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Zusätzlicher Unterricht löst Jubel aus

Isernhagen Zusätzlicher Unterricht löst Jubel aus

In den Sommerferien die Schulbank drücken - für die meisten Schüler dürfte das eine grauenhafte Vorstellung sein. Für viele der mehr als 60 Flüchtlings- und Migrantenkinder am Schulzentrum in Altwarmbüchen ist ihr Ferienkurs "Deutsch als Zweitsprache" ein echtes Highlight.

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Jetzt auch in den Schulferien mobil: Die Kinder des Ferien-Sprachkurses Deutsch als Zweitsprache kommen dank einer Spende von Helfernetzwerk, Gemeinde und Bürgerstiftung zur Schule und zurück. Die Sprachtrainerinnen Jasmin Hamidi (links) und Ursula Arokháty (Mitte) sowie Ute Schaumann vom Stiftungsvorstand freuen sich mit.

Quelle: Zottl

Altwarmbüchen. Jubel - das, so berichtet Sozialpädagogin Jasmin Hamidi, sei die Reaktion der Schüler gewesen, als sie erfuhren, dass sie während der Sommerferien Deutschunterricht bekommen. Hamidi und ihre Kollegin Ursula Arokhàty leiten gemeinsam mit anderen Lehrern vier Sprachlerngruppen - aber vor allem außerhalb der Ferien.

Jetzt büffeln 62 zumeist syrische, irakische und afghanische Kinder - 20 davon aus der gymnasialen Sprachlernklasse sowie fünf künftige Fünftklässler - auch in der freien Zeit. Zwei Ferienwochen lang sitzen sie täglich von 8 bis 13 Uhr in der Schule. "Diese Kinder fahren nun einmal nicht mit ihren Eltern in Urlaub. Wir wollen nicht, dass sie sechs Wochen lang in ihren Unterkünften herumsitzen", sagt Hamidi.

Gerade viele der Schüler, die in den vergangenen zwei Monaten aus Krisengebieten nach Isernhagen gekommen sind, haben jede Hilfe nötig. "Es ist das erste Mal, dass Schüler ankommen, die nicht einmal in ihrer Muttersprache alphabetisiert sind. Und einige davon sind 15, 16 oder 17 Jahre alt", berichtet Hamidi. "Aber sie sagen, sie seien in der Heimat zur Schule gegangen." Das abweichende Schul- und Gesellschaftssystem in den Heimatländern der Kinder wird für die Lehrer immer wieder zur Herausforderung. "Die Frage nach ihrer Meinung zu einem Thema ist für einige ein Schock. Sie sorgen sich, dass sie oder ihre Eltern bestraft werden könnten", erläutert Arokhàty. In solchen Momenten helfe nur eines - Themenwechsel und Pauken nach Lehrbuch: "Das Üben von Zeitformen und Vokabeln gibt ihnen Sicherheit."

Finanziert wird der Sprachunterricht durch das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT). Damit die Schüler zur Schule kommen können, musste nun weitere Förderung her: Denn die Schülerfahrkarten gelten nicht in den Sommerferien. Durch die Initiative von Schulsozialarbeiter Jörg Lohmann ist es gelungen, dass die Jugendlichen ein SchülerFerienTicket bekommen haben - Helfernetzwerk, Gemeinde und Bürgerstiftung haben die mehr als 1800 Euro übernommen. Dadurch sind die Schüler nun während der Ferien in ganz Niedersachsen, Bremen und bis nach Hamburg mobil - Hamidi zufolge ein wichtiger Aspekt des Sprachprojekts "DaZ läuft" (Deutsch als Zweitsprache). "Die Schüler müssen sich schnell in ihrem Umfeld zurechtfinden. Da setzt DaZ an - und dann erweitern wir den Erfahrungskreis immer wieder", sagt Hamidi. So ermutigen Sprachtrainer ihre Schüler, mittels der Fahrkarte unterwegs zu sein und sich im Dialog mit anderen Menschen auszuprobieren. Gemeinsame Ausflüge gehören auch dazu: So war eine Gruppe kürzlich im phaeno in Wolfsburg. "Mit einer anderen fahren wir nächste Woche nach Hamburg."

Allen Ethnien gerecht werden

Dass der gemeinsame Sprachunterricht von Migrantenkindern unterschiedlichster Ethnien nicht immer nur positiv und glatt verläuft, mussten die Lehrer und Sprachtrainer während der Unterrichtsstunden in den Sprachlerngruppen selbst erst einmal lernen. "Da kocht das eine oder andere auch einmal hoch", berichtet Jasmin Hamidi vom Projekt Deutsch als Zweitsprache (DaZ). Im Frühjahr wurde darum am Schulzentrum ein zusätzliches Kunst-, Kultur- und Länderprojekt für die jungen Flüchtlinge organisiert. Dort stellten die Kinder und Jugendlichen ihren Mitschülern ihr Land und ihre Kultur vor - teilweise auch ohne große gemeinsame Sprachkenntnisse. "Da wird man findig und kreativ", sagt Hamidi lächelnd. Das Projekt verfehlte sein Ziel nicht: "Es war interessant zu sehen, wie Vorurteile dadurch gelockert wurden", sagt Ursula Arokhàty.

Fit im Sprechen - aber nicht für die Abschlussprüfung

Etwa ein bis eineinhalb Jahre benötigen die Sprachtrainer und Lehrer im Schnitt, bis ein Schüler fit in der deutschen Alltagssprache ist. Aber das ist nur die Spitze des Eisbergs, sagt Realschulleiter Jens Könecke. "Das Zurechtkommen im direkten Umfeld ist der erste Schritt - aber das heißt noch nicht, dass ein Schüler die Aufgaben in einem Erdkundebuch versteht. Die Sprache der Lehrbücher ist eine andere", sagt er. Für 14- bis 16-Jährige, die erst kürzlich ins Land kamen, ist darum die Prognose des designierten IGS-Leiters eher pessimistisch: "An einen Schulabschluss ist nicht zu denken", sagt er. Um diese Schüler nicht ohne Abschluss in die Ungewissheit zu entlassen, sei man im Gespräch mit der BBS in Burgdorf, um dort Möglichkeiten zu finden. "Aber eine Patentlösung haben wir noch nicht."

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