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Anteil an Sozialwohnungen fällt unter 3 Prozent

Laatzen Anteil an Sozialwohnungen fällt unter 3 Prozent

Von den rund 20.000 Wohnungen in Laatzen erfüllen aktuell nur 558 den Ansprüchen von Sozialwohnungen mit niedrigem Mietzins (Anteil: 2,8 Prozent). Die letzten öffentlich geförderten Wohnungen wurden 2009 gebaut. Seitdem fielen zudem 94 Wohnungen aus der Sozialbindung. Stadtvertreter sind alarmiert.

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Sozialwohnungen wie in den Gebäuden der Deutschen Wohnen an der Wülferoder und Pettenkoferstraße sind in Laatzen selten geworden. Mit 558 beträgt ihr Anteil an allen Wohnungen derzeit nur noch knapp 2,8 Prozent. Der Bedarf ist laut Stadt deutlich größer. Rund 14 Prozent der Laatzener verfügen über ein regelmäßiges Einkommen von weniger als 60 Prozent des Durschnittseinkommens und leben damit an der Armutsgrenze.

Quelle: Astrid Köhler

Laatzen. "Der Anteil an sozialem Wohnraum im Bestand ist mit 2,79 Prozent sehr gering", betont Thomas Schrader, Leiter des Fachbereichs Jugend, Familie und Soziales, in seiner Antwort auf eine Anfrage der Gemeinschaft Freier Wähler (GFW) zum Wohnungsbau in Laatzen. Nach Berechnungen der Stadt müsste der Anteil an erschwinglichem Wohnraum deutlich größer sein: 14 Prozent. So hoch ist auch der Anteil der 6000 Menschen an der städtischen Gesamtbevölkerung, die in Laatzen über weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Monatseinkommens verfügen und daher als armutsgefährdet gelten.

Er sei "schockiert", dass der Anteil an Sozialwohnungen in Laatzen gerade einmal 2,8 Prozent ausmache, sagte der GFW-Ratsherr Michael Kleen jüngst in der Sitzung des Sozialausschusses: "Ich habe gedacht, dass es viel, viel mehr sind." Angesichts steigender Armut in Deutschland würde mehr bezahlbarer Wohnraum benötigt. Die Stadt solle die Gründung einer eigene Wohnungsgenossenschaft forcieren. "Die anderen sind nicht in der Lage", so Kleen.

Das sieht auch die SPD mit ihrem Ratsfraktionsvorsitzende Ernesto Nebot so: "Es ist wichtig bezahlbaren Wohnraum zu schaffen." In Laatzen sei dies am allerbesten zu erreichen, indem die Stadt eine eigene Baugesellschaft gründet, so wie es die Ratsgruppe bereits vorgeschlagen hat. "Unser Antrag ist noch nicht abgeschmettert. Wir hoffen, dass er zum Ziel führt und wie eine eigene Baugesellschaft gründen können."

Dass die CDU das Thema Baugesellschaft anders sehe als die Mehrheitsgruppe sei bekannt, so Olaf Lichy (CDU). Laatzen habe eine andere Eigentums- und Mietstruktur als Hannover. Es gelte mehrere Parameter zusammenzuziehen. "Wir müssen schauen, ob wir schlecht dastehen oder uns schlecht darstellen."

Unabhängig davon empfiehlt die Stadtverwaltung einen Ausbau von Sozialwohnungen. "Im Wohnungsneubau ist der gesamtstädtische Anteil an erschwinglichen Wohnungen mindestens auf den Anteil der Armutsgefährdeten anzuheben", so Schrader weiter. Auf Basis der Bevölkerungsprognose der jüngsten Pestel-Studie und den Daten des Sozialberichtes der Region geht die Stadt von einem Gesamtbedarf von 1600 bis 1750 Wohneinheiten in den nächsten 15 Jahren aus. Mindestens 224 bis 245 davon sollten Sozialwohnungen sein.

In den letzten Jahren waren Sozialwohnungen kein Thema mehr in Laatzen. Die jüngsten entstanden 2009 im Mozartpark. Ältere Sozialwohnungen, die mit öffentlichem Geld des Landes, der Region oder Kommune gefördert wurden, stehen unter anderem an der Wülferoder und Pettenkoferstraße, der Urnenfeldstraße, der Zucker- sowie Dr.-Alex-Schönberg-Straße, der Pattenser Straße, am Hemminger und Weetzener Weg sowie Am Leinkamp.

Parallel zu dem stagnierenden Neubau von Sozialwohnungen fielen seit 2009 auch noch 94 Wohnungen aus der Wohnpreisbindung. Die Wohnungsbaungenossenschaft Laatzen (WBG) verfügt schon seit Längerem über keine Sozialwohnung mehr in Laatzen.

Die überwiegenden Träger des sozialen Wohnungsbaus in Laatzen sind nach Auskunft der Stadt aktuell die Unternehmen Vonovia (161 Wohnungen) und Meravis (136). Die WBG der Polizeibeamten hat derzeit 80 Sozialwohnungen im Bestand. Es folgen Wert Invest (66) und Deutsche Wohnen (55) vor der KSG (48) und der Genossenschaft Heimatwerk (12 Wohnungen).

Ratsgruppe begrüßt Neubaupläne an der Senefelderstraße

„Sehr erfreut“ hat die Laatzener Ratsgruppe SPD, Grüne und Linke auf den geplanten Neubau von 60 Wohnungen an der Senefelderstraße reagiert. Wie die Stadt und der Sieger des Bauherrenwettbewerbs THI Holding vergangene Woche mitteilte, sollten dort ab 2018 unter anderem 39 öffentlich geförderte Wohnungen entstehen. Für die sogenannte Sozialwohnungen sind den Förderichtlinien entsprechend Mietpreise von 5,60 Euro pro Quadratmeter festgelegt. Der bis sechsgeschossige Riegel soll auf dem Grünstreifen entlang der Senefelderstraße zwischen der Erich-Panitz- und Mergenthalerstraße entstehen.

Das 4800 Quadratmeter große Areal hatte die Stadt bei einer Versteigerung erworben. „Wir begrüßen die Pläne der THI Holding für diese attraktiven Wohnungen ausdrücklich“, sagte der Gruppenvorsitzende Ernesto Nebot. Zugleich wies er darauf hin, dass die Ratsgruppe seinerzeit der Verwaltung den Hinweis auf die zur Versteigerung anstehende Fläche gegeben. „Die Aussage einzelner Bauträger, dass aufgrund fehlender Flächen kein neuer Wohnraum in Laatzen geschaffen werden kann, ist widerlegt worden“, so Nebot weiter. Die Stadtverwaltung wollte den Anspruch des ersten Hinweises seitens der Ratsgruppe weder bestätigen noch dementieren.

Anders als an der Senefelderstraße, wo laut Wettbewerbsvorgabe mindestens zur Hälfte Sozialwohnungen entstehen müssen, sind für das zweite Bauprojekt auf dem einst städtischen Gelände am Kreuzweg in Alt-Laatzen noch keine Zahlen bekannt. Die KSG hatte im Mai bekannt gegeben, dort 15 Wohnungen bauen zu wollen, darunter „auch öffentlich geförderte“.

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Von Astrid Köhler

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