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Abgeordneter: Kämpft für den Erhalt Europas

Isernhagen Abgeordneter: Kämpft für den Erhalt Europas

Ob Flüchtlingskrise, Brexit oder Euro-Rettungsschirm: Die Europäische Union bestimmt aktuell wie kein anderes Thema die Nachrichten. Spannend, wenn man da einen Gesprächspartner wie den Bundestagsabgeordneten Sven-Christian Kindler (Grüne) zu Gast hat.

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Sven-Christian Kindler diskutiert mit Realschülern über die EU.

Quelle: Frank Walter

Altwarmbüchen. An das Europa aus Ost und West kann sich Sven-Christian Kindler kaum erinnern: "Ich war vier Jahre alt, als die Mauer fiel. Und der Euro ist für mich viel präsenter als die Mark.“

Für die Zuhörer des Politikers aus Hannover, der 2009 als zweitjüngster Abgeordneter erstmals in den Bundestag gewählt wurde und heute als 31-Jähriger im Haushaltsausschuss mit vielen Europa-Themen befasst ist, ist die Europäische Union ohnehin Normalität. Und die Neunt- und Zehntklässler der Realschule bewiesen in der eineinhalbstündigen Diskussion, dass sie sich auskennen: Henning zählte fast komplett alle 28 Mitglieder auf, Felix hatte die Gründerstaaten parat. Und Liam konnte in wenigen Sätzen vortragen, was es mit den umstrittenen Handelsabkommen zwischen Europa einerseits und Kanada und den USA anderseits auf sich hat.

Für Kindler ist das geplante TTIP-Abkommen "ein Stück aus dem Tollhaus“ – nicht nur wegen des Passus’ der privaten Schiedsgerichte, sondern auch wegen der völligen Intransparenz. "Ich war im TTIP-Leseraum, darf aber nur mit anderen Abgeordneten darüber sprechen, weil ich mich sonst strafbar mache – das ist verrückt.“

Kritisch äußerte sich Kindler auch zum EU-Türkei-Abkommen. Präsident Recep Erdoğan versuche, die Demokratie auszuschalten, gleichzeitig solle die Türkei "Türsteher“ für Europa werden. "Mit dem Türkei-Deal werden Europas Werte mit Füßen getreten. Das halte ich für eine Riesenschande“, so Kindler. Die Zahl der Flüchtlinge sei ohnehin nicht das Problem, eher die falsche Wirtschafts- und Sozialpolitik in vielen Ländern Europas. Wirtschaftliche Nöte als Fluchtgrund bezeichnete der Grünen-Politiker als "absolut legitim“. Grund sei oft die falsche Handelspolitik der EU, die zum Beispiel mit subventionierten Agrarprodukten die Märkte in Afrika in Abhängigkeit halte.

Auch wenn er sich Sorgen um Europa mache – missen möchte Kindler die EU nicht. "Und es ist auch Eure Aufgabe, für den Erhalt Europas zu kämpfen“, nahm er die Realschüler in die Pflicht. Dass sich das lohnt, ist den Jugendlichen durchaus bewusst – sie nannten unter anderem die gemeinsame Währung und die offenen Grenzen als Vorteile. "Und es fühlt sich nicht so an, als ob es jemals in Kerneuropa wieder Krieg geben könnte“, sagte Liam.

Von Frank Walter

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