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Weg zum Geldautomaten erspart Urteil

Isernhagen Weg zum Geldautomaten erspart Urteil

Nur weil sein Strafverteidiger direkt aus dem Gerichtssaal zu einem Geldautomaten marschierte, ist ein Isernhagener am Donnerstag vor dem Amtsgericht Burgwedel einer drohenden Verurteilung wegen unerlaubten Waffenbesitzes entgangen.

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Weil er eine geladene Schreckschusspistole mit sich führte, muss ein Mann 500 Euro bezahlen.

Quelle: imago stock&people

Isernhagen/Burgwedel. Eine 8-Millimeter-Schreckschusspistole, geladen mit Tränengas- und Knallpatronen, hatte die Polizei im September 2014 bei einem 68-jährigen Altwarmbüchener gefunden. Weil er dafür keinen "kleinen Waffenschein" vorweisen konnte, hatte sich der Mann des unerlaubten Waffenbesitzes schuldig gemacht. Das Verfahren sollte zwar gegen Zahlung einer Geldauflage von 500 Euro eingestellt werden, tatsächlich überwiesen hatte der Mann aber nur 200 Euro – weswegen ihm am Donnerstag vor dem Amtsgericht eine Verurteilung zu einer Geldstrafe von nun sogar 700 Euro drohte.

"Unglücklich gelaufen" sei das mit der Zahlung, gab der Strafverteidiger für seinen Mandanten zu Protokoll. Das restliche Geld sei offenbar nicht abgebucht worden, weil das Konto des 68-Jährigen zwischenzeitlich gesperrt worden sei. "Dabei ist er willig zu zahlen."

"Die Staatsanwaltschaft ist ihnen mehr als ein Jahr hinterhergelaufen", hielt Amtsrichter Michael Siebrecht ihm entgegen. "Das Spielchen kann ich nicht nochmal mitmachen", fügte die Staatsanwältin hinzu. Dennoch bauten beide dem Angeklagten eine goldene Brücke: Wenn er die fehlenden 300 Euro sofort einzahle, dann bleibe es bei der Einstellung des Verfahrens.

Da aber weder der Angeklagte noch sein Rechtsanwalt so viel Bargeld mit sich führten, wurde der Prozess kurzerhand unterbrochen - damit der Strafverteidiger Geld vom nahen Bankautomaten holen konnte. Die 300 Euro bei der Gerichtskasse eingezahlt, den Beleg beim Richter vorgelegt - und der Angeklagte konnte ohne Urteil seiner Wege gehen.

Dass die Polizei die Schreckschusswaffe überhaupt bei dem Altwarmbüchener gefunden hatte, war einer Tankstellenmitarbeiterin zu verdanken. Dieser hatte der 68-Jährige erzählt, dass er gerade seine Freundin mit deren Chef in flagranti erwischt habe – und dabei angedeutet, dass er ihnen etwas antun werde, ohne dass dies aber juristisch als Drohung zu bewerten gewesen wäre.

Von Frank Walter

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