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Zaun und Hütten an Fischteichen müssen weg

Isernhagen Zaun und Hütten an Fischteichen müssen weg

Zäune und größere Hütten sind an Fischteichen verboten, Sitzmöbel und kleinere Stege hingegen erlaubt: Dieses Urteil des Verwaltungsgerichts Hannover könnte Auswirkungen auf viele Teichbesitzer in der Region haben.

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Verwaltungsrichterin Jutta Schraeder (Zweite von rechts) steht mit den weiteren Prozessbeteiligten an einem der Fischteiche am Schmiededamm.

Quelle: Frank Walter

Neuwarmbüchen. Statt eines Gerichtsgebäudes in Hannover bildeten Fischteiche in Neuwarmbüchen die Kulisse des Verwaltungsgerichtsprozesses. Und statt in Robe im Sitzungssaal Platz zu nehmen, stapften Verwaltungsrichterin Jutta Schraeder und die anderen Prozessbeteiligten in Freizeitkleidung durch hohe Brennnesseln, um die umstrittenen baulichen Anlagen zu betrachten.

Die Bauaufsicht der Region Hannover pocht seit Jahren auf den Abriss, weil Bänke, Stege, Hütten und Zäune in der freien Natur nichts zu suchen hätten. Herwig Matthes – selbst Eigentümer des Schwanensees am Ziegeleiweg und Rechtsanwalt des Eigentümers von sechs Fischteichen am Schmiededamm – hält unter anderem mit der Gefahr für Kinder dagegen, die ertrinken könnten, wenn die Grundstücke nicht durch Zäune gesichert seien.

Das mit der angeblichen Verkehrssicherungspflicht der Grundeigentümer war schnell erledigt: "Die haben Sie nicht“, verwies Richterin Schrader auf ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts. "Ein Kind, das nicht schwimmen kann, ertrinkt in dem Teich – aber auch in der Leine.“ Auch der Maschsee, der Altwarmbüchener See und der Hufeisensee seien nicht eingezäunt, fügte Henry Born von der Bauaufsicht hinzu. Entsprechend fiel das Urteil aus: Die Zäune müssen verschwinden, weil Hobbyangler anders als professionelle Fischwirte nicht privilegiert sind, Bauten in die Natur zu setzen.

Nachdem vieles auf Druck der Region schon abgerissen worden war, fanden sich an den Teichen am Schmiededamm außer Zäunen noch fünf Stege, eine Hütte und eine Sitzgruppe. Die Bänke und Tische dürfen bleiben – sie sind nach Einschätzung des Gerichts keine baulichen Anlagen und beeinträchtigen auch nicht das Landschaftsbild. Auch die Abrissverfügung für die Stege zog die Bauaufsicht auf Anraten der Richterin noch vor Ort zurück – diese seien im Verhältnis zur Größe der Teiche als untergeordnet zu betrachten. Anders verhält es sich nach Ansicht des Verwaltungsgerichts mit Hütten mit mehr als sechs Kubikmetern umbauten Raum: Diese seien "landschaftsrechtlich erheblich“ und müssen entfernt werden – die eine am Schmiededamm ebenso wie vier weitere an Matthes eigenem Schwanensee am Ziegeleiweg.

Innerhalb eines Monats kann die Zulassung der Berufung vor dem Oberverwaltungsgericht beantragt werden. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, will sich die Region für die bauaufsichtliche Praxis daran orientieren – und das Betätigungsfeld ist groß: Allein für Fischteiche in Neuwarmbüchen könnten noch vier Prozesse folgen. Die Region hat zudem Kenntnis über viele weitere Hütten und Zäune an Fischteichen in Burgwedel und der Wedemark – wobei im letzteren Fall die Gemeinde selbst für die Bauaufsicht zuständig ist. Richterin Schraeder sprach von einem ganzen "Rattenschwanz weiterer Verfahren“ – wobei die Region wegen des Gleichbehandlungsgrundsatzes gar nicht anders könne, als auf Hinweise zu reagieren.

Auch die Hütte von Blumen-Klaus soll weichen

Zu den Leidtragenden der nun vom Verwaltungsgericht bestätigten Abrissverfügung wird wohl auch Klaus Krüger gehören – für viele Großburgwedeler einfach nur Blumen-Klaus. Er hat 30 Jahre lang bis 2008 sein Blumengeschäft an der Von-Alten-Straße betrieben und gehört seitdem vormittags fest zum Straßenbild in der Großburgwedeler Fußgängerzone. Im Ruhestand in der Wohnung versauern, das ist nichts für den 77-Jährigen – und so bezieht er fast jeden Morgen samt Rollator seinen Aussichtsplatz und hat für Bekannte wie für Fremde immer ein freundliches Wort parat.

Krügers zweiter Lieblingsplatz ist die Terrasse seiner kleinen Holzhütte am Neuwarmbüchener Schwanensee, den der Hobbyangler 40 Jahre lange gepachtet hatte. "Ein wunderschöner Platz, um zu fischen, zu grillen und mit Freunden ein Glas Wein zu trinken“, sagt er. Wenn er diesen jetzt abreißen müsste, "das wäre schlimm. Das ist doch meine Heimat hier“, sagt der gebürtige Altwarmbüchener, dessen Mutter aus Neuwarmbüchen stammt.

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Auch die Hütte und Terrasse von Blumen-Klaus sollen weichen.

Quelle: Frank Walter

Von Frank Walter

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