Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 7 ° Sprühregen

Navigation:
Nur der Waschbeton erfordert Kraft

Isernhagen Nur der Waschbeton erfordert Kraft

Mittendrin statt nur dabei: In der Reihe „Heimat hautnah“ schreiben Autoren nicht nur über Veranstaltungen in Isernhagen, sondern sie machen aktiv mit. Redakteurin Antje Bismark hat bei Women@Work mitgemacht - und sich in einem Baumarkt an verschiedenen Maschinen ausprobiert.

Voriger Artikel
Auto mit Gastank steht in Flammen
Nächster Artikel
Sackgasse überfordert Autofahrer

Redakteurin Antje Bismark hat für einen Selbstversuch Zettel und Stift gegen eine Bohrmaschine getauscht.

Quelle: Bismark

Isernhagen. Am Anfang stehen ein tropfender Wasserhahn und eine harte Wand im Wohnzimmer - beides nervt mich seit Langem, und für beides verbirgt sich hinter dem Begriff Women@Work die Lösung: Nachts im Hornbach-Baumarkt dürfen Frauen alle Maschinen, Deko-Materialien und Armaturen ausprobieren, die ihnen in die Hände fallen. Und das sogar unter fachkundiger Anleitung. Deshalb stehe ich an diesem Abend mit 124 anderen Frauen in einem Raum, während um 20 Uhr die Durchsage die Kunden nach draußen treibt. Feierabend. Aber nicht für uns. Wir legen los, und zwar richtig.

Während Marktleiter Ralf Ahlers und sein Assistentmanager Ronny Winkler die gut gelaunte Damentruppe zwischen 15 und 75 Jahren noch humorvoll zu den einzelnen Stationen schicken, versammeln wir uns schon bei Thomas Wehly und Michael Felis-Kramer. Bohrhammer, Akkuschrauber, Dübel, Schrauben, Bohrmaschinen - alles liegt für uns bereit. Ein kurzer Blick, ein schneller Griff, dann können wir schon die Bohrer wechseln, die Schalter auf Schlagbohrer, Bohrhammer, Meißel oder eben schlichtes Bohren stellen. „Wer will anfangen?“, fragt Felis-Kramer, und alle Hände gehen hoch. Im Minutentakt reichen wir den Bohrhammer weiter. Meine erste Probebohrung in einem Ytong-Stein: keine Herausforderung. Auch bei der zweiten Stufe, dem Kalksandstein, schiebt sich der Bohrer locker durch.

Etwas mehr Kraft brauche ich für den Waschbeton. „Nicht drücken, sonst funktioniert der pneumatische Schlag nicht“, rät mir Wehly, und siehe da: Das Loch zaubert sich fast von selbst. Aber reicht die Maschine für meine harte Wohnzimmerwand? „Sicher“, sagt der Fachmann. Meiner Überlegung, die Kraft samt Maschine in der Bodenplatte des Baumarktes zu testen, erteilt er aber eine Absage. Dafür bekommen wir den Tipp, wie wir ein Schuhregal am besten an der Wand aufbauen, dass wir beim Kopfüber-Bohren eine Schutzbrille aufsetzen sollten und dass es Schrauben und Dübel auch einzeln gibt. Dann kommt der Moment, in dem ich bereue, dass meiner Wohnung Rigips-Wände fehlen. Mit Akkuschraubern, tackerähnlichen Pistolen, einem Hirnholzbohrer durchlöchere ich die Musterwand, um mir dann auf der Rückseite das Ergebnis anzuschauen, wenn der Spreizdübel dann tut, was er tun soll: Er spreizt sich.

Frauen an Bohrmaschinen in Isernhagen: Redakteurin Antje Bismark macht den Selbstversuch.

Zur Bildergalerie

Geduldig lässt uns Felis-Kramer werkeln, auch wenn Herr Lehmann und sein Trupp „Kreatives Gestalten“ nebenan ob unseres Lärmpegels an die Grenzen geraten. Schade ist auch, dass der Kurs erst nach 23 Uhr endet - die Nachbarn fänden meinen nächtlichen Einsatz sicher nicht so gut. Dabei geht es mir wie meinen Mitstreiterinnen: Wir wollen das Gelernte ausprobieren, sei es beim Schuhregal, bei Bildern oder einem Haken an der Decke, wobei die Teilnehmerin offen lässt, wofür sie den benötigt.

Vor dem Ende aber tausche ich noch einmal den Kurs und lerne unter Anleitung von Sebastian Pertenbreiter und Thomas Elhardt, wie ich ein komplettes Waschbecken austausche. Eigentlich wollte ich nur die Armatur ersetzen - aber irgendwie klingt so eine Kompletterneuerung auch gut. Ich notiere mir Schallschutz, Kitschnur, Steckschlüssel und Armaturen, die Wasser sparen - mehr als ein von mir favorisierter Perlator. Den zu wechseln stellt nun erst recht keine Herausforderung mehr dar. Denn mit wenigen Handgriffen lässt sich die alte Armatur ab- und die neue anbauen.

Und plötzlich ist die Zeit vorbei: Es gibt eine Urkunde, eine Geschenketüte mit (natürlich) Dübeln und Schrauben - und Pflaster. Es gibt vor allem aber auch sehr viel Selbstvertrauen und Spaß. „Das gilt nicht nur für die Frauen heute Abend“, sagt der Marktleiter. Sondern auch für seine Kollegen, die endlich mal in Ruhe ihr Wissen zeigen koynnten. „Ohne“, sagt Ahlers, „dass ein männlicher Kunde gleich dazwischenruft, dass er alles viel besser kann.“

Von Antje Bismark

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6sm6e19282awue1xchg
Wo ist der Hydrant? App weist den Weg

Fotostrecke Isernhagen: Wo ist der Hydrant? App weist den Weg