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Wie fühlt es sich an, Flüchtling zu sein?

Alt-Laatzen Wie fühlt es sich an, Flüchtling zu sein?

Am Anfang ist noch alles gut. Doch dann fallen Bomben, sterben Menschen. Das Jugendbuch "Akim rennt" erzählt die bewegende Geschichte eines Jungen, der auf der Flucht seine Familie aus den Augen verliert – und alle 155 Kinder der Laatzener Grundschule Rathausstraße lesen es gerade.

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Bilderbuch zum Flüchtlingsthema: Religionslehrerin Christina Bredehöft spricht mit Viertklässlern der Laatzener Grundschule Rathausstraße über die Geschichte des Flüchtlingsjungen Akim.

Quelle: Astrid Köhler

Alt-Laatzen. Akim weint. ,Mama, Mama'. Eine Frau mit einem Baby drückt ihn an sich, heißt es in dem Buch das Religionslehrerin Christina Bredehöft derzeit wie zwei weitere Kolleginnen in allen Klassenstufen durchnimmt. Die Kinder müssen schlucken.

Sie habe noch nie etwas zum Thema Flüchtlinge gemacht, sagt Bredehöft, doch die aktuelle Situation – im D-Trakt sind seit Anfang November 52 syrische Flüchtlinge untergebracht – lege das nahe. In den Unterrichtsstunden wird das Buch gemeinsam gelesen und besprochen. Was ist ein Flüchtlingslager, was eine Hilfsorganisation? Warum guckt Akim beim Spielen so traurig? „Er vermisst seine Familie", sagt ein Junge.

Die Kinder an diesem Tag sind voll bei der Sache. Bei jeder Frage, gehen viele Finger hoch. Wohl keinen lässt die Geschichte des schließlich in einem Lager untergekommenen Jungen unberührt.

Während die Viertklässler die Emotionen schon sehr gut nachempfinden können oder mit dem eigenen leben verbinden, antworten die Zweitklässler noch eher in Zwei-Wort-Sätzen und schweiften schneller vom Thema ab, aber "betroffen sind eigentlich alle", erzählt Bredehöft. Sie sei überrascht, wie gut sich die Kinder in die Situation von Akim hineinversetzten könnten. Für den Jungen sieht es lange Zeit nicht gut aus – bis es schließlich am Ende ein berührendes Wiedersehen im Lager gibt.

Die Schüler wüssten bereits viel über Flüchtlinge, sagt die Religionslehrerin. Das habe sie erstaunt. Einig hätten zwar auch Vorurteile mitgebracht, aber darüber sei von Anfang an gesprochen worden. Sie wünsche sich, dass die Kinder so aufgeschlossen blieben und dass sie letztlich auch mit Flüchtlingen und nicht nur über sie sprechen könnten.

Rektorin Olbricht: "Bis auf den Zaun hat sich nichts verändert"

Etwa zwei Monate ist es her, dass 52 syrische Flüchtlinge Quartier im provisorisch umgebauten D-Trakt der Grundschule Rathausstraße bezogen haben. Rektorin Karin Olbrich weiß über die neuen Nachbarn nur Gutes zu berichten: "Was die Kinder und das Kollegium betrifft, so haben wir gemerkt, wie wenig Unterschiede sich ergeben haben." Bis auf den Zaun auf einem schmalen Streifen des Schulhofes habe sich "gar nichts verändert".Die Rektorin bedauert vielmehr, dass es kaum Berührungspunkte gibt. Die Syrer verließen morgens das Haus – zum Sprachunterricht – und kehrte nach Unterrichtsschluss zurück. Mitunter nutzen einige nachmittags den Hof zum Sport.

Die Flüchtlingen wirkten "immer freundlich und offen – oder nachdenklich", so Olbricht. Denjenigen in Laatzen die vorab Bedenken wegen der Unterbringung gehabt hatten könne sie sagen: "Es gibt absolut keinen Grund dafür".

Die Schule plant, Anfang des Jahres Kontakt zu den Flüchtlingen aufzunehmen. Denkbar seien Besuche der Syrer im Unterricht und Gegenbesuche im D-Trakt. Unendlich Zeit ist nicht mehr, denn schon zum Sommer sollen die Syrer anderweitig untergebracht werden. Die Räume werden dann von der Schule benötigt.

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Von Astrid Köhler

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