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Löffler folgt auf Vogelgesang

Kirchhorst Löffler folgt auf Vogelgesang

Obwohl schon vor der Sitzung klar war, dass sich die Mehrheiten im Ortsrat verschoben haben, hat Kirchhorst am Mittwochabend eine Kampfabstimmung erlebt. Neuer Ortsbürgermeister ist Herbert Löffler (SPD), die Gegenkandidatur von Carsten Frey (CDU) war nur noch symbolischer Natur.

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Der neue Ortsrat Kirchhorst mit André Marburg (SPD), Anne Ingrid Kollenrott (Grüne), Ulrich von Rautenkranz (FDP), Hugo Berkelmann (CDU), Herbert Löffler (SPD), Carsten Frey (CDU) und Thomas Mazur (parteilos).WalterOrtsrat Kirchhorst Herbert Löffler

Quelle: Frank Walter

Kirchhorst. Fünf Stimmen für SPD-Mann Herbert Löffler, nur zwei für Carsten Frey (CDU) – so sah das Ergebnis der geheimen Wahl aus. Es brauchte nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass Löffler außer den zwei SPD-Stimmen auch die der Grünen Anne Ingrid Kollenrott, die von Ulrich von Rautenkranz (FDP) und von Thomas Mazur (parteilos) erhalten hatte. Löffler wandelt in seiner neuen Funktion auf den Spuren seines Schwiegervaters Kurt Spalke (auch SPD), der bis zur Gebietsreform 1974 Bürgermeister in Kirchhorst und später als Ortsbürgermeister Vorgänger der jetzt ausgeschiedenen Renate Vogelgesang (CDU) war.

Im Vorfeld habe "jeder mit jedem gesprochen“, berichtete Löffler im Nachgang der Sitzung. Es sei der CDU deshalb klar gewesen, dass die anderen ihm die Unterstützung signalisiert hätten. "Ich dachte, die CDU akzeptiert das“, wunderte sich Löffler über die Kampfabstimmung. Carsten Frey (CDU) begründete seine so von vornherein aussichtslose Kandidatur am Donnerstag mit dem "klaren Wählerauftrag“: Die CDU sei prozentual als stärkste Kraft aus der Kommunalwahl hervorgegangen. "Ich wollte Flagge zeigen – sonst hätte ich gar nicht als Spitzenkandidat antreten müssen.“

Künftig soll Parteipolitik im Ortsrat Kirchhorst keine Rolle spielen – "das ist mein Credo“, sagte Löffler in seinen Dankesworten direkt nach der Wahl. Zudem könne man mit sechs Kirchhorstern im Rat der Gemeinde "gemeinsam viel für Kirchhorst erreichen“. Gleichzeitig kündigte Löffler an, als Vorsitzender der SPD Isernhagen zurückzutreten. "Als Ortsbürgermeister bin ich Ansprechpartner für alle in Kirchhorst – das Parteiamt passt da nicht.“ Bei der Mitgliederversammlung am Freitag, 9. Dezember, wird die SPD deshalb einen neuen Vorsitzenden wählen müssen. Ein Kandidat für den Chefposten ist bereits ausgeguckt, wie Löffler gestern sagte.

Ebenfalls ausgeguckt worden waren im Vorfeld der konstituierenden Ortsratssitzung die Kandidaten für die beiden Stellvertreter-Posten des Ortsbürgermeisters in Kirchhorst. Ulrich von Rautenkranz (FDP) und Thomas Mazur (parteilos) erhielten in geheimer Wahl ebenfalls jeweils fünf Ja-Stimmen. Letzterer erntete für seine Aussage, dass das Gremium jetzt so aufgestellt sei, dass das "Wahlergebnis weitgehend abgebildet wird“, ungläubige Blicke und ironisches Gelächter aus den Reihen der anwesenden CDU-Mitglieder.

Ortsrat will den neuen Dorfplatz

Lob von vielen Seiten gab es am Mittwochabend im Ortsrat Kirchhorst für die Pläne für einen neuen Dorfplatz – "ein Dorfkern zum Wohlfühlen“, wie Unternehmer Daniel Berkemeier seine Präsentation betitelt hatte.

Auf 1,7 Hektar Fläche neben der Feuerwehr Kirchhorst und gegenüber des NP-Marktes will der gebürtige Bissendorfer, der seit drei Jahren mit seiner Familie in Kirchhorst lebt, außer barrierefreien und single-tauglichen Mehrfamilienhäusern sowie Einzel- und Doppelhäusern einen Treffpunkt für Vereine und Verbände errichten. Die "Dorfgemeinschaft fördernde Gastronomie“ solle italienische oder gutbürgerliche Küche bieten – "das wird kein Imbiss, keine Pommesbude“, versprach Berkemeier. Beim dazugehörigen Saal setzte er nicht auf "Schicki-Micki, sondern rustikales Ambiente“. In kleinen Läden (vielleicht Blumen- oder Dekogeschäft, Landhaus-Boutique oder Bio-Tante-Emma-Laden) könnten vielleicht eine kleine Poststelle, ein Geldautomat und ein Kontoauszugsdrucker Platz finden – alles Dinge, die Kirchhorst fehlen.

Ein Spielplatz findet sich bereits in den ersten Entwürfen. "Und wenn Bedarf besteht, würde ich auch gern einen Kindergarten bauen“, so der gelernte Zimmermann und studierte Bauingenieur Berkemeier.

Vom ersten Spatenstich bis zum Abschluss des Projekts rechnet Berkemeier mit drei Jahren. Bis dahin wird aber noch einige Zeit vergehen, denn momentan stellt das Regionale Raumordnungsprogramm das Grundstück als "Vorranggebiet Freiraumsicherung“ dar. Die Verwaltung soll nach Willen des Ortsrates bei der Region ein Änderungsverfahren beantragen. Das Votum des Planungs- und Bauausschusses der Gemeinde dazu steht allerdings noch aus.

Die Kirchhorster Politiker waren jedenfalls voll des Lobes für die Pläne des neuen Dorfkerns: "Sehr gute Idee“, "super Sache“, "attraktive Idee“ – so äußerten sich die Ortsratsmitglieder zur Vorstellung des Unternehmers für den geografischen Mittelpunkt Kirchhorsts.

Hunde gehen in Kindergarten

Auf dem Gelände des ehemaligen Freizeitparks in Kirchhorst soll sich ein Hunde-Kindergarten ansiedeln dürfen – zunächst befristet auf ein Jahr und ausgestattet mit Bauwagen und Zäunen, die sich schnell demontieren lassen. Darauf hat sich der Ortsrat einstimmig verständigt. Bislang ist der Betrieb in Hannover-Lahe angesiedelt, wo das gemietete Grundstück allerdings zum Verkauf steht. Auf rund 5000 Quadratmetern in Kirchhorst sollen zwei bis drei Mitarbeiter 20 bis 30 Hunde montags bis freitags von 7 bis 19 Uhr in einem Freigehege betreuen. Ortsratsmitglied Carsten Frey (CDU) äußerte Bedenken wegen möglicher Lärmprobleme – dies lasse sich mit der Duldung für ein Jahr testen, so Bauamtsleiterin Heike Uphoff.

Mehr Schüler: Neue Probleme im Hort?

Die Kirchhorster Grundschule bietet genügend Platz, um in den nächsten vier Jahren jeweils auch einige Kinder aus der Gartenstadt Lohne aufzunehmen. "Die Frage ist doch, ob wir dadurch im Hort Probleme bekommen“, äußerte Ulrich von Rautenkranz (FDP) Bedenken, als es um den Neuzuschnitt der Grundschulbezirke ging, der die Entlastung der Neuwarmbüchener Schule zum Ziel hat. Immerhin ist der Andrang auf die wenigen Hortplätze in Kirchhorst schon jetzt groß, ohne dass auch noch Kinder aus der Gartenstadt berücksichtigt werden müssen. Die Verwaltung konnte aus dem Stegreif nicht beantworten, wie sich die Situation verändern wird. Von Rautenkranz enthielt sich deshalb in der Abstimmung, während der restliche Ortsrat für die Änderung der Schulbezirke votierte.

Silberne Ehrennadel für Jackie Pickering

Die konstituierende Sitzung war nicht nur die erste für die neuen Ortsratsmitglieder. Auch die ausscheidenden Politiker rückten noch einmal in den Fokus, als sie mit liebevoll dekorierten Präsenten verabschiedet wurden. Die silberne Ehrennadel als Dreingabe überreichte Noch-Ortsbürgermeisterin Renate Vogelgesang an Jackie Pickering (beide CDU). 15 Jahre hatte sich die Betreiberin der örtlichen Ballettschule ehrenamtlich für den Ort eingesetzt.

Ortsrat: Sehen Bedarf für Investition nicht

Im Haushalt der Gemeinde für 2017 klafft ein 5-Millionen-Euro-Loch. Warum dennoch 810.000 Euro am Kirchhorster See investiert werden sollen, obwohl sich die Hotelpläne mittlerweile zerschlagen haben, das erschließt sich nicht jedem im Ortsrat. Mehrheitlich sprachen sich die Politiker dafür aus, die Haushaltsstellen unter anderem für einen Geh- und Radweg von der Wertstoffinsel bis zum See und den Schmutzwasserkanal mit einem Sperrvermerk zu versehen. Sollte sich ein neuer Plan für die Fläche am See konkretisieren, kann das Geld schnell wieder freigegeben werden.

Nicht betroffen vom Sperrvermerk ist der geplante Bau eines Geh- und Radweges im vorderen Bereich vom Kreisel bis zur Wertstoffinsel.

Von Frank Walter

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