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Schlag bringt Mann in Haft

Neuwarmbüchen/Großburgwedel Schlag bringt Mann in Haft

Wegen eines einzigen Schlages soll ein 25-Jähriger für ein Jahr ins Gefängnis gehen – weil er bereits einschlägig unter Bewährung stand. Möglicherweise wird er aber Berufung einlegen, und auch ein Zeuge könnte bald erneut vor Gericht landen – dann allerdings als Angeklagter.

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Wegen einer Körperverletzung in Neuwarmbüchen schickt das Amtsgericht Burgwedel einen 25-Jährigen in Haft.

Quelle: Symbolbild: Martin Lauber

Neuwarmbüchen/Großburgwedel. Bis zu einem gewissen Punkt deckten sich die Schilderungen der Beteiligten beim Prozess vor dem Amtsgericht Burgwedel: Nach reichlich Alkoholgenuss war der heute 25 Jahre alte Burgdorfer im Dezember 2015 spät abends in Neuwarmbüchen auf einen 36-Jährigen vor dessen Wohnung zugestürmt, mit dem sich ein Trinkkumpan zuvor ein Wortgefecht geliefert hatte. Doch was passierte dann? Gab es jenen starken Schlag auf die Brust des eher schmächtigen Älteren, den dieser und dessen Bruder im Zeugenstand schilderten und weswegen die Staatsanwaltschaft den Burgdorfer wegen Körperverletzung angeklagt hatte? Oder war es nur ein Wegdrücken mit den flachen Händen gegen die Schultern, mit dem der deutlich kräftigere Mann sich Platz verschaffte?

Die aufgebotenen Zeugen konnten oder wollten nur wenig zur Aufklärung beitragen. Der Bruder des Opfers gab erst an, den Schlag genau gesehen zu haben, verstrickte sich dann aber in Widersprüche und musste letztlich einräumen, dass er in diesem Moment wohl doch woanders hingeschaut hatte.

Immerhin bekam er als zur Wahrheit verpflichteter Zeuge noch rechtzeitig die Kurve, was einem Bekannten des angeblichen Schlägers möglicherweise nicht mehr gelang. Der Burgwedeler hatte damals bei der Polizei ausgesagt, keinerlei Handgreiflichkeiten gesehen zu haben. Im Zeugenstand hingegen beschrieb er das angebliche Wegdrücken durch seinen Kumpanen. Sowohl Amtsrichter Michael Siebrecht als auch der Staatsanwalt wiesen ihn eindringlich auf die Konsequenzen einer Falschaussage hin, die mindestens drei Monate Freiheitsstrafe zur Folge hat. Der Zeuge kam zwar kurz ins Grübeln, blieb dann aber bei seinen widersprüchlichen Angaben. "Das passt alles gar nicht, so kann es nicht gewesen sein. Aber jetzt habe ich mir genug Mühe gegeben, Sie vor einem weiteren Verfahren zu bewahren“, sagte Siebrecht, während sich der Staatsanwalt für die weitere Verfolgung das Geburtsdatum des Zeugen notierte.

Auch eine weitere Zeugin, die Siebrecht kurzerhand telefonisch ins Amtsgericht bestellte, brachte kein Licht ins Dunkel. Die junge Polizistin, die die Körperverletzung nach Überzeugung der beiden Brüder genau gesehen haben müsste, sagte aus, weder Schlag noch Schubser wahrgenommen zu haben. Der Angeklagte sei allerdings sehr aggressiv gewesen – "eine unbefriedigende Aussage, mit der man nichts anfangen kann“, so der Richter, der letztlich dem Opfer Glauben schenkte. "Er ist ein Zeuge, dem man glauben muss, zumal er gar kein Strafverfolgungsinteresse hat, sondern nur seine Ruhe haben will“, so Siebrecht. Er folgte in seinem Urteil mit einer sechsmonatigen Haftstrafe dem Antrag des Staatsanwalts. Der Verteidiger hingegen hatte einen Freispruch aus Mangel an Beweisen gefordert.

Die Strafe für einen einzigen Faustschlag fiel deshalb so hoch aus, weil der 25 Jahre alte Burgdorfer schon mehrfach einschlägig vorbestraft ist. Und weil er von seiner bislang letzten Verurteilung noch sieben Monate auf Bewährung offen hat, wird er voraussichtlich für rund ein Jahr ins Gefängnis müssen – wenn das Urteil denn rechtskräftig wird.

Von Frank Walter

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