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Warum Laatzen mehr Frischluft braucht

Laatzen Warum Laatzen mehr Frischluft braucht

Die Stadt und der Klimawandel: Manfred Vogel und Michael Schilmover von der lokalen Agenda21-Gruppe sind überzeugt, dass Laatzen auf die Herausforderungen der Erderwärmung ungenügend vorbereitet ist. In einer Serie greifen wir Aspekte des Themas auf. Heute: Warum Laatzen eine nachhaltige Stadtplanung braucht.

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Aus Sicht der Agenda-Gruppe ein Negativbeispiel: An der Marktstraße wurden Bäume abgeholzt, um eine Feuerwehrzufahrt zu schaffen.

Quelle: Privat

Laatzen. Es ist dieses für Norddeutschland so besondere Ereignis, das Manfred Vogel und Michael Schilmover immer wieder anführen, wenn es darum geht, einen Beleg für die Gefahren des Klimawandels zu liefern. Am 27. Juli 2013 geht im Osten der Region Hannover ein Hagelschauer bis dahin unbekannten Ausmaßes nieder, von dem auch weite Teile Laatzens betroffen sind. Hagelkörner groß wie Tennisbälle durchschlagen Dächer, zerstören Autoscheiben und fetzen das Laub von den Bäumen. „Das schwere Gewitter, das damals auf Laatzen zuzog", so die beiden Vertreter des lokalen Agenda21-Büros, „stieß über der Stadt auf eine Art Hitzeglocke, was den schweren Hagelschlag auslöste. Wetterphänomene dieser Art", sind sich Vogel und Schilmover sicher, "werden uns in Zukunft häufiger begegnen, wenn die Stadt nicht daran geht, sich gegen die ansteigenden Temperaturen und länger andauernde Hitzeperioden und zu wappnen".

Doch was tun in einer Stadt, deren große Parkflächen und Hochhaussiedlungen geradezu dazu geschaffen erscheinen, die sommerliche Hitze zu speichern und sie nach und nach an die Umgebungsluft abzugeben? „Was wir in Laatzen und speziell in Laatzen-Mitte brauchen", sagt Manfred Vogel, „ist eine nachhaltige Stadtplanung, die nicht nur darauf schaut, dass die letzten Baulücken architektonisch ansprechend geschlossen werden, sondern die den Klimawandel bei ihren Planungen von vornherein berücksichtigt".

In der Stadt sollten nach Ansicht der Agenda-Gruppe genügend begrünte Flächen verbleiben, die zu einer Abkühlung der Luft beitragen. Zusammenhängende Frischluftfurten müssten einen Luftaustausch zwischen Stadt und Umgebung ermöglichen, auch vor Regelungen für private Grundstücksflächen dürfe die Stadtplanung nicht Halt machen.

„Was wir heute erleben, ist vielfach das Gegenteil dessen, was erforderlich wäre", sagt Vogel - und nennt als Beispiel die Gutenbergstraße: "Der dort entstehende Neubau wird Laatzen-Mitte von der im Mastbruchholz erzeugten Frischluft abschneiden." Mit der zunehmenden Bebauungsdichte nehme die Zahl der Flächen, die – mit entsprechendem Bewuchs versehen – zu einer Abkühlung der Luft beitragen könnten, rapide ab.

Gleiches gelte für den Baumbestand in der Stadt, der drastisch zurückgehe. Jüngstes Beispiel: die Bäume, die dem an der Pestalozzistraße geplanten Flüchtlingsheim zum Opfer gefallen sind. „Oder die vielen Bäume, die im Zusammenhang mit dem Abriss der alten Rentenversicherung abgeholzt wurden", sagt Schilmover. Diese hätten bislang einen regelrechten Schutzschild gegen die von der B 443 nach Laatzen hineinwehenden Abgase gebildet.

Auch im privaten Bereich werde die Natur mehr und mehr zurückgedrängt. Die Rede ist von Vorgärten, die – weil einfacher zu pflegen – nur noch aus Steinschotter oder versiegelten Flächen bestehen, von Bauherren, die ihre Innenhöfe und das Außengelände roden, die Hecken durch Zäune und Rasen durch Kunstrasen ersetzen. „Die Stadt", sagt Vogel, „sollte so etwas verhindern. Sie sollte sich selbst das erforderliche Know-How aneignen, entsprechende Satzungen aufstellen und beratend tätig werden."

Dass es an Know How mangelt, steht für Vogel und Schilmover außer Frage. Die vielfältigen Möglichkeiten würden in den meisten Fällen aus Unwissenheit ignoriert. „Nehmen wir das Beispiel Dachbegrünung", sagt Vogel. "Allein in Laatzen-Mitte gibt es 60.000 Quadratmeter an Flachdächern. Heute sind diese Dächer im Sommer enorme Hitzespeicher, begrünt könnten sie zu einer deutlichen Abkühlung und Verbesserung der Luft beitragen." Das Wissen darum, welche Pflanzen für diesen Zweck geeignet seien, so Vogel, sei vorhanden. Man müsse es nur zugänglich machen.

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Von Ralf Schunk

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