Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Schwarzer Tag für die CDU

Isernhagen Schwarzer Tag für die CDU

Alles neu im neuen Rat: Bei der konstituierenden Sitzung haben SPD, FDP und Grüne den Wahlvorschlägen der CDU gemeinsam eine Abfuhr erteilt – und alle ihre Kandidaten durchgebracht. Ratsvorsitzender ist Neuling Christian Possienke (FDP).

Voriger Artikel
Das Sanierungsgebiet steht – und jetzt?
Nächster Artikel
Gäste feiern wie auf der grünen Insel

Die bei der Wahl unterlegene Renate Vogelgesang (CDU) gratuliert dem neuen Ratsvorsitzenden Christian Possienke (FDP).

Quelle: Frank Walter

Isernhagen. "Nennen Sie es Tradition, gute Übung, Stilfrage“, begründete der CDU-Fraktionschef Helmut Lübeck den Vorschlag von Renate Vogelgesang für das Amt der Ratsvorsitzenden – trotz Verlusten stellt die CDU noch die größte Fraktion. Doch schon die nächste Wortmeldung machte deutlich, wohin es an diesem Abend für die CDU gehen sollte. "Wir sind angetreten für eine neue Politik in Isernhagen“, sagte FDP-Chefin Christiane Hinze – "und hätte Helmut Lübeck mich gefragt, dann hätte er gewusst, dass wir eine Alternative haben.“

Diese Alternative heißt Christian Possienke (FDP), Rechtsanwalt aus Kirchhorst und Konkurrent von Arpad Bogya (CDU) im Bürgermeisterwahlkampf 2014. In geheimer Wahl stimmten 18 Ratsmitglieder für ihn und nur 14 für Vogelgesang. Fritz Küke (AfD) erhielt drei Stimmen. Bei der Stellvertreterwahl unterlag Heinrich Bätke (CDU) Herbert Löffler (SPD). Die Zusammenarbeit von SPD, FDP, der Gruppe Grüne/Ute Bobe sowie Heiko Weichert (Bürgerstimme) hielt auch bei der Wahl der stellvertretenden Bürgermeister. Erste ehrenamtliche Stellvertreterin wurde Sabine Müller (SPD), zweite Christiane Hinze (FDP). Die CDU scheiterte mit ihren Vorschlägen für Renate Vogelgesang und Burkhard Kinder.

Die CDU sei völlig überrascht worden von der Blockbildung, habe dies erst zehn Minuten vor der Sitzung erfahren, sagte ein enttäuschter Lübeck am Tag danach. Er sprach von einem "Affront gegen die CDU und Frau Vogelgesang“, die mit Blick auf ihr hervorragendes persönliches Abschneiden bei der Kommunalwahl die richtige Kandidatin für den Ratsvorsitz gewesen wäre.

"Wir haben das gemacht, was die CDU sonst gemacht hat: Wir haben unsere Interessen durchgesetzt“, hielt die FDP-Vorsitzende Hinze dagegen. Ihr habe die CDU den Vorschlag für den Ratsvorsitz nicht mitgeteilt. "Das habe ich aus der Zeitung erfahren.“ FDP-Ratsherr Ulrich von Rautenkranz: "Mehrheiten kriegt der, der sie sich besorgt.“

Nicht jeder Titel taugt fürs Kärtchen

35 Ratsmitglieder, 315 Stimmzettel, drei Stunden Dauer und Verwaltungsmitarbeiter, die im Saal richtig Kilometer reißen – Zutaten der konstituierenden Ratssitzung am Donnerstagabend in Isernhagen.

Es werde spannend, kündigt Christiane Hinze mit verschwörerischem Blick am Anfang eines langen Abends an. Was die FDP-Chefin damit meint, hat auch die CDU gerade erfahren – ein Mitglied der Grünen hat es der Mehrheitsfraktion zehn Minuten zuvor gesteckt, dass sie künftig keinen stellvertretenden Bürgermeister und auch nicht den Ratsvorsitzenden stellen wird.

Erst einmal darf es sich aber doch ein CDU-Mitglied an der Stirnseite der Sitzordnung bequem machen – die Gnade der frühen Geburt, Ingo Baade firmiert als Alterspräsident. Sein Nebenmann geht Hände schütteln – Bürgermeister Arpad Bogya verpflichtet die neuen Ratsmitglieder. Sitzungsgeld hat er nicht dabei, aber eine schicke Anstecknadel mit dem Gemeindewappen fürs Revers.

18 Handschläge, 18 Wappen – und trotzdem ist das höchstens eine Mittelstrecke gegen den Marathon, den der Erste Gemeinderat Frank Niemeier und seine Mitarbeiterin Gabriele Krause in den nächsten Stunden absolvieren. Schließlich gilt es nicht nur, den Ratsvorsitzenden, dessen Stellvertreter und die ehrenamtlichen Vertreter des Bürgermeisters zu wählen. 18 Punkte lang ist die Liste der Drittorganisationen und Beiräte, in die der Rat Mitglieder entsendet – vom wichtigen Aufsichtsrat der Energiewerke über die Jury zur Vergabe des Bürgerpreises Isernhagen bis zum Schaubeauftragten für Gewässer dritter Ordnung, wobei Letzteres kaum für die Visitenkarte taugen dürfte. Spannend findet der frisch gewählte Ratsvorsitzende Christian Possienke (FDP) dieses Amt allemal. "Aber bitte erklären Sie mir dann doch hinterher mal, was das ist.“

Glatt läuft es, wenn die Parteien ihre Vertreter bestimmen dürfen, zäh hingegen, wenn gewählt werden muss – natürlich schriftlich. Neunmal verteilen Krause und Niemeier Stimmzettel an alle 35 Ratsmitglieder. Achtmal müssen sie die Zettel wieder einsammeln, bei der Wahl des Ratsvorsitzenden landen diese in der Urne – geheime Wahl. Zwischendurch kontrolliert Niemeier am Display der hochmodernen Lüftungsanlage den Sauerstoffgehalt – sicher ist sicher.

Erfrischend ist es aber auch, wenn sich der AfD-Fraktionschef als Vertreter für ein Gremium benennt: "Fritz Küke selbst“, schallt es mehrmals durch die Mikrofonanlage. "Ist das der zweite Nachname?“, frotzelt Fabian Peters (Grüne) gut vernehmlich durch den Saal.

"Danke an die Verwaltung für das punktgenaue Bereitstellen der Stimmzettel“, schließt der Ratsvorsitzende nach fast drei Stunden den Abstimmungsmarathon. Gut, dass der neue Block aus SPD, FDP und Grünen kurz zuvor nicht auf eine weitere Abstimmung bestanden hat. So bekommt die CDU einen Posten geschenkt, ohne dass die Verwaltung noch mehr Stimmzettel kopieren muss.
Auch wenn es dabei nur um den Stimmführerposten der Gemeindevertreter im Unterhaltungsverband Wietze geht, auf den die SPD verzichtet.

Von Frank Walter

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Nachrichten
doc6sm6e19282awue1xchg
Wo ist der Hydrant? App weist den Weg

Fotostrecke Isernhagen: Wo ist der Hydrant? App weist den Weg