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Sie entwickeln revolutionäre Software

Isernhagen Sie entwickeln revolutionäre Software

Aus einem Privatkeller heraus treten zwei Isernhagener gegen Weltkonzerne wie Google und IBM an. Ihre Software-Innovation „YanJe Information Management System“ soll schon bald die Industrie revolutionieren - einen Preis konnten die beiden dafür schon ergattern.

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Illarion Yangurazov (links) und Dimitri Jedik stehen hinter YanJe Technologies und haben für ihre Software-Entwicklung einen Gründerpreis erhalten.

Quelle: Carina Bahl

Isernhagen. „Die Frankfurt University of Applied Sciences freut sich mitzuteilen, dass zwei Isernhagener Unternehmer beim IFE-Gründerwettbewerb für ihr im Bereich Industrie 4.0 aktives IT-Dienstleistungsunternehmen YanJe Technologies ausgezeichnet worden sind.“ Wenn eine Lokalzeitung - ohne ausgewiesenen Technikexperten - eine solche Pressemitteilung erhält, sind die Fragezeichen groß. YanJe? Industrie 4.0? Und auch die knapp zwei Seiten umfassende Erläuterung des Projektes ließ nur einen Entschluss zu: Die beiden müssen selbst erklären, was sie da tun.

Wie beide sich kennengelernt haben? „Wir sind vor 18 Jahren gemeinsam im Aufnahmelager in Deutschland angekommen und haben uns später zusammen eine Wohnung in Isernhagen gesucht“, erinnert sich der 31-jährige Dimitri Jedik. Er kam aus der Ukraine, studiert inzwischen International Finance - und bezeichnet sich mit einem breiten Grinsen als den Analytiker des Duos. „Ich muss halt immer wissen, wie etwas zusammenhängt und funktioniert.“

Sein 43-jähriger Geschäftspartner Illarion Yangurazov stammt aus Usbekistan, hatte dort bereits Elektrotechnik studiert und arbeitet in Deutschland seit 15 Jahren als Programmierer - er ist der Architekt der YanJe-Software.

Und was verbirgt sich nun hinter der genialen Idee, die den Markt revolutionieren soll? „Ganz einfach gesagt, tun wir etwas für die Verständigung von technischen Geräten untereinander“, erklärt Jedik. Dank YanJe - einer Art Dolmetscher-Software, die universell Daten und Signale übersetzt - könnten künftig auch Glühbirnen und Motoren, Kameras und Thermometer oder Klimaanlagen und Speichersticks miteinander sprechen.

Und wofür braucht man das? „Zum Beispiel für Produktionsabläufe in der Industrie.“ Zwar gebe es durchaus schon Programme, in denen das Fließband dem Robotergreifarm sage, wann er zu reagieren habe - trete aber ein Fehler auf, müsse das System immer noch komplett angehalten und neu programmiert werden. „Mit YanJe können die Fehler künftig während des Betriebsablaufes gefunden und behoben werden. Ohne den Menschen. Die technischen Einheiten kommunizieren unter sich und verbinden sich zu einem intelligenten System“, so Jedik. Das spare immense Kosten.

Aber YanJe könnte auch im Alltag helfen: Wenn das Auto eine Reifenpanne hat, könnte der Bordcomputer künftig dem Fahrer sofort die nächste Werkstatt mit dem günstigsten Preis und einem freien Termin nennen - die Werkstatt hätte automatisch eine Bestellung im Computer. Und die Verständigung in die andere Richtung funktioniert auch. „Es lässt sich mit unserer Software alles mit allem vernetzen“, sagt Illarion stolz. „Unser Programm lässt sich zudem auf jeden Computer und jedes Smartphone spielen.“ Es braucht keine spezielle Hardware.

Aber eine menschenlose Produktion? Technik, die kommuniziert und sich selbst repariert? Das klingt gefährlich nach Hollywood. „Was der Terminator im Film kann, funktioniert“, verrät Jedik und zwinkert geheimnisvoll.

Vor zwei Jahren begann die Tüftelei der beiden. „Wir haben uns tageweise im Keller bei mir eingesperrt, alles herangeschafft und vernetzt, was wir gefunden haben“, erinnert sich Illarion und muss lachen - immerhin wurden beide dafür etwas skeptisch von ihren Familien beäugt. Inzwischen ist der Prototyp fertig und durchgetestet. „Wir sind marktreif“, sagt Jedik. „Und wir mussten dafür noch keine Milliarde investieren wie die Konkurrenz von Google und IBM.“ Der Preis der Frankfurt University habe ihnen erste wichtige Kontakte verschafft - Studium und Hauptberuf geben beide aber (noch) nicht auf. „Wir sind gespannt, was jetzt alles passiert.“

Und die am kompliziertesten anmutende Frage, für was wohl „YanJe“ steht, erhält selbst für die IT-Laien einer Lokalzeitung am Ende eine sehr verständliche Antwort: „Yan“ gehört zu Illarions Nachnamen Yangurazov - „Je“ zu Jedik. Sympathisch pragmatisch.

Von Carina Bahl

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