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24-Jährige radelt allein 3000 Kilometer

Alt-Laatzen 24-Jährige radelt allein 3000 Kilometer

Nachdem Valerie Schult ihr Studium der Politikwissenschaften beendet hatte, wollte sie nur raus, etwas von der Welt sehen. Also radelte sie los. Insgesamt war die 24-jährige Laatzenerin drei Monate lang unterwegs. Ihr Weg führte sie durch ehemalige Krisengebiete wie den Kosovo, Bosnien-Herzegowina und Serbien.

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Pause an der Meerespromenade der Stadt Zadar in Kroatien.

Quelle: Privat

Laatzen. „Angst? Nö, hatte ich nicht“, sagt Valerie Schult und schüttelt lachend den Kopf. „Die Menschen, die ich unterwegs traf, hatten wohl eher Angst vor mir.“ Schließlich war sie auf ihre Reise gut vorbereitet. „Bevor ich losgefahren bin, habe ich eine Nahkampfausbildung gemacht und einen Selbstverteidigungskurs in WingTsun belegt.“

Außerdem machte sie ein zweimonatiges Praktikum in einem Fahrradladen. „Meine schlimmste Befürchtung war, in den serbischen Bergen einen Platten zu haben und mein Rad nicht reparieren zu können.“

Zwar gelten die Balkanländer nicht mehr als militärische Krisengebiete. Aber sie zählen zu den ärmsten Ländern Europas. Zehntausende Menschen versuchen jedes Jahr, der Armut zu entkommen und beantragen in Deutschland Asyl.

Begonnen hat Schult ihre Reise in Venedig. Von dort aus radelte sie über Triest durch Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Serbien bis nach Griechenland. Dabei machte sie auch Station in Mazedonien und im Kosovo. Insgesamt legte die 24-Jährige auf dem Rad rund 3000 Kilometer zurück. „Ich wollte zeigen, dass man so etwas auch als Frau allein bewältigen kann und will anderen Frauen Mut machen, sich auf sich selbst zu verlassen“, sagt die ehemalige Waldorfschülerin.

Bevor sie losgeradelt sei, habe sie Angst vor dem Alleinsein gehabt. Doch auf ihrer Tour durch die ehemaligen Krisengebiete hat sie ihren inneren Frieden gefunden: „Es ist unglaublich schön, im Einklang mit sich selbst die Welt zu erkunden.“

Drei Monate lang war die Laatzenerin mit ihrem Rad auf dem Balkan unterwegs. Dabei hat sie überall dort Station gemacht, wo es ihr gefiel. „Anfangs schlief ich auf Campingplätzen, später habe ich viel wild gecampt.“ Oft sei sie auch eingeladen worden. „Alle Menschen, die ich getroffen habe, haben mich freundlich aufgenommen und das wenige, was sie hatten, mit mir geteilt.“

Auf ihrer Reise hat sich die ehemalige Politikstudentin systematisch über die politische Situation der jeweiligen Länder informiert. Im Kosovo hat sie die Bundeswehr in einem Nato-Camp bei der Stadt Mitrovica besucht und den Parlamentspräsident Kadri Veseli interviewt. In Bosnien hat Schult die Gedenkveranstaltung am 20. Jahrestag des Massakers von Srebrenica besucht. „Ich habe mich über die Ursachen für die Kriege informiert und mit Menschen über ihre Kriegserfahrungen gesprochen.“

Endpunkt ihrer Reise war Griechenland. „Auch dort waren alle trotz der Krise freundlich.“ In Griechenland fuhr die 24-Jährige bis zum Geburtsort von Aristoteles, der Stadt Stagira, denn ab dem nächsten Semester will sie in Berlin Philosophie studieren. Die Radtour sei bislang die beste Entscheidung ihres Lebens gewesen.

Alles, was man braucht, passt in vier Fahrradtaschen

Zwei Fahrradtaschen mit Kleidung und zwei Fahrradtaschen mit Essen. Mehr braucht man nicht für die absolute Freiheit. „Ich hatte alles dabei, was ich für meine Reise brauchte“, sagt Valerie Schult. „Aber zur absoluten Freiheit gehört auch die absolute Sicherheit.“ Daher sei es wichtig, immer ausreichend Essen mit zu haben. Außerdem gehörten vier Sport-T-Shirts und vier normale T-Shirts, zwei kurze Hosen und eine Leggings, eine warme Jacke, ein Paar feste Schuhe und Sandalen zur Ausrüstung. Geschlafen hat die studierte Politikwissenschaftlerin in einem Zweimann-Zelt in Tarnfarbe. Oft konnte sie mehrere Tage nicht duschen. „Das war nicht tragisch, dann bin ich einfach ins Meer gesprungen“, sagt Valerie Schult und lacht. Ihre Sachen hat sie in Hostels oder auf Campingplätzen gewaschen – zur Not auch mit Meerwasser. „Ich habe auf der Reise sehr viel Gelassenheit gelernt und es genossen, jeden Tag an einem anderen Ort aufzuwachen“, sagt die Laatzenerin. „Es war toll, neue Menschen kennenzulernen und die Natur zu genießen.“ Und dafür braucht man nicht viel Gepäck.

von Stephanie Zerm

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