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Weil macht Station in Isernhagen und Langenhagen

Isernhagen/Langenhagen Weil macht Station in Isernhagen und Langenhagen

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil hat am Freitag Isernhagen und Langenhagen einen Besuch abgestattet. In Alwarmbüchen waren am Vormittag die Traditionsbäckerei Jasiek sowie der Verein Caspo seine Stationen. In Langenhagen bewies er sich am Nachmittag als Vorleser.

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Ministerpräsident Stephan Weil (Zweiter von links) spricht mit Frank Matthias Neu und Karola Neu über das Bäckerhandwerk, dabei ist auch Landtagsabgeordneter Marco Brunotte.

Quelle: Simon Binge

Isernhagen/Lagenhagen. In die Backstube Jasiek in Isernhagen üben Geschäftsführerin Karola Neu und ihre beiden Kinder Nadine Prokurat und Frank Matthias Neu nach eigener Aussage „traditionelles Bäckerhandwerk“ aus. Weil kam nicht als blutiger Laie:„Vor einem halben Jahr habe ich ein Praktikum bei einer Bäckerei im Landkreis Celle gemacht. Das war wirklich spannend“, verriet er zu Beginn seiner Visite. Solche Praktika absolviere er regelmäßig, um Berufe und Betriebe im Lande besser kennenzulernen. Während seines Praktikums in der Bäckerei seien vor allem die Arbeitszeiten gewöhnungsbedürftig gewesen.

Für ihre Kinder sei das nie ein Problem gewesen, erklärte Karola Neu: „Sie sind in der Backstube groß geworden. Sie haben geholfen oder nebenbei gespielt – früher war das eben so.“ Heute teile sich die Familie die Arbeit. Sohn Frank arbeite in der Backstube, Tochter Nadine sei für den Verkauf zuständig.

In der Backstube nutzte der Ministerpräsident die Gelegenheit, den beiden Auszubildenden Amir Jeilami und Marie Poltrock bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen. „Ich komme aus Afghanistan und bin seit 2015 in Deutschland“, erzählte Jeilami dem Landesvater. Die Ausbildung zum Bäcker sei eine Chance, die er nutzen wolle. „Das ist das erste Jahr, dass ich wieder total begeistert bin von meinen Auszubildenden“, verriet Frank. Jeilami und Poltrock zeigten viel Elan.

Karola Neu teilte dem Ministerpräsidenten ihre Sorgen mit: „Wir wissen noch gar nicht, ob Amir in Deutschland bleiben darf.“ Das sei vor allem für den jungen Mann aus Afghanistan schwierig. Da müsse etwas in der Politik passieren. Weil fand direkte Worte: „Die Leute, die eine Lehrstelle oder Ausbildung haben, dürfen bleiben“, beruhigte er die Geschäftsführerin. Am Ende kaufte Weil ein Jasiek-Brötchen „für meine Familie“.

„Eine klasse Initiative“

Gleich neben der Bäckerei hat der Verein Caspo seine Türen geöffnet. Mit einer Second-Hand-Boutique, einem Buchladen und einer Flüchtlingsberatung engagieren sich dort Ehrenamtliche für ein soziales Miteinander in Altwarmbüchen. „Wir sind die Schmalspurversion eines sozialen Kaufhauses“, erklärte Leiterin Katja Jellinek dem Ministerpräsidenten die Arbeit des Vereins. Das vielfältige Angebot sei nur dank der vielen Ehrenamtlichen möglich, da der Verein keine direkte Förderung bekomme.

Dabei mache Caspo vor allem die steuerliche Belastung zu schaffen. Das wusste auch Ministerpräsident Weil: „Das Problem kenne ich. Schließlich war ich zehn Jahre lang Kämmerer.“ Nach einem Rundgang und einem Blick ins Lager wollte Weil noch etwas über die Flüchtlingsberatung erfahren.

„Zu uns kommen hauptsächlich Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak“, klärte die Sozialwissenschaftlerin Christina Backen des Gast auf. Sie helfe den Geflüchteten bei bürokratischen Angelegenheiten. Aber auch ein einfaches offenes Ohr sei wichtig. „Wo sehen Sie das größte Problem? Was wünschen Sie sich von der Politik?“, wollte Weil wissen. Backen fiel sofort eine Sache ein: „Wir haben Probleme mit der Wohnungssuche“, berichtete sie. Oft müsse sie Familien mit fünf oder mehr Personen helfen und da sei es nicht leicht, eine Unterkunft zu finden.

Die Problematik der Wohnungssuche ist auch Barbara Schindewolf-Lensch vom Helfernetzwerk Isernhagen bekannt. „Wir haben viel zu viele Menschen, die dringend eine Wohnung benötigen“, erklärte sie. Man sei auf die dringende Hilfe der Politik angewiesen. Diese Problematik war für Weil nichts Neues. „Wir brauchen schlichtweg einen schnelleren Wohnungsbau“, sagte der Politiker. Zum Abschluss bedankte er sich herzlich bei den Ehrenamtlichen: „Das ist wirklich eine klasse Initiative.“

"Ohrenschmaus" in Langenhagen

Nein, absagen wolle er auf keinen Fall, hatte Weil noch am frühen Nachmittag bei einem Kurzbesuch in der Geschäftsstelle von HAZ und NP versprochen. Auch wenn spontan noch eine Pressekonferenz in Hannover den Terminkalender am Freitag durcheinanderbrachte. Damit die Kinder im Quartierstreff der KSG dann allerdings nicht zu lange auf die versprochene Vorlesestunde „Ohrenschmaus“ warten mussten, schickte der Ministerpräsident seinen Parteigenossen, den Langenhagener Landtagsabgeordneten Marco Brunotte, als „Vorgruppe“ vor.

Für die Kinder dort war die Vorbereitung bereits aufregend genug: Kamerateams, jede Menge offizielle Anzugträger und Fotografen kommen sonst nicht in den Treffpunkt an der Freiligrathstraße. Wahlkampf-Nachhilfe eben schon für die Kleinsten. Stephan Weil, letztlich eine Stunde später als gedacht, hatte sich für die Lesestunde für die Geschichte von Tur Tur, dem Scheinriesen, entschieden. Aus dem Abenteuer des legendären Lokführers Lukas aus der Feder von Michael Ende. Ob Weil damit eigene Begegnungen im Wahlkampf verbindet, überließ er der Fantasie seiner erwachsenen Zuhörer. Dem Ministerpräsidenten machte es hörbar Spaß, den Kleinen gefiel’s. So oder so.

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Von Simon Binge

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