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Beim "Prügeln“ gelten klare Regeln

Isernhagen Beim "Prügeln“ gelten klare Regeln

Fußball spielt doch jeder, dachte sich die Grundschule Altwarmbüchen – und bietet nun mit Rugby eine ausgefallenere Sportart an.

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Daniel Kloß zeigt den Grundschüler, wie man richtig tackelt.

Quelle: Frank Walter

Altwarmbüchen. Maxim (10) geht langsam auf den elfjährigen Caner zu, der vor ihm auf der Matte hockt. Caner ist deutlich kleiner als Maxim, doch als er dessen Oberschenkel mit beiden Armen umschlingt, schafft er es, Maxim aus dem Gleichgewicht zu bringen. Lachend gehen beide zu Boden.

Die zwei nehmen an der neuen Rugby-Arbeitsgemeinschaft der Grundschule Altwarmbüchen teil, die Keith Tillett Anfang Februar für Dritt- und Viertklässler gegründet hatte. Der Engländer, der als Jugendlicher selbst Rugby gespielt hatte, unterstützt seit sechs Jahren als Honorarkraft die Lehrer. Außer um die Handball- und die Rugby-AG kümmert sich Tillett auch noch um die Schulbücherei. Den Rugby-Nachwuchs trainiert er gemeinsam mit Paul Barrett, einem Spieler der dritten Mannschaft des hannoverschen Rugby-Vereins Germania List.

Tillett hat sich dabei auch professionelle Unterstützung mit ins Boot geholt: Die Rugby-Bundesligaspieler Stefan Mau und Daniel Kloß und der ehemalige Germania-List-Spieler Claas Dreyer haben jetzt die Grundschule besucht und mit den 17 Jungen und einem Mädchen der AG das Tackeln und Fallen geübt. Dreyers neunjähriger Sohn Lennart, der die Grundschule Altwarmbüchen besucht, spielt bereits seit fünf Jahren Rugby und ist sogar in der deutschen Auswahl.

Die Schüler sind begeistert von der für sie noch ungewohnten Sportart. Baram (9) findet einfach, dass Rugby „cool“ ist. „Man kann sich dabei prügeln“ – das gefällt Caner und Maxim besonders. Allerdings Prügeln mit klaren Einschränkungen: Die erwachsenen Rugbyspieler versichern, dass Rugby keineswegs ein gewalttätiges Spiel ist – da steht ein umfangreiches Regelwerk entgegen.

Das ist auch der Grund, warum Rektor Karl Runkel so großen pädagogischen Wert in der Sportart sieht. „Die Kinder können sich körperlich betätigen, lernen aber dabei, sich an Regeln zu halten“, argumentiert der erfahrene Diplom-Sportlehrer. „Diese Regeln können sie auch auf den Alltag übertragen.“ Die Sportart kennt zudem keine Außenseiter, denn für jede Körperstatur gibt es eine passende Position im Spiel. Mau, Kapitän des Bundesligisten Germania List und kürzlich ins Trainingslager der Nationalmannschaft berufen, meint: „Wenn man klein und dick ist, wird man in der Schule vielleicht gemobbt, aber beim Rugby als erstes gewählt.“

„Das oberste Gesetz beim Rugby ist, dass der Schiedsrichter immer recht hat“, sagt Klubkollege Dreyer. Zu Streitereien und Diskussionen, wie es sie im Fußball gibt, komme es beim Rugby nicht, denn nur der Mannschaftskapitän dürfe mit dem Schiri reden. Außerdem sei die gesamte Rugby-Gemeinde, wie Mau sagt, „eine große Familie. Eine gute Szene wird auch von den Fans des Gegners beklatscht.“ Dem stimmt Dreyer voll und ganz zu: „Auf dem Feld geht es zwar ordentlich zur Sache, aber danach umarmen sich alle.“

Für die Mitglieder der Rugby-AG geht es am Ende der Schulstunde noch einmal richtig hoch hinaus: Kloß und Dreyer zeigen ihnen das Liften, wie es beim Rugby-Einwurf praktiziert wird. Voller Vertrauen lässt sich Lennart von den beiden an den Oberschenkeln festhalten und in die Luft heben. Gekonnt fängt der Junge den Rugby-Ball. Das wollen natürlich alle Kinder ausprobieren.

Von Imke Koch

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