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„Ich lebe für die Galerie“

Isernhagen N.B. „Ich lebe für die Galerie“

Als der Eiserne Vorhang fiel, machte Vera Lindbeck sich auf den Weg, Kunsthändlerin zu werden. Nur wusste die gebürtige Tschechin das damals selbst noch nicht so genau. Am Sonntag feierte sie das 25-jährige Bestehen ihrer Galerie.

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Vera Lindbeck mit einer Vase des böhmischen Glaskünstlers Peter Novotny.

Quelle: Martin Lauber

Isernhagen. An einer Hand könne sie sie abzählen, die Übriggebliebenen unter den zwei Dutzend Galerien, die es in und rund um Hannover anno 1990 gegeben habe. „Ich bin nicht eingeknickt, habe immer alles alleine gemacht“, sagt Lindbeck mehr erklärend als stolz. „Ich lebe für die Galerie.“

Im osttschechischen Ölmütz ist sie aufgewachsen, Tochter eines in der Kunstszene der Universitätsstadt engagierten Vaters, der nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1969 als politischer Flüchtling nach Deutschland kam. 19 Jahre jung war sie damals, und die Abiturientin verdiente sich in Deutschland erst einmal sechs Jahre lang Geld für ein Pharmaziestudium, das sie 1980 abschloss.

Der Mauerfall wurde auch für sie zum Schicksalsereignis. Im Juni 1990 sah sie das erste Mal ihre alte Heimat, stöberte sich durch Museen und Galerien, brachte Bilder junger Künstler mit, die hierzulande keiner kannte. Neugier und Nachfrage seien groß gewesen. Lindbeck organisierte erste Ausstellungen, knüpfte Kontakte zu Hochschulen wie zu etablierten Künstlern in ihrer alten Heimat. Zwei Jahre Vorarbeit - oft bei Nacht - investierte sie in eine große Ausstellung mit zeitgenössischer tschechischer Kunst im hannoverschen Kubus im Jahr 2004.

Der frühere Name ihrer Galerie Bohemica spielte an auf Böhmen - aber er erwies sich als missverständlich und für Messen, von denen Lindbeck mehrere jährlich bestückt, taugte er schon gar nicht.

1994 begann der Galeriebetrieb in Lindbecks Wohnhaus in N.B. Doch noch zehn weitere Jahre musste ihr Apothekerberuf den Kunsthandel quersubventionieren. Moralisch, organisatorisch und handwerklich wird Lindbeck seit 16 Jahren von Wolfgang Krohn unterstützt. „Vera trägt die Verantwortung, ich den Rest“ - von deren Kunstbesessenheit hat sich der Bauingenieur aus Wettbergen längst anstecken lassen. Den Fokus der Galerie am Leddingring 23 liegt schon lange nicht mehr allein auf Kunst aus Tschechien. Das lässt sich auch an der am Sonntag eröffneten Ausstellung ablesen, wo außer Ralf Klement (siehe Artikel unten) fünf weitere namhafte deutsche Künstler bis Ende August realistische Skulpturen, poetisch-verträumte und fotorealistische Bilder zeigen.

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