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Vom Kegelkult zum Klönklub

Altwarmbüchen Vom Kegelkult zum Klönklub

Kegeln im Verein? Das macht doch heute keiner mehr! Oder doch? Während die einst kultige Sportart allerorts durch Bowling - wo die Kugeln Löcher haben und ein „Strike“ statt „Alle Neune!“ das Höchste der Gefühle ist - ersetzt wird, hat sich in Altwarmbüchen eine kleine Rettungsinsel für Kegler gehalten.

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Nicht nur ums Werfen der Kugel und um Punktesammeln geht es bei den Kegelabenden. Wirtin Georgia Katsoni (Mitte) sorgt dafür, dass die gemütliche Kegelrunde sich im Plaka wohlfühlt.

Quelle: Koch

Isernhagen. „Zurzeit kommen 22 Kegelgruppen zu uns und das jeden Monat“, erzählt „Kegelmama“ Georgia Katsoni stolz. In ihrem griechischen Restaurant Plaka in Altwarmbüchen findet sich noch das, was andernorts wohl als Antiquität gilt: eine Bundeskegelbahn. Woher der Andrang kommt? Mit dem Verlust des Gasthauses Zum Maikäfer in Kirchhorst und der angekündigten Schließung des Gasthauses Lange in Neuwarmbüchen wird die Altwarmbüchener Kegelbahn zum Alleinstellungsmerkmal. „Wir haben seitdem viele Anfragen zusätzlich“, sagt Katsoni - aber eng werde es noch lange nicht. Dass Kegeln eine vom Aussterben bedrohte Sportart sei, merkt auch ihr Restaurant: „Vor 20 Jahren war Tag und Nacht was los auf der Bahn. Heute lohnt sie sich kaum noch. Die Heizkosten sind hoch. Wir machen keinen Gewinn damit.“

Auch die Wand mit Urkunden und Pokalen erfolgreicher Kegler ist leicht verstaubt - die Kegelgruppen bestehen heute fast ausschließlich aus Senioren. „Die Leute haben damals als junge Männer oder Frauen angefangen.“

Ob das Glöckchen beim Kegeln bimmelt? Ob die Kugel mit einer Hand oder dem Gleichgewicht zuliebe mit beiden Händen auf die Bahn geschwungen wird? Wen interessiert das schon noch. Kegeln ist in Altwarmbüchen längst zur Ausrede für ein lockeres Miteinander geworden.

Das sieht auch der elfköpfige Kegelclub rund um Ludwig Behnke nicht anders, der einmal im Monat nicht nur zum Kegeln, sondern vor allem zum Schnack und Essen vorbeikommt. „Wir sind ehemalige Ingenieure und haben alle mal in der gleichen Firma gearbeitet“, erzählt Detlef Käthler, während er zum Wurf ansetzt. „Die Firma war direkt um die Ecke und früher sind wir dann nach Feierabend gleich zum Kegeln hergekommen.“ Das ist 40 Jahre her - die meisten in der Runde sind heute in den Siebzigern. „Aber die alten Hasen sind sich treu geblieben“, betont Kegelbruder Egmont Imme - und gibt zu: „Wir sind mehr Klön- als Kegelclub.“

Die Pumpen, wenn die Kugel statt auf die Kegel in der Rinne nebenan landet, nehmen die Männer mit viel Humor - es darf gepöbelt und gescherzt werden: „Andere Rentner können nicht mal mehr stehen“, heißt es.

Und so wie die sympathischen Alt-Kegler an ihrem historischen Hobby festhalten, will auch Wirtin Katsoni ihre Bahn trotz aller Widrigkeiten für die inzwischen große Ausnahme der „Geburtstagskegler“ bewahren: „Wir halten durch“, verspricht sie - „erst recht, wo wir ja bald die letzte Kegelbahn weit und breit haben.“

Von Imke Koch

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