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Zeit läuft Luftfahrt-Archäologen davon
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Isernhagen Zeit läuft Luftfahrt-Archäologen davon

Der Isernhagener Friedrich Ahlgrimm ist einer von rund zehn sogenannten Luftfahrt-Archäologen, die Flugzeugabstürze während des Zweiten Weltkrieges im Norden Hannovers aufzuklären versuchen. Jetzt sucht die Gruppe zur Unterstützung Zeitzeugen.

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Luftfahrt-Archäologie ist seit zwei Jahren das besondere Hobby von Friedrich Ahlgrimm.

Quelle: Carina Bahl

Isernhagen. Es ist wie ein kleinteiliges historisches Puzzle, das Friedrich Ahlgrimm und seine Gruppe peu à peu zusammensetzen wollen. Welche Flugzeuge sind im Zweiten Weltkrieg wo über Isernhagen, der Wedemark und Burgwedel abgestürzt? Wie ist es dazu gekommen und wer von den Besatzungen hat überlebt? Diese Fragen versucht der 72-Jährige seit zwei Jahren zu beantworten - mit Hilfe von sogenannten „Missing Air Crew Reports“ der Amerikaner, Abschusslisten der Deutschen, Begräbnislisten der Engländer und Berichten von Augen- beziehungsweise Zeitzeugen.

Diese aber in Isernhagen zu finden, ist nicht einfach. „Viele wollen über den Krieg nicht sprechen“, beschreibt Ahlgrimm das Problem. Dabei werde die Zeit, in der noch qualifizierte Aussagen gesammelt werden könnten, knapp. „Das war vor mehr als 65 Jahren, viele Zeugen sind schon gestorben.“ Andererseits habe eine Erforschung vor 30 Jahren noch keinen Sinn gehabt: „Damals saß der Schmerz noch zu tief. Die Verdrängung war weitaus größer.“

Luftfahrt-Archäologie: Unter diesem Begriff lässt sich die Arbeit der zehnköpfigen Gruppe unter Leitung des Nienburgers Jens Schaper zusammenfassen. Die Folgen erfolgreicher Aufklärung einzelner Flugzeugabstürze sind dabei immens: „Für die Amerikaner sind die abgestürzten Piloten Helden“, sagt Ahlgrimm. Einmal seien Angehörige sogar eigens angereist, um an einer Absturzstelle in der Wedemark noch einmal Abschied zu nehmen. Ein anderes Mal seien menschliche Überreste, die am Absturzort gefunden wurden, noch nachträglich in Amerika bestattet worden.

„Deutschland hat nie eine Karte angelegt, wo feindliche Maschinen abgestützt sind“, sagt der 72-Jährige. Vielmehr seien die Trümmer schnell beseitigt worden, um die Bürger nicht zu belasten. Umso wichtiger empfindet er die Arbeit der Luftfahrt-Archäologen, wenigstens einen Teil der Abstürze topografisch zu erfassen, den Hergang zu klären und Biografisches zur Besatzung zu sammeln.

Ahlgrimm selbst hat unter anderem einen Absturz in Meitze am 29. April 1944 aufgeklärt - Bilder, die er von einem Augenzeugen bekommen hat, zeigen Crew und die verunglückte Maschine. Es sind aber auch die kleinen Anekdoten, die Happy Ends, die die Arbeit von Ahlgrimm bereichern: Da sind die deutschen Frauen, die sich um die seidenen Fallschirme der Amerikaner gerissen haben, um sich daraus Brautkleider zu nähen. Oder ein abgestürzter Pilot aus Amerika, der sich nach Jahrzehnten in Isernhagen gemeldet hat, um sich bei einem Mädchen zu bedanken. Der Pilot war provisorisch in einem Schuppen in Isernhagen als Kriegsgefangener untergebracht, und das Mädchen hatte damals versucht, ihm ein Glas Wasser zu bringen. Ohne Zeitzeugen sei eine Aufklärung selten möglich, sagt Ahlgrimm. „Denn unser Archiv in Isernhagen ist zu Abstürzen nur lückenhaft bestückt.“

Aufklärung von sechs Abstürzen

Besonders Isernhagen H.B. hat es im Zweiten Weltkrieg schlimm getroffen: Zahlreiche Höfe wurden von Bomben zerstört, viele Flugzeuge stürzten ab, als sie auf dem Weg zur Bombardierung der Misburger Zementfabrik von der Flakstellung in Isernhagen abgeschossen wurden. Ahlgrimm und seine Gruppe suchen nun dringend Zeitzeugen. „Bei fünf bis sechs Abstürzen kommen wir einfach nicht weiter mit der Recherche“, sagt der 72-Jährige. Wer den Luftfahrt-Archäologen mit Hinweisen und Zeitzeugenberichten helfen will, kann sich bei ihm unter Telefon (05 11) 2 19 22 43 melden.

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