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Abiturient kämpft gegen Tabak-Werbung vor der AES

Laatzen-Mitte Abiturient kämpft gegen Tabak-Werbung vor der AES

In der Bushaltestelle direkt vor der Albert-Einstein-Schule (AES) hängt zurzeit ein großes Werbeplakat für Zigaretten. Der Abiturient und ehemalige AES-Schüler Linus Lloyd Melletat ärgert sich über die Werbung an dieser Stelle, die ab Montag wieder rund 1600 Kinder und Jugendliche täglich passieren.

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Linus Lloyd Melletat, der in diesem Jahr sein Abitur an der Albert-Einstein-Schule abgelegt hat, ärgert sich über die großformatige Tabakwerbung im Bus-Wartehäuschen der Üstra direkt vor der Laatzener Bildungseinrichtung.

Quelle: Daniel Junker

Laatzen-Mitte. "Tabakwerbung gehört nicht in die Nähe von Schulen und Jugendeinrichtung", betont Melletat, der im Frühjahr sein Abitur an der AES bestanden hat. Er glaubt, dass das Plakat gezielt vor der Schule angebracht wurde, um jungen Menschen das Rauchen schmackhaft zu machen. Doch genau vor dem Rauchen müssten die Jugendlichen geschützt werden. Melletat verweist auf den Verband der Zigarettenindustrie, der sich nach Auskunft der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) dazu verpflichtet hat, keine Plakatwerbung für Zigaretten in einem Sichtbereich von 100 Metern rund um Schulen und Jugendzentren aufzuhängen. 

Schulleiter Christian Augustin versteht die Kritik Melletats: "Ich kann mich der Kritik des Schülers voll und ganz anschließen. Wir bräuchten aber eine gesetzliche Grundlage, um dagegen vorzugehen." Er verweist auf die Üstra, die nun reagieren sollte.

Überregionale Werbung wie diese Tabakkampagne würde von der bundesweit tätigen Firma Ströer akquiriert, sagt Üstra-Sprecher Udo Iwannek. Üstra und Ströer sind jeweils zur Hälfte an der X-City-Marketing beteiligt, die wiederum für die Vermarktung der Üstra-Werbeflächen zuständig ist. "Warum diese Werbung durch Ströer trotzdem zugelassen wurde, ist unklar." Möglicherweise handele es sich um ein Versehen. Die Üstra wolle auf Ströer einwirken, damit die Tabakwerbung wieder entfernt wird, sagt Iwannek.

Auf die Anfrage dieser Zeitung reagierte die Firma Ströer am Freitag umgehend: Bei der Buchung der Werbefläche habe es sich um einen "Systemfehler" gehandelt, sagt Sprecherin Andrea Breyther. Das Plakat sollte noch am gleichen Tag entfernt werden.  

Verstöße gegen die Selbstverpflichtung des Verbands der Zigarettenindustrie könnten laut BZgA sowohl der betroffenen Schule als auch dem Deutschen Werberat gemeldet werden. Auch Melletat hatte zunächst diesen Weg gewählt - allerdings zog dies viele Telefonate mit sich: "Die Schule hat mich an die Stadt Laatzen verwiesen, und die Stadt hat mich wiederum an den Deutschen Werberat weitergeleitet", ärgert sich Melletat. "Der Werberat hat mir dann gesagt, dass ich mich an den Tabakkonzern wenden soll." Nachdem der Schüler die Zeitung eingeschaltet hatte hatte, ging es offenbar schneller.

Kinder und Jugendliche sind für Tabakwerbung stärker empfänglich

Kinder und Jugendliche sind für Tabakwerbung ungleich stärker empfänglich als Erwachsene, heißt es im Tabakatlas des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Das Tabakwerbeverbot in Deutschland sei laut DKFZ noch immer unvollständig. Zwar ist Werbung für Tabak in allen Zeitungen und Zeitschriften, Im Radio und Fernsehen sowie im Internet verboten, die Tabakhersteller würden den Markt aber ständig analysieren und verstärkt in die die noch erlaubten Bereiche investieren. "Sie entwickeln immer wieder neue, an veränderte Gegebenheiten angepasste Marketingstrategien", heißt es im Tabakatlas. Insbesondere gehörten dazu das Eventmarketing, Sponsoring, Promotion sowie Gewinnspiele.

Von Daniel Junker

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