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Begegnung auf Augenhöhe

Isernhagen Begegnung auf Augenhöhe

Für den Rollstuhlsportverein Rolling Chairs (RC) Isernhagen ist es wichtiger Teil der Inklusionsarbeit, für die Schüler spannend und anstrengend zugleich: In N.B. ist eine Rollstuhl-AG an den Start gerollt.

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Bremsen, Anfahren, Bremsen – bei den Fahrübungen ist Koordination gefragt.

Quelle: Frank Walter

Isernhagen. Das Kommando ist klar: "Beim ersten Pfiff wird gefahren, beim zweiten gebremst“, gibt Werner Hinz den Grundschülern vor. Und die versuchen ihr Bestes, um die sensibel auf jede Handbewegung reagierenden Sportrollstühle durch die Halle zu steuern, – was gar nicht so einfach ist: "Das ist aber anstrengend“, ruft ein Mädchen, während sich ein Junge für Hinz’ Behinderung interessiert: "Was ist eigentlich mit Deinen Beinen passiert?“ – "Ich bin so geboren“, antwortet der Rolling-Chairs-Vorsitzende ohne Scheu. Den Wunsch, die lange Reihe der Schüler zu ziehen, kann Hinz allerdings nicht erfüllen: "Das geht nicht, ich habe vorn zu wenig Gewicht“, sagt Hinz – eben weil ihm die Beine fehlen.

"Ich finde es wichtig, dass die Schüler fragen“, sagt der Leiter der neuen Rollstuhl-AG an der Grundschule in N.B. – nur so könne man sich auf Augenhöhe begegnen. Neben dem rein sportlichen Aspekt – Hinz kämpft selbst mit den Rolling Chairs beim Rollstuhl-Basketball um Punkte – ist es eben dieser inklusive Ansatz, der zur Gründung geführt hatte.

"Wenn Kinder selbst ihre Erfahrungen machen, gehen sie danach ganz anders mit körperlich Schwächeren um, auch mit Älteren“, ist Rebekka Schmidt vom RC-Vorstand überzeugt. Lehrerin Stefanie Körschner sieht das genauso: In Zeiten der Inklusion sei so eine AG "eine tolle Sache für das gegenseitige Verständnis“, sagt sie. Bei der neunjährigen Florentine trifft dieser Gedanke auf fruchtbaren Boden: "Dann kann man die Leute besser verstehen, die im Rollstuhl sitzen.“ Ein halbes Jahr lang werden die zwölf Grundschüler jetzt ihre eigenen Erfahrung machen, als krönender Abschluss winkt der "Rollstuhl-Führerschein“.

"Wir wollen die Barrieren in den Köpfen abbauen und über die Kinder auch die Erwachsenen erreichen“, sagt RC-Spartenleiter Frank Pieper. Und weil die Rollstuhlsportler dabei keine halben Sachen machen, ist die AG in N.B. nur eines mehrerer Schulprojekte. An den Grundschulen in Altwarmbüchen und Kirchhorst sind Projektwochen geplant – spätere AGs nicht ausgeschlossen. Arbeitsgemeinschaften für Rollstuhl-Tanz und -Basketball sollen im Januar an der IGS Isernhagen starten, auch mit der IGS Stöcken werden die Rolling Chairs kooperieren.

Grenzen bei der Inklusionsarbeit setzt nur der Transport der Sportrollstühle, die außer in den Schulen auch im Ligabetrieb beim Rollstuhlbasketball zum Einsatz kommen. Mal hilft die Gemeinde, mal Obi und Porta. "Ein eigener Transporter – das würde uns sehr helfen“, macht Pieper keinen Hehl aus dem größten Wunsch der Rolling Chairs.

Von Frank Walter

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