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St. Marien: Arbeiter bekommen das Kreuz nicht ab

Grasdorf St. Marien: Arbeiter bekommen das Kreuz nicht ab

Rund 50 Besucher haben am Mittwochmorgen vergebens auf die vorläufige Demontage des sanierungsbedürftigen Kreuzes auf dem Dach der St.-Marien-Kirche und die geplante Öffnung der Kugel am Boden gewartet. Das Vorhaben scheiterte an der Befestigung. Ein neuer Anlauf soll nach Ostern unternommen werden.

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Beginn der Kreuzsanierung verschiebt sich: Rund 50 Besucher kamen am Mittwochvormittag zur St.-Marien-Kirche, um die im Zuge der Sanierung geplante Demontage des Kreuzes und die Öffnung der Kugel zu verfolgen. Doch Kreuz und Kugel ließen sich nicht schadlos entfernen. Nun soll die Aktion in einigen Wochen nachgeholt.

Quelle: Stephanie Zerm

Grasdorf. "Das Kreuz war festgerostet, daher war es nicht abzubekommen", erklärte Jürgen Steindorf vom Amt für Bau und Kunstpflege der Evangelischen-lutherischen Landeskirche Hannover. "Um es abzubekommen, hätte es abgesägt werden müssen." Damit wäre es jedoch beschädigt worden und hätte nach der Turmsanierung nicht wieder auf seinen angestammten Platz in rund 15 Metern Höhe aufgesetzt werden können.

Doch genau dies ist geplant. Die Aufarbeitung des Kreuzes zahlt die Gemeinde selbst mit den Einnahmen aus dem zu diesem Zweck seit Herbst gesammelten freiwilligen Kirchgeld. Rund 10.000 Euro sind dafür bereits zusammengekommen.

Um das Kreuz doch noch abzubekommen, soll das Baugerüst am Turm noch erhöht werden. "In etwa vier Wochen werden wir dann einen neuen Versuch starten", kündigte Steindorf an. Scheitere dieser auch, müsse ein Kran aufgestellt werden. "Dies ist aber schwierig, weil es um die Kirche herum sehr eng ist."

Lediglich die vier Zifferblätter der Uhr konnten am Mittwoch abgenommen werden. Diese sollen nun bei einem Uhrmacher restauriert werden.

Die Besucher sind derweil gespannt und spekulieren über den Inhalt der Kugel. "Vielleicht haben die Erbauer damals gar nichts in die Kugel getan", vermutete Tina Andräs vom Kirchenvorstand. "Es kann gut sein, dass sie nach dem Zweiten Weltkrieg ganz andere Probleme hatten, als über einen Gruß für die Nachwelt nachzudenken."

Turm wurde nach dem Krieg höher gebaut

Einer, der 1950 beim Richtfest des neu aufgebauten Turmes dabei war, ist Helmut Flohr. Der heute 85-jährige erlebte als Kind die Bombennacht vom 22. auf den 23. September 1943. Dabei wurde auch der aus dem 13. oder 14. Jahrhundert stammende Kirchturm zerstört. "Der spitze, mit Schindeln gedeckte Turm brannte lichterloh und fiel dann um", erinnert sich der Grasdorfer. Vom Dezember 1949 bis Januar 1950 war Helmut Flohr dann als junger Maurer-Lehrling im Betrieb seines Vaters beim Aufbau des Turms dabei. "Er wurde etwa drei Meter höher gebaut, als der ursprüngliche Turm", erklärte er am Mittwoch den Besuchern.

Das Richtfest am 15. Januar 1950 mit Pastor Georg Schaaf erlebte Flohr als 17-Jähriger mit. "Ob etwas in die Kugel getan wurde, und wenn ja, was - daran kann ich mich aber nicht mehr erinnern", erklärte er am Mittwoch schmunzelnd.

Fest steht jedoch, dass der derzeitige Kirchenvorstand die Kugel unter dem Kreuz mit zeitgenössischen Gegenständen für die Nachwelt bestücken will, bevor sie wieder in schwindelerregender Höhe installiert wird. "Wir überlegen gerade, was genau wir hineintun wollen", sagte Hans-Hermann Walten vom Kirchenvorstand. "Wahrscheinlich eine aktuelle Zeitung und Münzen."

Zuschauer werden mit Ausblick entschädigt

Darüber enttäuscht, dass die Kugel nicht abgenommen werden konnte, war kaum einer der Gäste. Denn als Entschädigung durften alle auf das Baugerüst klettern und in luftiger Höhe den ungewohnten Ausblick über Grasdorf genießen.

Begonnen haben die Arbeiten an dem von Rissen und kaputten Fugen gezeichneten Kirchturm vor einer Woche. Zur Zeit stemmen Maurer lockeren Fugenmörtel aus dem Mauerwerk. Danach wird der Turm abgekärchert und neu verfugt. Dabei werden auch die Risse verfüllt und die Mauerteile fest verankert. Die von der Landeskirche mit 120.000 Euro veranschlagten Sanierungsarbeiten am Grasdorfer Kirchturm sollen laut Steindorf mindestens bis Mitte Juni dauern. 

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Von Stephanie Zerm

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