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Warum an der A7 bei Kirchhorst Sehnsüchte starten

Altwarmbüchen/Kirchhorst Warum an der A7 bei Kirchhorst Sehnsüchte starten

In Altwarmbüchen und Kirchhorst beginnen viele Reiseträume. Warum? Auf nur wenigen Kilometern konzentrieren sich links und rechts der A 7 Fachhändler für Camper und Wohnmobilisten - für Menschen mit Fernweh, die nach gebrauchten oder neuen Reisemobilen stöbern, sind es auch Sehnsuchtsorte.

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Ellen und Joachim Beyer aus Celle informieren sich in Altwarmbüchen über Wohnmobile.

Isernhagen. Über die Autobahnen lässt sich Altwarmbüchen leicht erreichen und hat sich als Anlaufpunkt für Camper und Wohnmobilisten etabliert. Wer eine große Tour plant, kann die Angebote zwischen den dicht beieinander liegenden Händlern leicht vergleichen. Reiseprofis kommen dagegen meist mit einem klaren Auftrag und wünschen eine Inspektion, das Wechseln einer Gasflasche oder eine Innen- und Außenreinigung ihres Wohnmobils oder Anhängers.

Malermeister Joachim Beyer zählt zum Typus Planer. Mehr als zwei Wochen Urlaub pro Jahr sind nicht drin. Dafür plant der 56-Jährige mit seiner Frau Ellen (54) eine große Europa-Rundtour, die beide in sechs (!) Jahren antreten wollen. „Einmal vor einem blühenden Lavendelfeld stehen“, lautet der Herzenswunsch von Ellen Beyer. Als weitere Stationen stehen Jakobsweg sowie Lissabons Altstadt schon fest.

In einer Mappe sammelt das Celler Paar Infos von Reisejournalisten, Tipps zur Streckenführung sowie Hinweise auf Sehenswürdigkeiten und attraktive Stellplätze. „Wir sind überhaupt keine Hotelmenschen“, bekennt Joachim Beyer. So bleibt das Wohnmobil alternativlos.

Drei Händler gibt es in Altwarmbüchen, die die Beyers angesteuert haben - am Ende stand fest: „Wir werden erst mal mieten, um die Enge im Wohnmobil zu testen“, so das erste Etappenziel. Das Wunschgefährt sollte nicht zu groß sein, damit man auf Raststätten- oder Supermarktparkplätzen übernachten kann. Die Beyers suchen ein gebrauchtes Wohnmobil, das der Vorgänger idealerweise schon mit Fahrradträger, Markise und weiterem Zubehör aufgerüstet haben sollte. „Die Profis haben bestimmt viel Sinn für die wichtigen Extras“, hofft Joachim Beyer, der schon die Planungsphase anregend findet. Während sie die Bandbreite des Sortiments von Händler Rolf Reich erkundet, fällt Ellen Beyer ein Schild auf, das sie witzig findet. Im Wohnmobil hängt der Zettel: „Ich bin leider schon verkauft. Aber mein Zwillingsbruder ist noch zu haben.“

Achtung: Maximale Zuladung

Wer sich heute für das Campen interessiert, war meist schon mit den Eltern unterwegs und möchte besondere Kindheitserlebnisse noch einmal erleben. Jörg Linde aus Hannover hütet diese Erfahrungsschätze und reiste selber viele Jahre nach Kroatien. „Doch vor zwei Jahren haben wir Spaniens Mittelmeerküste entdeckt. Da soll es diesen Sommer hingehen“, berichtet der 50-Jährige von der nächsten Familientour. Für die Ferien möchte er neue Liegestühle kaufen, denn die aktuellen Exemplare sind schon 15 Jahre alt. Linde weiß, dass neben Komfort, das Gewicht des Mobiliars beziehungsweise der Zuladung eine Rolle spielt. Verkäufer Björn Henke weiß: „Campen ist total im Trend, Beratung gefragt“. Das kann Caravan-Händler Jürgen Hujer nur bestätigen. Er persönlich erlebte den Anfang des Campens mit seinen Eltern und Bruder Rüdiger. „Vater nähte unser Zelt selbst, dann ging es nach Frankreich“, berichtet er. Seitdem seien Komfort und Ansprüche rasant gewachsen - auch in Sachen Internet. Hinter Hujers Schreibtisch hängt eine Karte, auf der die Reichweiten eingezeichnet sind.

Egon Hunstock ist auf der Suche nach Tabletten für den Trinkwassertank. Schon seit ewigen Zeiten ist er mit dem Wohnmobil unterwegs. Er schätzt die Flexibilität. „Laden Freunde zu einer Party ein, fahre ich los und kann dann nach der Feier im eigenen Bett schlafen, ohne viel organisieren zu müssen“, schildert er den Zusatznutzen des Quartiers auf Rädern. Außerdem kann der Nienburger seinen Jagdhund Isko überall mit hinnehmen. Mal zwei Tage im Harz, mit den Kumpeln zum Konzert oder die jährliche Tour zum Lucia-Fest nach Schweden gehören fest dazu. Sein Navigationsgerät zeigt dabei alle Stellplätze entlang der Route an.

Wer seinen Haushalt zu Saisonbeginn in den Wohnwagenanhänger oder ins Wohnmobil räumt, stellt sich jetzt um. Bettdecke, Isokanne und Espresso-Kocher besitzt man dann zwar doppelt. Doch der Bademantel ist dafür nach dem Saunabesuch greifbar und hängt nicht zu Hause am Haken.

Matthias Kraul von der Motor Company ist selbst begeisterter Wohnmobilist und hat auch viele originelle Kunden. „Eine Rentnerin kam im Herbst mit ihrem knapp acht Meter langen und 3,50 Meter hohen Gespann an - das war eine Erscheinung“, schwärmt er von einer Altwarmbüchenerin, die den Winter in Marokko verbringt.

Doch die meisten Pensionäre bevorzugen Europa. „Das Geld ist vorhanden, aber nichts wert, und wird gerne ins Wohnmobil investiert. 80 000 bis 140 000 Euro zählen noch zur mittleren Preisklasse“, weiß Matthias Kraul. Auf einer Messe hat er von einem Anbieter erfahren: „Gefeilscht wird nicht, der nächste Kunde kommt und zahlt.“

Wohnwagenanhänger sind günstiger. Detlef Thiel, seit 20 Jahren beim Caravan Center Kirchhorst, öffnet die Tür eines noblen Anhängers: Kühlschrank, Tiefkühlgerät, Klimaanlage, Sitzecke aus Leder, französisches Bett - der Anhänger ist so modern gestaltet, da ist der Stellplatz fast schon egal.

Von Patricia Chadde

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