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Realschüler unterrichten Flüchtlingskinder

Altwarmbüchen Realschüler unterrichten Flüchtlingskinder

Zwölf Syrer, sechs Iraker, vier Afghanen und zwei Mazedonier besuchen die Realschule Isernhagen. Zwar gibt es mehrere Sprachlerngruppen, aber diese Förderung umfasst nur zwei Stunden am Tag – und deshalb ist jede Hilfe willkommen.

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Zehntklässlerin Sarah (16) hilft Lafa (12, links) und Saleh (12) beim Memoryspiel mit der richtigen Aussprache der deutschen Begriffe.

Quelle: Frank Walter

Isernhagen. Was ihre Mitschüler jetzt gerade so treiben? „Die sitzen wahrscheinlich vor dem Fernseher“, vermutet Sarah. Anders die 16-Jährige: Statt draußen die Sonne zu genießen, sitzt die Zehntklässlerin ebenso wie einige Mitschüler nach ihrem eigenen Unterrichtsschluss im Computerraum der Realschule und hilft Flüchtlingskindern dabei, die deutsche Sprache zu erlernen. Gerade einige Zwölfjährige wie Fatima und Saleh seien ihr mittlerweile richtig ans Herz gewachsen: „Die sind total knuffig“, meint Sarah.

Als sie im Januar die ersten Schüler angesprochen habe, ob sie nicht auch ein bisschen Deutsch üben wollten mit ihren neuen Mitschülern, da seien diese sofort mit Feuereifer dabei gewesen, sagt die stellvertretende Schulleiterin Johanna Malinowski stolz. Längst ist es ein Selbstläufer geworden: Wer eine Freistunde hat, greift sich einen der Ordner mit Arbeitsblättern oder eines der Memoryspiele, bei dem spielerisch Alltagsbegriffe den passenden Bildern zugeordnet werden müssen, und geht mit einigen der Neuankömmlinge in einen leer stehenden Raum. „Man sieht sofort, welche Kinder noch recht neu bei uns sind. Je länger sie dann da sind, desto mehr Vertrauen fassen sie und entspannen“, sieht Malinowski neben dem sprachlichen Gewinn auch einen psychologischen Effekt.

Saleh ist denn auch begeistert von seiner „Lehrerin“ Sarah: „Sie versteht mich, und wir lachen viel zusammen“, sagt der aufgeweckte Zwölfjährige. Bis 2013 war er in Syrien zur Schule gegangen, dann wieder während des einjährigen Aufenthalts in der Türkei, wohin die Familie vor dem Krieg flüchtete. Per Boot waren die Eltern dann mit ihren vier Kindern nach Griechenland übergesetzt, ehe die Familie vor neun Monaten schließlich in Deutschland ankam.

Manche Familien seien sogar zwei Jahre lang auf der Flucht gewesen, was außer einer Traumatisierung leider auch manche Bildungslücke zur Folge habe, beschreibt Malinowski das Problem - einige Kinder würden erst jetzt alphabetisiert. Immerhin steht jetzt Unterstützung in Aussicht: Die erste Sprachlernklasse mit speziell geschultem Personal an der Realschule ist genehmigt, „wir hoffen auf einen Start im Mai“. Die zweite Klasse soll dann im nächsten Schuljahr folgen.

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