Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
So einfach klappt es mit dem Nachbarn

Isernhagen So einfach klappt es mit dem Nachbarn

Es scheint, als hätten die Isernhagener nur auf diese Gelegenheit gewartet. Der Ansturm gestern auf das Nachbarschaftsfest mit Flüchtlingen des Helfernetzwerks war für die Organisatoren überwältigend. Von Seiten der Besucher hörte man überall: „Einfach nur gut!“

Voriger Artikel
Mit der Kamera im Paradies
Nächster Artikel
Anti-Aging ist bei ihr überflüssig

Isernhagen feiert seine gute Nachbarschaft mit den Flüchtlingen beim Tanzen.

Quelle: Carina Bahl

Isernhagen. Annemarie von Rad und Aischa Al Nasuh hätten das Fest gar nicht besuchen müssen. Sie kennen sich schon. Die Syrerin, die vor drei Monaten mit ihrem Mann und ihren zehn Kindern nach Isernhagen gekommen ist, sitzt entspannt mit ihrer „Patin“ am Tisch. Ihre Kinder umarmen die herzliche Deutsche, die jede Woche zu ihnen kommt, fragt, wie es ihnen geht und auch schon einmal Ausflüge in den Zoo oder Zirkus ermöglicht. „Einmal habe ich die ganze Familie zu uns eingeladen“, erinnert sich von Rad gerührt. Einer der älteren Söhne habe dann die Dolmetscher-Funktion seines Handys eingeschaltet - und die digitale Stimme sagte „Ihr seid gute Menschen!“ Warum so viele Ehrenamtliche sich für Flüchtlinge in Isernhagen einsetzen? Wegen dieser Momente.

Es sind vertraute Teams, gute Nachbarschaften von Flüchtlingen und alteingesessenen Isernhagenern, die sich an jedem Tisch in der rappelvollen Veranstaltungsscheune zeigen. Aber mittendrin gibt es auch das spontane Kennenlernen - die „neuen“ Teams, ins Leben gerufen mit den Fragen: „Wie heißt du? Wo kommst Du her?“ Möglichkeiten zum Austausch hat das Helfernetzwerk massenhaft organisiert - ob beim Energy-Dance, beim Probieren des internationalen Büfetts, beim Schminken, Nähen, Klettern, Musizieren, Krökeln, Kartenspielen oder Kaffeetrinken.

Mittendrin steht eine viel beschäftigte Frau, die nicht nur die Hände des dankbaren Bürgermeisters schüttelt, sondern auch fast jeden auf dieser Riesenparty beim Namen kennt und in den Arm nimmt. „Barbara - Helfernetzwerk“, steht da fast kleinlaut auf dem Schildchen am Pullover der Netzwerk-Chefin Schindewolf-Lensch. „Es ist überragend. Wir hätten nie gedacht, dass so viele kommen. Hoffentlich reicht das Essen“, sagt sie. Auf allen erdenklichen Wegen hatten ihre Ehrenamtlichen für das Fest geworben - mit Erfolg.

„Viele fragen sich: Wer kommt hier eigentlich alles her?“, weiß Beate Roßbach vom Helfernetzwerk nur zu gut. Im Isernhagenhof finden sich gestern Hunderte ganz persönliche Antworten auf diese Frage. „Neugier löst Hemmschwellen“, sagt Roßbach. Beim Fest ins Gespräch zu kommen falle vielen leichter, als von selbst an einer Unterkunft zu klingeln und seine Hilfe anzubieten.

Vielleicht, so ihre Hoffnung, finden sich jetzt noch mehr Ehrenamtliche, die sich im Internet auf helfernetzwerk-isernhagen.de informieren und ihren Namen auf eine Liste setzen lassen. Ob als Dauerhelfer oder für Einzelaktionen: „Jeder Unterstützer zählt“, betont Roßbach.

Sprachprobleme gab es gestern übrigens nicht: Tanzen und Tischfußball funktionieren selbstverständlich, spontane Dolmetscher taten sich auf, wo Hände und Füße nicht ausreichten. Und - das war die schönste Erkenntnis - manchmal reicht auch schon ein Lächeln, um sich verstanden zu fühlen.

Von Carina Bahl

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6sm6e19282awue1xchg
Wo ist der Hydrant? App weist den Weg

Fotostrecke Isernhagen: Wo ist der Hydrant? App weist den Weg