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Heinze: Seelsorger zwischen Glück und Trauer

Laatzen Heinze: Seelsorger zwischen Glück und Trauer

Schon früher habe ihn seine Mutter gefragt: "Warum beschäftigst du dich immer mit den Problemen von anderen Leuten?", erzählt Andreas Heinze. Fast 40 Jahre später ist klar: Der Trauerberater und Leiter der Lebensberatungsstelle in Laatzen hat in der sozialen Arbeit seine Berufung gefunden.

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Andreas Heinze berät Ratsuchende in allen Lebenslagen und ist daran selbst gewachsen.

Quelle: Oehlschläger

Laatzen. Seine Aufgaben haben Heinze auch selbst gestärkt. Dabei deutete erst wenig darauf hin, dass der heute 59-Jährige eines Tages Menschen in schweren Lebenslagen ein Ratgeber und Trostspender sein könnte. Nach dem Abitur in Bayern folge der gebürtige Hannoveraner seinem Vater, einem Bundeswehrsoldaten, ins Militär. "Ich habe aber schon nach einer Woche gemerkt, dass das nichts für mich ist", erzählt Heinze. Vor Gericht musste er darum kämpfen, aus dem Wehrdienst entlassen zu werden, was ihm letztlich gelang. Kurz darauf trat er seinen Zivildienst an. Aussuchen durfte er sich seinen Arbeitsplatz nicht, sodass er kurzerhand in eine Anstalt für psychisch kranke Patienten vermittelt wurde.

Die Wende kommt in Hannover

Das neue Umfeld hinterließ bleibende Eindrücke bei dem damals erst knapp 20 Jahre jungen Heinze: Mit 30 Patienten habe er in der Anstalt vor dem Fernseher gesessen, als Elvis Presley 1977 gestorben sei. "Ich habe nur gedacht, das versteht kein einziger von denen", erinnert er sich. Da seine Eltern kurz darauf wieder nach Hannover zogen, fand auch Heinze den Weg zurück in seine Geburtsstadt. Er wechselte an das Klinikum Annastift am Roderbruch und betreute dort noch immer als Zivildienstleistender körperlich und geistig schwerstbehinderte Menschen.

"Vor 40 Jahren war das noch ein bisschen anders", sagt Heinze. Wenn er mit seinen Patienten unterwegs war, hätten die Menschen weniger tolerant reagiert als heutzutage. "Damals haben die Leute eher vermittelt, warum man ihnen diesen Anblick zumutet", erinnert sich der Sozialpädagoge.

Die Arbeit mit behinderten Menschen löste allmählich etwas in Heinze aus. "Ich habe gemerkt, dass es gut ist, meine eigenen Grenzen zu erkennen", sagt er. Hemmungen vor dem Spucke vom Mund abwischen und Urinbeutel wechseln seien rasch verflogen. "Das hat mir gezeigt, dass man einen guten Effekt auf das Leben eines Hilfebedürftigen hat", sagt Heinze. Auch lernte er damit umzugehen, wenn er einmal nicht mehr weiter wusste.

Was sagt man einem Sterbenden?

Mit scheinbar aussichtslosen Situationen ist Heinze auch seit mehr als zehn Jahren als Koordinator des ambulanten Hospizdienstes des Kirchenkreises Laatzen-Springe vertraut. Nachdem er oder seine Kollegin Kristin Surendorff-Belder den Erstbesuch übernommen haben, spendet einer von rund 45 Ehrenamtlichen Beistand. "Viele unserer freiwilligen Helfer sagen, dass die Arbeit eine gute und wichtige Erfahrung war", sagt Heinze. Das mache einem bewusst, dass das Leben endlich sei. Hilfreiches Wissen für Gespräche mit Angehörigen eines Verstorbenen brachte ihm ab dem Jahr 2001 eine Ausbildung zum Trauerberater. "Trauer wird nicht verarbeitet, sondern bearbeitet", betont Heinze. Das Gefühl selbst könne sich zwar über die Jahre verändern. "Aber ich werde nie vergessen, warum ich trauere", sagt er. So bleibe das Gefühl ein Leben lang.

Auch wenn die Rente noch ein paar Jahre entfernt sei, komme der Gedanke an den Ruhestand mit Riesenschritten näher, sagt der 59-Jährige. Dabei werde ihm immer mehr bewusst, wie glücklich er sich schätzen könne. "Es erleichtert einem auch die eigenen Probleme, wenn man bei der Arbeit so sieht, was es alles gibt", sagt Heinze. Er habe daraus Gelassenheit und eine innere Ruhe ziehen können. "Und es ist auch ein Gewinn, dabei zu sein, wenn einmal alles gut ausgeht."

Ich spreche doch mit dem Weihnachtsmann

Eine der schönsten Erinnerungen zieht er aus seiner Studentenzeit, als er sich für die Telefonseelsorge als Ratgeber engagierte. "Kurz vor Weihnachten rief mich eine Frau an", erzählt Heinze. Sie habe gesagt: "Ich spreche doch mit dem Weihnachtsmann, oder?" Er sei verdutzt gewesen. Doch als die Anruferin das Telefon an ihren Sohn weitergab, machte es Klick. "Dann hat er mir seine Wunschliste vorgelesen."

Info: Benefinzkonzert mit Annett Kuhr

Wie sich Menschen in scheinbar kleinen Augenblicken des Lebens auch mit großen Gefühlen konfrontiert sehen, können Besucher beim Benefizkonzert mit Annett Kuhr hören. Am Freitag, 19. Mai, kommt die Musikerin für ein Konzert in der Immanuelkirche an der Alten Rathausstraße. Dabei liest sie auch Gedichte, von denen manche Tod, Trauer oder Abschied zum Thema haben. Der musikalische Abend des ambulanten Hospizdienstes beginnt um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei. Besucher können allerdings Spenden für die Stiftung proDiakonie des Kirchenkreises hinterlassen. Die Stiftung hat zum Beispiel schon den Umsonstladen in Laatzen gefördert.

Von Nils Oehlschläger

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