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AfD legt in Laatzen besonders stark zu

Laatzen AfD legt in Laatzen besonders stark zu

Verluste für CDU und SPD, deutliche Gewinne für AfD und FDP: Die Bundestagswahl hat auch in Laatzen zu großen Verschiebungen geführt. Vor allem das Ergebnis der AfD sorgt nach dem Wahlabend für Diskussion: Regionsweit hat sie das drittbeste Ergebnis erzielt.

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Der Bereich Otto-Hahn-Straße/Würzburger Straße gehört zu den Hochburgen der AfD in Laatzen: 19 Prozent machten ihr Kreuz bei der Partei - und straften damit unter anderem die CDU ab.

Quelle: Daniel Junker

Laatzen. Bislang hat die AfD in Laatzen politisch keine Rolle gespielt. Bei der Bundestagswahl vor vier Jahren lag die Partei bei 3,9 Prozent, bei der Kommunalwahl gelang es nicht einmal, Kandidaten für Rat und Ortsräte zu finden. Wie groß das Potenzial der Partei in Laatzen ist, ließ allerdings schon die Regionswahl 2016 erahnen, bei der sie auf 12,5 Prozent kam.

Bei der Bundestagswahl am Sonntag hat sich dies nun bestätigt. Auf 12 Prozent der Zweitstimmen kommt die AfD - das ist nach Ronnenberg (12,4) und Langenhagen (12,2) der dritthöchste Wert in der Region. Gewählt wurde die Protestpartei vor allem in den drei Wahlbereichen von Laatzen-Mitte, wo die Stimmanteile zwischen 15,2 und 16,7 Prozent liegen. Beim Blick auf die kleinteiligere Wahlbezirksebene finden sich sogar noch höhere Werte: 19,4 Prozent wählten die Partei in Teilen der Hohenrode, 19 Prozent im Bezirk Würzburger Straße/Otto-Hahn-Straße.

Erheblich Federn lassen müssen die großen Parteien: Die CDU liegt in Laatzen nur noch bei 23,5 Prozent (8,5 Prozent weniger als 2013), die SPD bei 32,4 Prozent (minus 7,6). Am stärksten waren die Verluste in Teilen von Laatzen-Mitte, aber auch in den jeweiligen Hochburgen: Die CDU verlor 9,4 Prozent in Ingeln-Oesselse, die SPD 8,4 Prozent in Gleidingen. Eine Überraschung gab's in Grasdorf, wo die SPD nur 2 Prozent verlor und neuerdings mit 32,2 Prozent knapp vor der CDU liegt.

Bei den Grünen löst Alt-Laatzen (10,8 Prozent) Grasdorf (9,7) als bisherige Hochburg ab. Stadtweit verlor die Partei - gegen den Bundestrend - 0,2 Prozent und liegt nun bei 7,5 Prozent. Die FDP ist vor allem in Grasdorf (10,9 Prozent) stark, liegt aber in Laatzen insgesamt mit 9,1 Prozent knapp unter dem Bundesergebnis. Zugelegt hat auch die Linke (6,9 Prozent), die ihre Wähler vor allem in Laatzen-Mitte hat. Wie die AfD hat auch die Linke ihre Hochburg im Wahlbereich Laatzen-Mitte II (9,7 Prozent).

Die Gründe für die besondere AfD-Stärke in Laatzen werden unterdessen intensiv diskutiert. Fest steht, dass die Partei innerhalb der Region vor allem in stadtnahen und verdichteten Siedlungsräumen punkten konnte: Auf über 11 Prozent kommt die AfD sonst nur in Langenhagen, Ronnenberg, Garbsen und Seelze. "Es kann sein, dass dies mit der Grundstruktur dieser Kommunen zusammenhängt", vermutet denn auch die Laatzener SPD-Vorsitzende Luisa Oyen. Gleichwohl sei für sie nicht nachvollziehbar, warum Wähler ihr Kreuz zugleich beim Laatzener SPD-Abgeordneten Matthias Miersch und bei der AfD machten, so wie sie es als Wahlhelferin beobachtet habe. Die Parteien müssten dort ansetzen, wo Menschen Ängste hätten - etwa vor finanzieller Unsicherheit. "Ein ganz großes Thema ist bezahlbarer Wohnraum", glaubt Oyen - ein Thema, das die Laatzener SPD bereits verfolge.

"Da, wo es eher urban ist, steigt auch der AfD-Anteil", sagt auch Laatzens CDU-Chef Paul Derabin. "Es liegt an uns, sowohl im Bund als auch in den Kommunen durch vernünftige Arbeit und starke Kommunikation mit den Menschen mehr Vertrauen aufzubauen." Das CDU-Ergebnis in Laatzen wertet er als "nicht überragend, aber auch keinen Einbruch".

Jessica Kaußen (Linke) sieht die Laatzener Ergebnisse ihrer Partei "durchweg positiv". Sie schockierten allerdings die 12 Prozent für die AfD. "Das werden vor allem Protestwähler sein", glaubt Kaußen. "Ich verstehe nicht, warum man die Partei aus Protest so unterstützt: Arbeiter und Alleinerziehende, die tendenziell in Armutsfalle rennen können, werden vom AfD-Programm noch mehr diskriminiert."

Gerhard Klaus (FDP) glaubt, dass das Laatzener Wahlergebnis auch kommunalpolitisch begründet ist: "Die Unzufriedenheit ist in Laatzen schon spürbar", findet Klaus - das sei bei Diskussionen wie zum Marktteich deutlich geworden. Ein wichtiger Grund sei aber auch bei der Bundes-CDU zu suchen. "Die müssen Abnutzungserscheinen bei ihrem Spitzenpersonal feststellen."

Die Grünen zeigen sich mit ihrem Abschneiden unterdessen relativ zufrieden. "Das Ergebnis ist unter dem Bundesdurchschnitt, aber unter den Rahmenbedingungen für uns in Ordnung", sagt der Ortsverbandsvorsitzende Andreas Quasten.

Jamaika gab's auch schon in Laatzen

Während Bundespolitiker von CDU/CSU, Grünen und FDP sich noch an den Gedanken gewöhnen müssen, hat Laatzen seine Jamaika-Koalition längst hinter sich: Von 1992 bis 1996 schlossen sich die drei Parteien im Rat zum Bündnis gegen die zuvor in Laatzen übermächtig erscheinende SPD zusammen. Entstanden war die Mehrheit dadurch, dass mehrere Sozialdemokraten ihre Fraktion im Streit verlassen und die SDL gegründet hatten, die dann mit dem (damals noch nicht so bezeichneten) Jamaika-Trio zusammenging. Mit dabei war damals schon FDP-Ratsherr Gerhard Klaus, der den Bundespolitikern Hoffnung machen kann. "Das lief ganz gut", erinnert er sich: "Am Ende war das Ganze allerdings an Sachen wie der Baumschutzssatzung gescheitert" - die Laatzener Grünen seien damals "ideologischer" gewesen. "Aber mit den heutigen Grünen auf Bundesebene kann ich mir das gut vorstellen."

Miersch wieder im Bundestag, Achtungsergebnis für Kaußen

Auch im nächsten Bundestag wird ein Laatzener vertreten sein: Der Grasdorfer Matthias Miersch setzte sich im Wahlkreis Hannnover-Land II mit 40,3 Prozent der Erststimmen gegen die CDU-Direktkandidatin Maria Flachsbarth durch. In seiner Heimatstadt Laatzen war der Abstand mit 40,3 zu 32,5 noch deutlich größer - aber auch hier verlor der 48-Jährige im Vergleich zu 2013 deutlich Stimmen (minus 6,5 Prozent). Das mag auch an Jessica Kaußen (Linke) gelegen haben, die sich als zweite Laatzenerin ebenfalls um ein Mandat bemühte und in Laatzen auf respektable 5,7 Prozent (plus 1,1 Prozent) kam. Kaußen nahm das Votum gelassen: "Dass Matthias Miersch ein so gutes Ergebnis eingefahren hat, freut mich", sagt die Linken-Politikerin über Miersch, der Sprecher der Parlamentarischen Linken in der SPD-Bundestagsfraktion ist.

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