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Ortsrat lehnt neue Wertstoffinsel ab

Isernhagen Ortsrat lehnt neue Wertstoffinsel ab

Es war die sprichwörtlich verkehrte Welt, die sich am Mittwochabend im Ortsrat Altwarmbüchen zeigte. Während in Isernhagens Altdörfern stets Wertstoffinseln gefordert werden, um Senioren kurze Wege zu ermöglichen, sprachen sich die Politiker in Altwarmbüchen geschlossen gegen den neuen Sammelplatz im Neubaugebiet Wietzeaue aus.

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Der Ortsrat Altwarmbüchen lehnt die neue Wertstoffinsel im Neubaugebiet Wietzeaue ab, die in der Nähe der Kita steht.

Quelle: Carina Bahl

Altwarmbüchen. Der Standort liege in einer Spielstraße in Sichtweite des Kindergartens – man wolle weder mehr Verkehr an dieser Stelle haben, noch durch Glasscherben oder Müll eine Gefahr für Kinder herbeiführen, betonte Jessica Rothhardt (Grüne).Es sei verwunderlich, dass die Verwaltung schon den Zaun und einen Altkleidercontainer aufgestellt habe, ohne den Standort vorher vom Ortsrat diskutieren zu lassen. „Solche Plätze verursachen auch Lärm“, ergänzte sie ihre Ausführungen. Die Verwaltung solle Alternativen suchen.

Aus Sicht der SPD bräuchte es nicht einmal diese. „Wir sind in Altwarmbüchen sehr gut bestückt mit Abfallcontainern“, sprach sich Marlis Helfers für einen Verzicht auf den Standort an der Wietzeaue aus. „In so einem Gebiet, das gestalterisch schön ist, passt das wirklich nicht rein“, stimmte Ingo Baade (CDU) ihr zu.

Aus Sicht der Verwaltung liegt die Sache anders. „Bereits im Bebauungsplan hatten wir diesen Standort festgelegt“, sagte Claudia Halfen. Dieser wurde politisch beschlossen. „Natürlich verteidigen wir ihn jetzt, weil wir bereits investiert haben.“ Egal, wo man als Gemeinde Wertstoffinseln angedacht habe, „wir haben uns immer eine blutige Nase geholt. Wertstoffinseln sind ein ungeliebter Wanderpokal“, so Halfen. Jeder sehe ein, dass es sie brauche, aber niemand wolle sie vor der eigenen Tür haben. Daher lege die Gemeinde die Standorte im Bebauungsplan fest.

Den Ortsrat stimmte das nicht um – er votierte geschlossen gegen den Standort und forderte den Rückbau. Sogar ein Gesamtkonzept für alle Wertstoffinseln in Altwarmbüchen wurde in Aussicht gestellt, nachdem Hans-Edgar Ojemann (SPD) kritisiert hatte, der Ortsrat dürfe sich nicht nur für Anwohner eines Standortes einsetzen. Jetzt muss der Planungsausschuss entscheiden. „Das ist doch Ortsratssache“, kritisierte Heiko Weichert (Bürgerstimme). „Ja, aber es betrifft den Bebauungsplan“, erklärte Halfen, warum auch das andere Gremium einbezogen werde.

Eine untypische Meinung für Isernhagen vertrat der Ortsrat auch beim Gehweg in der Wietzaue entlang der Straße Blocksberg. „Da sind jetzt in eine Richtung kleine Vorfahrtsschilder angebracht. Wir beantragen, diese abzubauen, um nicht den Anschein zu erwecken, da dürften Radfahrer fahren“, kündigte Rothhardt (Grüne) selbstbewusst an. „Wenn wir Schilder aufstellen, hat das einen Sinn“, hielt Halfen dagegen. In der Tat wird der Gehweg für Radfahrer freigegeben – das passende Schild dazu sei schon bestellt. Allerdings seien die Gehwege nur in eine Richtung für Radfahrer befahrbar. Der Antrag wurde von Rothhardt zurückgezogen, aber mit Kritik:„Es muss doch nicht jeder Gehweg für Radfahrer freigegeben werden.“ Kaum zu glauben mit Blick auf die Diskussionen in den Bauerschaften, wo lauthals danach geschrien wird, genau das zu tun.

Tempo 30 wird am Blocksberg nicht ausgedehnt

Seit Jahren fordern Anwohner eine Verkehrsberuhigung. „Sind wir Bürger zweiter Klasse?“, fragte einer von ihnen im Ortsrat, warum Tempo 30 zwar am Blocksberg in Höhe des Neubaugebietes gelte, aber nicht in der Verlängerung hinter der Kurve. Dort fehle die beidseitige Bebauung, erklärte die Verwaltung. Zudem habe eine Messung die Raserei nicht bestätigt. „Die Polizei sieht Tempo 30 nicht als erforderlich an“, bilanzierte Claudia Halfen von der Stadt. Ein Tempolimit könne aber nur in zwingenden Fällen angeordnet werden. Der Ortsrat forderte zu prüfen, ob die Bushaltestelle und das eine Haus auf der sonst unbebauten Seite nicht als Argumente für Tempo 30 ausreichen.

Ortsrat beantragt Übungsplatz für die Gemeindefeuerwehr

„Einen Meilenstein“ nannte Altwarmbüchens Ortsbrandmeister Marc Perl in seinem Bericht im Ortsrat das neue Feuerwehrhaus. „Es macht uns jeden Tag Spaß.“ Allerdings finde sich eine Möglichkeit auf dem Gelände am Farrelweg nicht – das war von Anfang an klar: „Es fehlt ein Übungsplatz.“ Bei der Planung des Neubaus sei so eine Fläche damals für den Bereich vor dem neuen Baubetriebshof angedacht gewesen. „Ich weiß nicht, ob sie unter den Teppich gekehrt oder vergessen wurde“, sagte der Ortsbrandmeister. „Wir jedenfalls haben sie nicht vergessen.“ Die Ausbildung der 62 aktiven Einsatzkräfte in Altwarmbüchen sei auf einem sehr guten Stand. Nicht nur diese würden von dem Platz profitieren. „Die ganze Gemeindefeuerwehr würde ihn nutzen, acht Feuerwehren, die Truppmannausbildung und die Jugendfeuerwehren“, zählte Perl auf.

Ein wichtiger Bestandteil des Übungsplatzes wäre ein Turm – ein Metallgerüst, das die Feuerwehr fürs Üben mit der Drehleiter oder der Höhenrettung und Absturzsicherung nutzen könnte. „Das ist kein Spielgerät, sondern gerade bei Feuerwehren, die eine Drehleiter haben, sehr wichtig“, erklärte Perl. Damit könnten Rettungen simuliert werden, die über das dritte Obergeschoss hinausgingen. Gruben und Möglichkeiten, technische Hilfeleistungen zu üben, würden den Platz abrunden. Die Frage, wo man bisher übe, konnte Perl beantworten und problematisieren: Man habe gute Kontakte zum A2-Center, das sich für Abseilübungen eigne. Auch auf dem Adler-Parkplatz habe es Übungsdienste gegeben. „Das ist aber alles öffentlicher Verkehrsraum“, betonte der Feuerwehrchef. Versicherungsfragen bei Unfällen würden sich aufdrängen. „Für andere Szenarien fahren wir bis nach Osnabrück.“

Für einen Übungsturm müsse man mit circa 80 000 Euro rechnen, schätzte der Ortsbrandmeister. Die Fläche vor dem Bauhof biete sich an, da dort auch keine Lärmbelästigung zu befürchten sei. Davor, den Turm fürs allgemeine Klettern freizugeben, warnte er aber: „Da sehe ich Gefahren.“ Auch die Kooperation mit anderen Kommunen sah Perl kritisch: „Wir decken die Woche garantiert ab.“ Der Ortsrat sprach sich auf Antrag der CDU letztlich einstimmig dafür aus, den Übungsplatz im Haushalt 2018 einzuplanen.

Von Carina Bahl

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