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"Rollstuhlfahrer sollen als normal angesehen werden"

Isernhagen "Rollstuhlfahrer sollen als normal angesehen werden"

Der Verein Rolling Chairs Isernhagen setzt sich seit drei Jahren an Schulen für die Inklusion ein. Dafür gab es jetzt eine Ehrung durch den Landesverband des Sozialverbands Deutschland. Am Tag des Ehrenamtes gratulierten nun auch die Gemeinde und Ortsbürgermeister Philipp Neessen.

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Altwarmbüchens Ortsbürgermeister Philipp Neessen (von links) übergibt Frank Pieper, Rebekka Schmidt (mit Ariane und Rene), Patrick Mönemöller und Werner Hinz vom Verein Rolling Chairs Urkunden für ihr Engagement im Bereich Inklusion.

Quelle: Buck

Altwarmbüchen. 140 Zeichen, mehr Platz hatten die Rolling Chairs nicht, um sich für den Inklusionspreis des Niedersächsischen Sozialverbands Deutschland  (SoVD) zu bewerben - die "rollenden Stühle" brauchten nur zwölf. Frank Pieper, zuständig für das Marketing im Verein, hielt die Bewerbung schlicht und kurz: "Siehe Anhang", war seine simple Bewerbung. Dort fanden die Juroren mehr als 90 Seiten an Erfahrungsberichten von Teilnehmern des Inklusionsprogramms. "Wie soll man das ohne Emotionen beschreiben?", fragt Pieper. Und seine Strategie ging auf: Der Verein belegte beim landesweiten Wettbewerb den zweiten Platz im Bereich Ehrenamt.

Am Dienstagnachmittag, dem internationalen Tag des Ehrenamtes, werden die Rolling Chairs im Rathaus Altwarmbüchen noch einmal von der Gemeinde geehrt. "Gerade am Tag des Ehrenamtes wollten wir das Engagement des Vereins noch einmal würdigen", sagt Ortsbürgermeister Philipp Neessen.

Die Rolling Chairs setzen sich vor allem an Schulen für die Inklusion von Rollstuhlfahrern und Gehbehinderten ein. "Wir wollen erreichen, dass Rollstuhlfahrer oder Menschen mit Rollator als normal angesehen werden", erklärt Vorstandsmitglied Werner Hinz. Dafür bieten sie Arbeitsgemeinschaften an, in denen Schüler den "Rollstuhl-Führerschein" erwerben können oder lernen, Basketball auf vier Rädern zu spielen. Mittlerweile ist das Interesse der Schulen sogar so groß, dass der Verein Angebote ablehnen muss.

Grund dafür ist oft der große Aufwand, um jeweils 15 bis 20 Rollstühle zu den betreffenden Schulen zu fahren. "Glücklicherweise können wir uns von der Gemeinde einen Bus leihen", erklärt Hinz. Denn mit einfachen Gesprächsrunden ist es für den Verein nicht getan. "Uns geht es um Nachhaltigkeit. Das Erlernte soll nach einer Woche nicht gleich wieder vergessen werden", sagt Hinz. Deshalb dauern die AGs an den Schulen ein halbes oder teilweise sogar ein ganzes Schuljahr. Aber auch außerhalb der Schulen kann man am Rollstuhl-Basketball oder Rollstuhltanz teilnehmen. Das Basketball-Team der Rolling Chairs spielt drei Jahre nach seiner Gründung sogar schon in der Regionalliga.

Dennoch findet der Verein nur schwer Sponsoren, beispielsweise für einen eigenen Kleinbus. "Wir sind eine Randgruppe. Die Firmen sagen, wir seien zu klein oder würden nicht zu ihnen passen", erzählt Pieper. Umso schöner sei es dann, diesen Firmen beweisen zu können, dass es auch ohne sie klappt. "Die meisten denken einfach, dass wir große Spenden von ihnen wollen. Das stimmt aber gar nicht. Auch mit kleinen Summen ist uns geholfen", sagt Schriftführerin Rebekka Schmidt.

Die Rolling Chairs hoffen, durch ihr eigenes Engagement auch andere Vereine zum Einsatz für die Inklusion bewegen zu können. Wegen des Preises des SoVD und der damit Prämie von 1500 Euro habe man die Vereinsprojekte aber nicht so weit vorangetrieben, betont Hinz: "Der zweite Platz war nicht unsere Motivation. Wir würden auch ohne die Ehrung weitermachen."

Von Madeleine Buck

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