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Wenn der Schutzstreifen in Schieflage gerät

Isernhagen Wenn der Schutzstreifen in Schieflage gerät

Viele Diskussionen haben Bürger, Politiker und vor allem Radfahrer aus Isernhagen in den vergangenen Monaten über die Planung der Region geführt, einen Fahrradschutzstreifen auf der K113 anzulegen. Am Donnerstagabend stellte der zuständige Fachbereichsleiter auf Einladung der SPD alle Informationen zum Thema öffentlich vor.

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Auf der stark befahrenen Podbielski Straße in Hannover gibt es den Fahrradschutzstreifen bereits. Ab nächstem Jahr soll die gestrichelte Linie auch Radfahrer auf der K113 in Isernhagen schützen.

Quelle: Archiv

Isernhagen. „Wir sind an der Front angekommen“, stellt Conrad Vinken, bei der Region zuständig für die Sanierung von Kreisstraßen, am Donnerstagabend in der Buhrschen Stiftung fest. „Kampf um die Straßen“, „Enge für alle“, „Fahrradkrieg“, zitiert er ungläubig aus bundesweiten Berichterstattungen über Fahrradschutzstreifen.

„Bin ich das sechste Mal in Isernhagen?“, überlegt er laut und erinnert sich an kontroverse Diskussionen, die ablehnende Haltung der Politiker und Sorgen der Bürger rund um den Fahrradschutzstreifen, den die Region unter anderem für die K 113 in K.B. und N.B. vorsieht. „Den Schutzstreifen gibt es seit 1997 in der Straßenverkehrsordnung“, betont Vinken. „Überall funktionieren die gut. Aber hier in Isernhagen muss irgendwas in Schieflage geraten sein.“ Und um diese Schieflage gerade zu rücken, erläutert der Experte auf Einladung der SPD in zwei Stunden rund 30 Besuchern noch einmal Gesetzeslage, Planungen, Ausnahmeregelungen, Erwartungen und Motivation rund um den Schutzstreifen.

Nach den Sommerferien beginnt die ursprünglich auf vier Monate geplante und nun doch wohl rund ein Jahr andauernde Sanierung der Ortsdurchfahrt zwischen dem Abzweig nach Altwarmbüchen und dem nach Isernhagen-Süd. Die Region zieht unter anderem eine neue Deckschicht auf die Straße – samt Wanderbaustelle, halbseitigen Sperrungen mit Ampeln und zwei Wochenenden Vollsperrung. Die Gemeinde, zuständig für die Gehwege, schließt sich an. „Wir bauen die Gehwege, die Gemeinde bezahlt nur. Wir sind ja eh vor Ort“, scherzt Vinken.

Der strittigste Punkt dabei ist die Führung der Radfahrer. Weil auf der nördlichen Seite ein Radweg aufgrund der Straßenenge und des teils nicht einmal vorhandenen Gehweges unmöglich ist, möchte die Region einen Fahrradschutzstreifen auf die Straße pinseln. Die Gemeinde müsste ihn anordnen.

Es gilt: Autofahrer dürfen ihn nur überfahren, um dem Gegenverkehr auszuweichen – Radfahrer haben Vorrang. Die Mittellinie wird verschwinden. „Das und der Streifen werden das Tempo der Autofahrer reduzieren“, weiß Vinken aus Erfahrung. „Die müssen sich dann schon mehr konzentrieren.“ Zudem: „Ohne Geh- und Radweg werden die Radfahrer auf die Straße müssen – der Streifen schafft das Bewusstsein bei den Autofahrern, dass sie das auch dürfen.“ Viele Statistiken belegten: „Radfahrer sind auf der Straße sicherer als auf dem Gehweg, wo sie an Grundstücksausfahrten vorbei müssen.“ Das subjektive Empfinden, das gesteht Vinken ein, weiche manchmal von der Statistik ab – in Isernhagen auch mal öfter.

Der südliche Gehweg der K 113, der noch in beide Richtungen für den Radverkehr freigegeben ist, wird das nach der Sanierung nicht mehr sein. „Das geht höchstens in Ausnahmefällen“, erklärt Vinken – aber die Verkehrsbelastung der Straße reiche dafür nicht aus. „Es ist eine Haftungsfrage für die Gemeinde, wenn sie den Gegenverkehr der Radfahrer zulässt. Das würde ich keiner Behörde je empfehlen.“ Im Übrigen: „Auf einem freigegebenen Gehweg müssen Radfahrer auch Schrittgeschwindigkeit fahren.“ Ein Schutzstreifen wirke zudem unattraktiv auf Auto- und Lastwagenfahrer. „Manch einer sucht sich dann bestimmt einen anderen Weg“, motiviert Vinken und muntert auf: „Radler sollten auf ihr Recht bestehen, die Straße zu nutzen.“

Am Ende der Debatte ist die Isernhagener Schieflage noch da – manch einer im Saal plädiert für den Streifen, andere sehen weiter eine Gefahr darin. Aber die Informationslücken sind behoben – vor allem eine: Wegdiskutieren können wird den Fahrradschutzstreifen auf der K 113 wohl niemand mehr.

Von Carina Bahl

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