden stören würde.“

Überhaupt seien nicht nur Frauen ein Opfer von zu starren Geschlechterrollen, die im Alltag gelebt würden. „Wenn ein Mann ein schreiendes Kind auf dem Arm hat, werden sofort Erziehungsschwächen unterstellt“, gab Pickert ein Beispiel. Meist gefolgt vom Gedanken: „Wo ist denn bloß die Mutter?“. Andersherum würden Väter dafür gefeiert, dass sie wie einst Sigmar Gabriel, ein paar Tage frei nehmen, weil das Kind krank ist. Sogar einen Preis – „Spitzenvater des Jahres“– gebe es für solche Glanzleistungen. „Gibt es auch einen Preis für die Mütter?“, fragte Pickert. Es sei zwar inzwischen normal, dass beide Elternteile arbeiten, „aber dann geht meist Frau arbeiten und kümmert sich um alles andere und Mann geht arbeiten und erzählt abends seinen Kumpels in der Kneipe, wie ihn das verändert hat.“

Mit Humor, vielen Beispielen und Texten brachte Pickert in Altwarmbüchen seine Botschaft an die Frau – und auch manch einen Mann: „Es braucht viele Hände für die Gleichberechtigung“, sagte Pickert. „Auch die der Männer.“

Von Carina Bahl

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