Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Vor 33 Jahren kommt der See ins Moor

Altwarmbüchen Vor 33 Jahren kommt der See ins Moor

Einige nennen ihn Hannovers zweitgrößte Badewanne, andere augenzwinkernd „Riviera von Hannover“. Die Isernhagener sagen Altwarmbüchener oder schlicht Moorsee. Aber wer hat eigentlich einst das Wasser eingelassen?

Voriger Artikel
Einladung zum Bier endet mit Blutlache
Nächster Artikel
Streichelzoo und Pferde statt Motocross

Der Altwarmbüchener See.

Quelle: Gemeinde Isernhagen

Isernhagen. Umgeben von Wäldern, Wiesen und Wohngebieten liegt der von Grundwasser durchströmte Moorsee nördlich der Bundesautobahn A 37 (Moorautobahn). Neben Steinhuder Meer und Maschsee ist die 48 Hektar große Wasserfläche eines der beliebtesten Naherholungsgebiete in der Region. Das Wasser ist stark eisenhaltig, weshalb nur wenige Fische darin sind. Aber die Wasserqualität ist nach EU-Richtlinien „ausgezeichnet“ und daher mit drei Sternen dekoriert. Dass der See in diesem Sommer aber gerade mal 33 Jahre alt geworden ist, ist nicht mehr jedem bekannt. Und beinahe hätte es ihn gar nicht gegeben.

Das kam so: Im Zuge des Neubaus der B 3/A 37 wurden sehr viel Sand und Kies gebraucht - 3,2 Millionen Kubikmeter. Bereits Ende 1968 wurden im Raumordnungsverfahren des Verbandes Großraum Hannover (VGH, heute Region Hannover) Vorplanungen für ein Naherholungsgebiet im Zuge des Autobahnbaus gemacht, die aber dann stillschweigend ad acta gelegt wurden.

Als Altwarmbüchens Gemeindedirektor Erich Loos 1972 Erkundigungen über den Stand der Dinge einholte, war von einem Naherholungsgebiet keine Rede mehr. Nun wurde die Gemeinde aktiv. Vorneweg mit großem Einsatz Ratsmitglied Hubert Kampers. Er konnte als Verhandlungsführer die Neuaufnahme der Planung erreichen und die Gemeinde frühzeitig in die weiteren Entwicklungen einbinden. Der folgende Ablauf kann als Musterbeispiel für interkommunale Zusammenarbeit auf der Grundlage einer umsichtigen Planung betrachtet werden. Eingebunden waren das Autobahndezernat, der Großraumverband, die Stadt Hannover und die Gemeinde Altwarmbüchen. Es wurden Gremien gebildet, Aufgaben verteilt, der Flächennutzungsplan geändert und ein Bebauungsplan sowohl in Hannover als auch in Altwarmbüchen erstellt. Böden wurden untersucht, die benötigten Flächen vom VGH angekauft. Die Landeshauptstadt machte den Vorschlag, den geplanten See um eine Regattastrecke bis an die A 7 heran zu vergrößern. Das lehnten die Altwarmbüchener wegen der noch intakten Moorflächen mit alten Torfstichen allerdings ab.

Nach dem Motto „Reisen bildet“, sahen sich die Planer ähnlich entstandene Wasserflächen und Erholungsgebiete in West- und Süddeutschland an. Ein Resultat davon ist die am Ostufer des Sees entstandene Vogelinsel.

Wichtig war, dass sich alle Beteiligten frühzeitig über Fixpunkte einig wurden, wie zum Beispiel, dass alle Grundflächen in die Hand des VGH kommen, keine Zäune verbaut und keine privaten Motor- und Segelboote zugelassen werden und keine Wohnwagenkolonien entstehen sollten.

Wie bei solchen Großprojekten zu erwarten, gab es auch Proteste von Naturschützern, die befürchteten, dass das Ausbaggern des Sees die Zerstörung weiterer Moorflächen nach sich ziehen würde. Ein Gutachten widerlegte diese Ängste. Die Auskiesung begann Anfang 1978 und nahm zwei Jahre in Anspruch. Die HAZ titelte am 29. Mai 1980: „Im Altwarmbüchener Moor entsteht Hannovers zweitgrößte Badewanne“.

Nach den Ausbaggerarbeiten wurde mit dem Anlegen von Wegen, Badestränden, Liegewiesen, Service-Gebäuden und Parkplätzen begonnen. Nun musste die „Badewanne“ nur noch volllaufen. Am 2. Juni 1982 gaben Hannovers Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg und sein Isernhagener Kollege Friedrich Thies mit einer Tretbootfahrt den Altwarmbüchener See für den Badebetrieb offiziell frei.

An warmen Sommertagen kommen heute Tausende Menschen - auch die Natur weiß das Erholungsgebiet zu schätzen: „Der See ist heute als charakteristisches Stillgewässer innerhalb des Altwarmbüchener Moores für den Arten- und Lebensraumschutz und als Naherholungsgebiet einzigartig. Eine Besonderheit stellt die für Menschen unzugängliche Vogelschutzinsel dar“, so Isernhagens Umweltschutzbeauftragte Elke Freytag.

„Es lohnt sich, sich einzusetzen“

Hubert Kampers war 28 Jahre im Rat der Gemeinde und 19 Jahre Fraktionsvorsitzender der CDU. Er hat die Entstehung des Naherholungsgebietes vom Anfang der Planung bis zur Fertigstellung federführend begleitet. Ohne seinen Einsatz, das sagen viele in Isernhagen, wäre der See, wie er heute als Besuchermagnet existiert, wohl nie entstanden. Kampers erkannte als einer der ersten, welch einmalige Chance der Gemeinde mit dem Erholungsgebiet geboten wurde. Und es gelang ihm, alle Beteiligten von einem gemeinsamen Konzept zu überzeugen. Der Erfolg gab ihm Recht. „Ich bin glücklich, dass in den entscheidenden Momenten alle zusammen an einem Strang zogen, gleich welcher Parteizugehörigkeit“, erinnert er sich heute. 1993 wurde der Altwarmbüchener von Bundespräsident Richard von Weizsäcker für seine langjährige Arbeit in der Kommunalpolitik und für seinen Einsatz für das Naherholungsgebiet mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. „Es lohnt sich, sich für die Gemeinschaft einzusetzen“, ist der 79-Jährige überzeugt. Seine vielen handschriftlichen Aufzeichnungen zur Historie des Sees will er dem Gemeindearchiv zur Verfügung stellen.

Ein Fünftel gehört Isernhagen

Gesamtfläche: 150 Hektar.

Seefläche: 48 Hektar, davon ein Fünftel in Altwarmbüchen und vier Fünftel in Hannover liegend.

Länge des Sees: 1600 Meter.

Maximale Breite: 430 Meter.

Wassertiefe: zwischen 7 und 10 Metern.

3000 Quadratmeter Sandstrand und 30.000 Quadratmeter Spiel- und Liegewiesen.

Länge des Rundweges: 3600 Meter.

Kosten der Ausbaggerung des Sees: 60 Pfennig pro Kubikmeter Sandboden, gezahlt von der Bundesrepublik an den Verband Großraum Hannover (VGH).

Gesamtkosten für das Naherholungsgebiet inklusive See und Umfeld: circa 10 Millionen DM, bezahlt vom VGH.

Folgekosten: Hannover und Altwarmbüchen sind lediglich für die Unterhaltung der Wege und Grünflächen belastet.

Jürgen Zimmer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6sm6e19282awue1xchg
Wo ist der Hydrant? App weist den Weg

Fotostrecke Isernhagen: Wo ist der Hydrant? App weist den Weg