Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° wolkig

Navigation:
Politiker erhöhen Druck auf Grundschulen

Isernhagen Politiker erhöhen Druck auf Grundschulen

Nicht mit Zeit-, aber mit Nachdruck will sich die Isernhagener Politik für die Einführung einer Ganztagsgrundschule in N.B. stark machen. Das steht seit der Diskussion im Schulausschuss am Donnerstagabend fest.

Voriger Artikel
Gymnasium feiert 40 "tolle“ Jahre
Nächster Artikel
Diebe stehlen Navis und brechen Lauben auf

Die Einführung von Ganztagsgrundschulen in Isernhagen bleibt umstritten.

Quelle: Symbolbild

Isernhagen. Die Ausgangslage könnte kaum schwieriger sein: Isernhagens Grundschulleiter lehnen die Einführung eines Ganztagsbetriebes seit Jahren ab. Mehrarbeit für das pädagogische Konzept, Arbeitszeiten für das Kollegium bis in den Nachmittag hinein und die Sorge, zusätzliche Lehrerstunden nicht besetzt zu bekommen, sind die Hauptkritikpunkte.

Auf der anderen Seite stehen die Familien: Die Hortplätze reichen in Isernhagen nicht aus, ein Ausbau ist finanziell für die Gemeinde nicht zu schaffen – für mehr Hortplätze bräuchte es allerorts Neubauten. Die steigende Nachfrage nach Krippen- und Kindergartenplätzen mit langen Betreuungszeiten belegt den Bedarf auch für ein Nachmittagsangebot für Grundschüler. Einig sind sich die Fraktionen, Abhilfe schaffen zu wollen – der politische Wille: Ganztagsschulen.

Eine Befragung für ein Pilotprojekt im Grundschulbezirk N.B. hatte im Frühjahr aber kein klares Ergebnis hervorgebracht, ob Hort, offene oder teilgebundene Ganztagsschule Elternwunsch sind. Ein Runder Tisch ergab daraufhin: Die Schulleitung aus N.B. lehnt eine Ganztagsschule ab, solange der Elternwille nicht eindeutig ist.

Eine erneute Informationsveranstaltung in der vergangenen Woche für Isernhagens Grundschulleiter, Politiker, Eltern- und Lehrervertreter ebnete ebenfalls keinen gemeinsamen Weg: Weiterhin sehen die Schulen den Ganztagsbetrieb kritisch. Die Politiker hingegen überzeugten die Ausführungen aus Burgdorf und Hannovers Südstadt, wo bereits offene und teilgebundene Ganztagsschulen existieren.

Wie geht es nun weiter? Auf diese Frage musste der Schulausschuss am Donnerstag eine Antwort finden. „Wir waren begeistert von den Vorträgen, vor allem die teilgebundene Schule hat uns überzeugt“, betonte Vanessa Schenke (CDU). „Unsere Fraktion würde das weiter vorantreiben wollen.“ Die SPD schloss sich an: „Das Problem ist nur, die Schulen mit ins Boot zu holen“, sagte Rüdiger Hinrichs (SPD). „Es bedeutet Mehrarbeit für die Lehrer“, betonte Helmut Lübeck (CDU). „Aber wir brauchen einen politischen Beschluss, und dann müssen die da eben durch. Denn es hat Sinn.“

Tatsächlich kann der Rat ohne Zustimmung der N.B.er Schule beschließen, dass die Gemeinde als Schulträger beim Land eine Ganztagsschule beantragen soll. In diesem Fall wäre die Schule verpflichtet, das pädagogische Konzept zu erarbeiten. „Wir wollen das, und das müssen wir der Schule klar machen“, sagte Sabine Müller (SPD).

Über den Kopf der Schulleitung hinweg den Antrag zu stellen – das wollte der Ausschuss am Donnerstagabend aber (noch) nicht tun. Auf Vorschlag der Verwaltung soll es jetzt erst erneut ein Gespräch mit dem Schulvorstand aus N.B. geben. Darin wollen die Politiker verdeutlichen, dass sie vorhaben, den Antrag zu stellen. „Es muss Überzeugungsarbeit geleistet werden“, sagte Schulamtsleiterin Silvia Voltmer. Denn wie gut ein pädagogisches Konzept werde, wenn es die erstellen müssten, die es ablehnen, sei fraglich. „Es ist ein Unterschied, ob ich für ein Thema brenne oder es aufgedrückt bekomme.“

Zu jeder Art von Unterstützung und Kooperation bei der Einführung einer Ganztagsgrundschule zeigten sich die Politiker bereit – noch länger warten und ein grundsätzliches Nein der Schulen akzeptieren, das wollen sie aber nicht mehr. Im Herbst wird der Schulausschuss erneut beraten – mit der Option, bis Dezember 2018 einen Antrag beim Land zu stellen. Dann hätte die Schule mehr als ein Jahr Zeit für die Erstellung des pädagogischen Konzeptes. Theoretisch könnte die Ganztagsschule dann im Sommer 2019 starten. „Es geht uns dabei aber nicht um Zeitdruck“, machte Schenke klar.

Der Kommentar: Und bist Du nicht willig...

Der Blick in alle Nachbarkommunen zeigt es: Ganztagsgrundschulen sind nicht die Zukunft, sie sind gelebte Gegenwart. Isernhagen hängt dabei um Jahre zurück. Wenn man sich als familienfreundliche Kommune versteht, darf die verlässliche Nachmittagsbetreuung nicht mit der Einschulung enden.Es ist richtig, dass die Politiker nach Befragungen, Runden Tischen und viel Überzeugungsarbeit jetzt nicht mehr darauf warten wollen, dass die Ablehnung der Schulleiter in Begeisterung umschlägt. Das wird nicht passieren. Wer freut sich schon über Mehrarbeit und Dienst am Nachmittag? In Isernhagen braucht es anscheinend eine klare Ansage aus dem Rat – und das ist schade. „Und bist du nicht willig, so brauch’ ich Gewalt“? Nein, wie in Goethes „Erlkönig“ darf es nicht laufen. Die Politiker sollten sich die Sorgen der Grundschulen ganz genau anhören. Es gibt Möglichkeiten, wie die Gemeinde sie bei der Einführung des Ganztagsbetriebs unterstützen kann – personell, baulich, finanziell. Niemand will einen Kampf Rat gegen Schule. Den Stoß über die Startlinie braucht es – aber ins Ziel geht es nur gemeinsam.

Von Carina Bahl

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6xhh7nkxl6xn9osz7qn
Hunderte feiern Peter Maffay im A2-Center

Fotostrecke Isernhagen: Hunderte feiern Peter Maffay im A2-Center